Warum wir uns manchmal schämen sollten.

24 Jan

Hallo alle Miteinander,

Es war einmal ein SED-Funktionär irgendwo in Ostdeutschland. Er war überzeugter Kommunist und trat sein Leben lang für seine Überzeugung ein. Er war aber auch ein Mensch, der seine Augen offen hielt. Ein Mensch, der das Herz am rechten Fleck hatte, der seinen Verwandten in Westdeutschland schrieb, der ZDF und ARD schaute, obwohl er dass eigentlich nicht sollte.

Er war ein Arbeiter, ein Tüftler, ein Mensch der wusste, was harte körperliche Arbeit ist.

Es brauchte eine Weile, aber in einem längeren Prozess fiel ihm auf, dass etwas nicht stimmte. Das, was die Funktionäre in Potsdam und Berlin verkündeten, passte irgendwie nicht zu dem, was der Funktionär vor Ort, im Betrieb, im Konsum sah. Er diskutierte mit den Kollegen im Betrieb und kam zu dem Entschluss diese Diskussion gehört in die Partei. Denn schließlich will die Partei ja auf den Weg zum Sozialismus vorankommen. Das war die Aufgabe eines Parteifunktionärs.

Doch ihn beschlich das Gefühl, es würde Niemanden interessieren was er kritisieren wolle. Schlimmer, er ahnte sie würden die Überbringer der schlechten Nachricht, für deren Inhalt verantwortlich machen. Doch wovor sollte sich der Funktionär fürchten? Er will doch nur das Beste für alle.

Doch als seine Kritik vortrug stellte er schnell fest, einige wollten nur das Beste für sich selbst. Bald wurde klar, seine Ahnung, die er mit besten Gefühlen verdrängt hatte wurde Wirklichkeit.

Er war nicht mehr erwünscht. Seine Arbeit war nichts mehr wert, seine Worte verhallten, als ob er sie nie gesprochen hätte. Aus bester Absicht wurde bitterer Ernst, aus Fortschritt wurde Rückschritt, aus dem Besten für alle wurde das Mittelmaß für wenige.

Der Funktionär hatte die Welt aller ein bisschen besser machen wollen. Nun war seine Welt verdüstert von Ungewissheit, Entäuschung. Trauer und Wut legten sich über diese Welt.

Die Moral dieser Geschichte: wenn wir das nächste Mal irgendwo einen Rand hinterlassen, wenn wir leichtfertig mit dem Finger auf andere zeigen, wenn wir Forderungen aufstellen, sollten wir uns fragen, was sind wir bereit für eine bessere Welt wirklich zu riskieren?

Menschen haben für das Eintreten kleiner, realistischer, erreichbarer Ziele zu viel riskiert. In einigen Gebieten dieser Welt riskieren sie noch immer zu viel.

Ich habe den Eindruck, dass Wir uns ab und an schämen sollten. Weil wir viel fordern und wenig bzw. gar nicht bereit sind etwas dafür zu tun. Leute haben für weniger mehr riskiert und tragen bis heute dafür Konsequenzen. Diese Beobachtung sehe ich durchaus als Selbstkritik. Lieber Mittelmäßig agieren, als übermäßig schwadronieren. Scham über uns selbst und nicht Empörung über andere ist von Zeit zu Zeit angesagt!

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