Das Problem der VWL.

2 Jan

Hallo alle Miteinander,

ich habe die Überschrift wohl etwas großspurig gewählt. Ich habe zu wenig Volkswirtschaftslehre studiert um detailliert welche die Schwächen der Wissenschaft darlegen zu können. Jedoch Ich habe  zu viel VWL studiert als dass ich Probleme übersehen könnte.

Es fängt ganz banal und oberflächlich an. Man sitzt morgens im Hörsaal, ein älterer Herr beginnt die Vorlesung. Er skizziert Gleichungen auf Folien, er wirbelt kräftig auf dem OH-Projektor rum. Der Prof. nimmt das Wort Vorlesung sehr ernst. Seine Folien sowie die ganze Veranstaltung basieren auf sein Lehrbuch, von dem Mitarbeiter unter vorgehaltener Hand behaupten, es gäbe bessere, als das vom Chef. Scheinbar beiläufig erwähnt der Prof. regelmäßig sein Lehrbuch. Dies ist eigentlich unnötig, da die Vorlesung schon das Buch ist. Steigert das den Buchverkauf?

Gut, das wird in anderen Wissenschaften, bei anderen Profs. ähnlich sein. Was ist mit dem Inhalt der Wissenschaft? Man kann argumentieren, die klassischen Modelle der VWL seien notwendig um die Basis der Wissenschaft zu verstehen. Was aber, wenn schon die Modelle von falschen Annahmen ausgehen? Gibt es den Homo oeconomicus wirklich? Sind die Präferenzen wirklich fest definiert, können wir alle Infos über einen Markt sammeln und auswerten? Wollen wir überhaupt ständig rational wirtschaften. Wissen wir überhaupt was wir wollen?

An der Basis der Wissenschaft fangen die Probleme an. Sie ziehen sich weiter bis in aktuelle Diskussionen. Ich will mir kein Urteil anmaßen, wer oder was schuld ist, wie man die Schwächen beheben kann. Die Politische Theorie lässt meiner Meinung nach eine breitere Basis zu. Dort gibt es nicht den einen Menschen mit spezifischen Eigenschaften. Es gibt verschiedene Menschenbilder, die Phänomene unterschiedlich gut erklären können.

Vielleicht gibt es eine volkswirtschaftlich differenziertere Theorie-lehre. Bis jetzt hab ich von ihr nicht gehört. Dabei finde ich VWL gerade heute wichtig. Sie versucht eben nicht den Profit einzelner Akteure zu maximieren, wie die BWL. Sie zielt auf ein Gleichgewicht zwischen Produzenten und Konsumenten. Beide Akteure sollen durch „Wirtschaften“ so motiviert werden, dass auf dem Markt in einen Austauschprozess treten können. Auch scheint mir die Frage wichtig, was aus ökonomischer Sicht Gleichheit/Gerechtigkeit bedeutet?

Es gibt keine unsichtbare Hand, die Oligopole zu Polypole werden lässt? Die Gewinne vieler Unternehmen sind auf einem Niveau, dass man kritisch hinterfragen kann.

Einst war Ökonomie teil der Philosophie. Es wäre nicht schlecht, wenn sie von der Natur (Statik) zum Menschen (Dynamik) zurückkehren würde. Der Mensch wirtschaftet eben nicht so wie ein Roboter, der sein Programm abspult. Ein komplexes Wesen braucht eine komplexe Wirtschaft.

Spiegel-Online Artikel: Versagen der Uni-Ökonomen. Warum bringt uns keiner Krise bei?

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2 Antworten to “Das Problem der VWL.”

  1. bravo56 Januar 9, 2012 um 11:23 #

    Du hast die Überschrift genau richtig gewählt, denn in Deinem letzten Absatz beschreibst Du das Problem der VWL exakt. Sie versucht, sich in den Rang einer Naturwissenschaft zu erheben. Nur lässt sich die Ökonomie mit mechanistischen Modellen nicht exakt beschreiben. So kompliziert und ausgefeilt sie auch sein mögen.
    Das Schlimme daran ist jedoch, dass die Politiker auf diesen naturwissenschaftlichen Anschein hereingefallen sind und nun nichts anderes mehr sind als Marionetten der Wirtschaft.

    • marien86 Januar 10, 2012 um 21:02 #

      Hallo bravo56,

      ich denke, man darf VWLer und Manager nicht in einen Topf werfen, auch wenn es natürlich Verknüpfungen zwischen ihnen gibt. Den meisten neoliberalen VWLern würde ich unterstellen dass sie ihre Theorien in bester Absicht für Gesellschaft unterstellen. Man über Theorien, an sich, herzlich (zu recht) streiten. Die Ausgangsmotivation ist doch eher positiv zu werten.

      Bei Managern sieht das anders aus. In deren BWL-Sicht zählt nur das Unternehmen, nicht die Gesellschaft. Sie haben keinen Gerechtigkeitsbegriff, VWLer suchen nach ihm. VWLer versuchen eine Balance zwischen Konsumenten und Produzenten herzustellen. Managern ist das Schnuppe, wenn es die Rendite nicht gefährdet.

      Man kann begründet gegen neoliberale VWLer argumentieren, sie aber in eine Reihe mit Managern zu stellen, ist meiner Meinung nach falsch und löst keine Probleme.

      Gruß, David Marien

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