Papier, ein Verführer

25 Feb

Hallo alle Miteinander,
neulich, auf Phoenix habe ich eine interessante Doku des NDR zum Thema Papierverbrauch gelesen.

45 Min – Verführer Papier, eine ganz sachlich und unaufgeregt recherchierter Beitrag. Sehr bezeichnend fand ich das Verhalten das Papierherstellers SCA. Das NDR-Filmteam durfte an keinem der Firmenstandorte drehen, weder in Deutschland, noch in Schweden. Auch die Konkurrenz zeigte ein solches Verhalten. Nur ein Hersteller öffnete seine Pforten. Da dieser im Verhältnis zu den Anderen unkonventionell, mit wenig Chemie und mit Altpapier, produziert, war dies kein Wunder.

Was der Film auch gezeigt hat, der „Öko-Boom“ ist vorbei. Der Autor hat dies sehr selbstkritisch am Beispiel Hygenepapier deutlich gemacht. In seiner Familie wird eben nicht das recycelte aber härtere und gräulichere Toiletten- und Klopapier genutzt, sondern das weiße und weiche aber Ressourcenfressende gewöhnliche  Toiletten- und Klopapier.

Der Film hat meiner Meinung nach ein Grundverständnis für das Problem erzeugt, ohne viel harte Fakten zu bemühen. Das kann man kritisieren. Ich finde, es reicht, einen abgeholzten Teil eines schwedischen Waldes zu sehen. Die Fakten dazu, wird sich keiner merken. Das Bild der kahlen Bäume wird ein bisschen länger im Gedächtnis bleiben.

Die Empörung im Film wirkt etwas gequält, als man nach einer Papieranalyse merkt, dass der Malblock, (der Tochter) des Autors, teilweise aus Tropenholz besteht. Das ist sehr wahrscheinlich, wenn man ihn im 1-€-Laden kauft. Was soll die Empörung?

Gut finde ich, das am Abschluss des Films, die Familie des Autors beschließt ihren Papierverbrauch zu senken. Klar, das hat man nur so gesagt, ob man sich wirklich dran hält? Das Signal finde ich aber lobenswert, nicht nur drüber nachdenken, was man gesehen hat, sondern Handlungsalternativen ableiten. Denn implizit ist nicht gleich explizit.

Der Film hat sehr schön gezeigt wie wir uns vom Konsum entfremdet haben. Wenn wir nicht wissen wie Dinge produziert werden, wird Werbung unser Wissensersatz, weil sie uns (Schein)Information bietet. Wenn uns Werbung „informiert“ verzerrt sie unsere Wahrnehmung, weil sie unser einziger Bezugspunkt wird. Man denke nur an die Lila-Milka-Kuh, die Schokomilch gibt. Wenn unsere Wahrnehmung verzerrt wird werden wir manipulierbar, weil wir durch verzerrte Wahrnehmung falsche Schlüsse ziehen. Man denke an die Kinder-Riegel mit ganz viel Milch drin. Wenn wir manipulierbar werden verdienen sich Dritte dumm und dämlich, weil man unsere falschen Schlüsse zu Geld macht.

Entfremdung bietet also eine gute Möglichkeit Geld zu verdienen. Der Film hat hat gezeigt, dass wirklich jeder von dieser Entfremdung betroffen ist. Wer denkt schon darüber nach, wenn das weiche Klopapier sprichwörtlich „am Arsch vorbei geht“, dass dafür Holz, Wasser und Energie verbraucht wurde?

Der Film hat sehr schön das Mittelmaß unseres Verhaltens aufgezeigt. Wir überlegen nicht, wägen eben nicht genau ab, was wir konsumieren. Wir konsumieren, gerade bei Toiletten- und Klopapier. Wir vereinfachen das Einkaufen, damit wir Zeit für wichtigeres haben. Wir sollten uns ab und Zeit nehmen, um unser Konsumverhalten zu überdenken. Der Film hat sich schon deshalb gelohnt, weil der Autor dies selbstkritisch aufgezeigt hat.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: