warum Menschen einfach denken!

20 Jan

Hallo alle Miteinander,

Bezug nehmend auf diesen und diesen Blogartikel hab ich mir Gedanken gemacht, warum Menschen empfänglich sind für einfache Zusammenhänge. Zusammenhänge, die auf den ersten Blick schlüssig, bei näherer Betrachtung aber in sich zusammenfallen

Wahrscheinlich ist der Mensch noch ähnlich beeinflussbar wie zur Steinzeit. Mehr Wissen allein führt nicht zum kritischen Individuum. Es ist der Hang zur Bequemlichkeit, der Tür und Tor zur Beeinflussbarkeit gibt. Warum sich mit schwierigen wissenschaftlichen Studien auseinander setzen, wenn alles so einfach sein kann? Wir wollen natürlich schon wissen wie die Welt funktioniert. Aber wollen wir jeweils sechs Semester VWL, Politikwissenschaft, Biologie und Physik studieren, nur um zu wissen wie die Welt funktioniert? Die Arbeitsteilung in der modernen Gesellschaft hat eben dazu geführt, dass immer mehr Wissen angehäuft und wieder verworfen wurde.
Die Suche nach den Sinn des Lebens hat uns Religionen beschert, die lange lange Zeit unser Weltbild und unsere Gesellschaft geordnet hat. Für die Religionsführer war das ein gutes Geschäft

Weil die Kirchen als Ideologie-Geber in Folge der Arbeitsteilung und Säkularisierung  nicht mehr zeitgemäß sind, nehmen andere deren Platz ein. Sekten, Rassisten, Esoteriker. Dabei verdienen sie noch ein schönes Sümmchen. Anderes Gewand, gleiche Masche. Es gab und es wird sie immer geben, die tiefe Abneigungen gegen komplexe Erklärungsversuche.

Daran wird auch das Internet als Medium nicht ändern. Es stellt genug Material bereit, um auch einfache Sichtweisen zu bedienen, sie vermeidlich zu verifizieren. Je größer es wird, desto schwieriger, aber auch notwendiger wird es dagegen zu kommentieren.

Auch unsere Bild Zeitung ist Beleg, wie durch dicke Überschriften, schüren von Vorurteilen und das Aufstellen von unbewiesenen Behauptungen, einfache Sichtweisen bedient werden. Die Bild macht Meinung.

Auch wenn die Bild aktiv ist, muss sie dem Volk aufs „Maul schauen“ Das ist meiner Meinung sogar wichtiger, als die „Aktivität“ der Meinungsmache an sich. Nur wenn ich weiß, was die Leute denken, welche Vorurteile sie haben, was sie interessiert, kann ich sie beeinflussen.

Auch wenn die Bild gewisse Trends setzt, so schlummert bei den Leuten bereits ein Keim. Alles was die Bild dann tut, sie lenkt Nährlösung auf den Keim und lässt so Unkraut sprießen. Wo aber kein Keim vorhanden ist wird auch noch so viel Nährlösung nichts bringen. Die Bild kann Meinungen nur lenken, weil sie weiß, in welche Richtung diese überhaupt lenkbar sind.

Bild ist nur ein Brandbeschleuniger für ein kokelndes Lagerfeuer. Das Lagerfeuer wurde angezündet, als es wahrscheinlich noch keine Schrift gab. Es lodert ganz tief im Menschen selbst und wartet nur auf neue Nahrung.

Es ist diese Mischung aus Neugierde und Bequemlichkeit, die uns empfänglich macht für einfache „Wahrheiten“.  Wir brauchen einen Sündenbock. Wir wollen ein Thema schnell abhaken. Wir wollen keine Mühe investieren, um zu verstehen wie die Welt funktioniert, gerade in dieser komplexen Zeit.

Vielleicht steckt aber in uns bereits die Ahnung, dass wir eine Mitverantwortung und eine Mitschuld, an vielen Problemen dieser Welt tragen. Würden wir uns intensiver mit komplexen Dingen beschäftigen, würde aus dieser Ahnung schnell eine Gewissheit werden, die man nicht mehr ignorieren kann.

