Die NPD und flattr

30 Dez

Hallo alle Miteinander,

sobald man über die NPD schreibt muss man seine Worte gut wählen. Bei einen solchen Thema kommt es schnell zu Missverständnissen. Dass ist gerade dann blöd wenn potentielle Arbeitgeber mitlesen. Ich will mich hier ausdrücklich von der NPD als Organisation und dem Rechtsextremismus als Gedankengut distanzieren! Ich meine, eine Welt ohne menschenverachtende Ideologien ist eine bessere Welt!

Nun bin ich durch einen Blogartikel bei maha von dort aus zu einem Artikel bei fixmbr darauf gestoßen, dass auch die NPD flattr verwendet. Es wird in den Artikel kritisiert, dass man seitens flattr nichts dagegen unternimmt. Maha geht in seinem Artikel darauf ein, dass das Menschenrecht auf Assoziationsfreiheit es gestatte NPD und Co von flattr auszuschließen. Er hält das Argument von Peter Sunde, dass man die Meinungsfreiheit sichern müsse für nicht stichhaltig. Maha argumentiert weiter, dass das Engagement gegen Nazis bürgerliches Engagement im besten Sinne sei.
Ich kann diese Sichtweise nachvollziehen. Am liebsten würde ich alles Menschenverachtende auch aus der Gesellschaft exkludieren. Nur, wahr ist aber auch, je stärker Extremisten exkludiert werden desto stärker haben sie die gemeinsame Eigenschaft der Exklusion. Nun kann man argumentieren, man müsse Extremisten es in der Gesellschaft so schwer wie möglich machen. Das ist leicht gefordert, wenn andere den Preis zahlen müssen.

Man möge mich korrigieren aber soweit ich weiß ist Flattr eine Firma, die profitorientiert ist. Die Einnahmen bei flattr sind sicher nicht gerade üppig. Da stellt sich mir die Frage, kann sich diese Firma ihre Kunden überhaupt aussuchen? Maha sagt, na klar kann sie das. Ich erwarte, dass sie auf Geld aus Geschäften mit Nazis verzichtet. Der moralische Gewinn wäre umso höher. Wenn er es nicht erwartet, so würde es bei Ihm zumindest einen positiven Eindruck hinterlassen.

Wenn eine Firma aber Gewinn erwirtschaften muss und moralische Kosten zumindest wahrnehmbare monetäre Kosten verursacht (ich weiß, dass gerade spekuliere, hier geht es ums Prinzip) dann kann sie keine moralischen Kosten auf sich nehmen. Es wäre natürlich interessant zu wissen, wie viel Geld flattr wirklich verloren gehen würde, wenn Nazis ausgeschlossen würden?

Interessant ist, dass hier zwei Dinge zusammenkommen: Geld und Moral. Wenn hier moralisch gehandelt wird, wird (möglicherweise) auf Geld verzichtet. Wenn mehr Geld eingenommen wird, wird auf Moral verzichtet.

Es ist immer einfacher von Anderen korrektes moralisches Verhalten zu erwarten. Hier will ich weder maha noch dem Autor des fixmbr-Artikel unterstellen, sie würden es sich besonders einfach machen. Natürlich ist es negativ wenn Nazis durch flattr profitieren. NPD und Co. profitieren nun mal von Gesellschaft. So wie wir alle von Gesellschaft profitieren. Nur, diese Gruppe Menschen ist ein Teil der Gesellschaft. Hier zeigt sich das Problem. Gedanken sind frei. Auch wenn Strukturen und Geldflüsse austrocknen, die Gedanken, die bleiben. Wir können und sollten versuchen neue Gedanken in die Köpfe der Menschen zu bringen. Am besten, die Leute kommen selbst auf diese Gedanken. Engagierte Bürger bauen Jugendzentren für Jugendliche, die nicht wissen wo sie hin sollen. Engagierte Bürger schaffen Perspektiven für Leute die, (glauben) keine haben.

Engagierte Bürger sollten sich eher um die Ursachen von menschenverachtendem Extremismus bekämpfen als deren Symptome zu bekämpfen. Viele  Bürger bekämpfen die Ursachen, dass Problem ist aber sehr schwierig und vielfältig. Ein NPD – und flattr-Verbot für Nazis werden das Problem nicht lösen.

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2 Antworten to “Die NPD und flattr”

  1. Kohlmeier Januar 13, 2012 um 23:14 #

    Die Bezeichnung „menschenverachtende Ideologie“ kann ich ja noch nachvollziehen und unterstützen, aber bitte nicht der Extremismus-Theorie mit ihrer naiven links-rechts-Einteilung auf den Leim gehen. Menschenverachtende Positionen (z.B. Rassismus) gehören nämlich genauso bekämpft, auch wenn sie sich in der so genannten Mitte der Gesellschaft manifestieren. In diesem Sinne ist „menschenverachtender Extremismus“ natürlich total nebenher gedacht…

  2. marien86 Januar 14, 2012 um 14:21 #

    Hallo Kohlmeier,

    du hast mit deiner Kritik natürlich recht. Ich sehe durchaus einen Unterschied zwischen Extremismus und menschenverachtendem Extremismus. Wenn man „Arbeitsplätze für zuerst für Deutsche“ fordert, ist dies extrem (und rassistisch), aber durch die Meinungsfreiheit noch gedeckt.

    Wenn ich Häuser anzünde, um Menschen bewusst zu verletzen oder sie gar zu töten, ist dies menschenverachtender Extremismus. Das ist nicht mehr durch Gesetz gedeckt.

    Ich gebe dir Recht, Rassismus muss bekämpft werden. Er ist in bestimmten Bereichen ja noch durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Es ist unsere Aufgabe klar zu machen, dass Rassismus keinen Platz hat. Überall in der Gesellschaft. Gesetze und Theorien können nur einen Teil der Gesellschaft abbilden.

    Kannst du mir noch mal erläutern warum ich den Begriff des menschenverachtenden Extremismus nebenher gedacht habe? Gut, ich habe den Begriff im Zusammenhang mit der NPD gebraucht. Ich hätte vielleicht dazu schreiben sollen, dass die NPD mancherorts in der „Mitte der Gesellschaft“ angekommen ist, dass Rassismus dort sich etabliert hat.

    Das Interessante ist doch, dass viele gar nicht wissen was Rassismus eigentlich ist. Sie gebrauchen solche Redewendungen und halten diese für nicht-rassistisch. Wahrscheinlich geht es mir manchmal selbst so, dass ich etwas rassistisches sage, es aber gar nicht so meine. Dieser Alltagsrassismus muss aufgeklärt werden, weil er unbewusst ist, aufklären = bekämpfen. Dann gibt es ja noch den „politischen“ Rassismus, der bewusst eingesetzt wird. Hier muss neben Aufklärung zusätzlich Empörung erzeugt werden empören = bekämpfen.

    Wahrscheinlich ist es auch schwer eine Grenze zu ziehen, ab wann eine Äußerung menschenverachtend ist und wann nicht. Was ist extrem, was menschenverachtend? Die Grenze hängt wahrscheinlich von vielen Faktoren und Kontexten ab.

    Ein weites Feld.

    Gruß, David Marien

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