Es ist genau diese Mischung aus bequemer Neugierde und geahnter Mitverantwortung, die uns nach einfache Zusammenhängen fragen lassen. Es ist jenes Mittelmaß zwischen Ignoranz und Handlungswilligkeit, was uns zu einfachen Zusammenhängen führt.

Niemand ist völlig frei von dieser Suche nach einfachen „Wahrheiten“. Vielleicht hilft es, sich selbst ab und an zu hinterfragen. Die Einsicht, das die Welt komplexer ist als wir wahrhaben wollen, ist vielleicht der erste Weg, hin zu einer komplexeren Sichtweise der Welt.

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2 Antworten to “warum Menschen einfach denken!”

  1. bravo56 Januar 20, 2012 um 18:58 #

    Statt auf Deine Kommentare bei mir, antworte ich Dir hier. Ich müsste sonst ja alles 3x schreiben. Es ist der Hang zur Bequemlichkeit … 🙂
    Sicher gibt es auch den Hang danach, einfache Erklärungen für all die komplizierten Zusammenhänge geliefert zu bekommen. Ich richte mich gerne dagegen, dass dieser Hang ausgenutzt wird. Derjenige, der etwas veröffentlicht hat auch die Pflicht, sich Gedanken über die Wirkung zu machen. Und ich gehe davon aus, dass sowohl die Politiker, als auch die BILD als auch ominöse rechtslastige Seiten im Netz sich die Wirkung der massenhaften Verbreitung ihrer Parolen sehr wohl bewusst sind.
    Natürlich steckt in jedem von uns zum Beispiel im Keim ein Rassist. Dieser muss jedoch erst geweckt werden, um an die Oberfläche zu kommen. An diesem Beispiel lässt sich ganz gut, die Maipulation erläutern. Wäre nicht seit Jahrzehnten von Seiten vieler Politiker und von vielen Medien der Ausländerhass geschürt worden, hätten wir heute sicher ein ganz anderes Verhältnis zu den Menschen mit Migrationshintergrund. Die einfache Erklärung, dass Ausländer an verschiedensten Mißständen (Ebbe in den Sozialkassen, Arbeitslosigkeit, Kriminalität usw. usw.) Schuld seien, hat durch die immer wiederkehrende Wiederholung Früchte getragen.
    Da habe ich ein sehr passendes Zitat parat: „Es waren Politikerinnen und Politiker, die die Begriffe vom Scheinasylantentum, von Flüchtlingsströmen, von Wirtschaftsflüchtlingen, vom Asylmissbrauch, von asylfreien Zonen, von Durchmischung und Durchrassung in die Debatte brachten und solche Worte zeigen Wirkung. All’ jene, die in der beschriebenen Art und Weise die Asyldebatte führten und führen, haben an rassistischen und ausländerfeindlichen Pogromen als intellektuelle Urheber ihren Anteil. Sie können für sich in Anspruch nehmen, das Klima in der Bundesrepublik Deutschland verändert zu haben, aber in welch schlimmer Art und Weise“ (Gregor Guysi 1993 im Bundestag)

  2. DM86 Januar 20, 2012 um 21:56 #

    Hallo bravo56,

    Natürlich ist sich die Bild ihrer Wirkung bewusst. Sonst würde sie ja nicht tun, was sie tut. Warum schüren Politiker Ausländerhass ? Weil es stimmen bringt! Wie gesagt irgend Jemand muss die Gießkanne drauf halten.

    Die Arbeitsweise der Bild bestätigt doch gerade, das die Leute bequem sind. Anstatt ihre Artikel zu hinterfragen, werden diese als Beleg für die eigene Meinung gebraucht. Ala „Siehst du, die Bild hats auch geschrieben“ Würden die Leute mehr hinterfragen könnte die Bild schreiben was sie wollte, es bliebe wirkungslos.

    Am Ende kommt es auf den einzelnen Leser an, und eben nicht auf eine große Boulevard-Zeitung.

    Gruß, David

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