Monarchie schöner wie nie?

15 Mrz

Hallo alle Miteinander,

ich bin über folgenden Artikel gestolpert: Preußen-Prinz fordert Rückkehr zur Monarchie

Nach Ansicht des Prinzen vermitteln Königsfamilien Stabilität. „Sie werden nicht per Misstrauensvotum oder durch Aufhebung der Immunität aus dem Amt gefegt. Das tut einem Land gut“

Aha, Stabillität. Großbritannien, die skandinavische Länder und BENELUX sind also stabil, weil sie Monarchien sind? Hab ich in meinen Vorlesungen zur Vergleichenden Politikwissenschaft nicht richtig aufgepasst oder warum kann ich mich an diese Aussage nicht erinnern? Die Monarchen dieser Länder sind zu schwach, um ihre Länder stabil zu halten, das können ihre Regierungschefs besser, weil sie mehr Macht haben, wer mehr Macht hat kann andere Akteure besser in ihren angestammten Positionen halten.

Wenn wir die politische Stabilität als Argument für Monarchien widerlegt haben, bleibt die soziologische Stabilität, was immer dass auch genau ist, übrig. Eine Person, ein Personenkreis, der in Zeit und Raum fest definiert ist, soll also den sozialen Zusammenhalt, die Sozialintegration gewährleisten. Wir formen von Geburt bis in den Tod Menschen, die unseren Idealen, Erwartungen und Hoffnungen entsprechen. Gut, dass passiert auch mit jedem anderen Menschen in der Gesellschaft. Der Unterschied nur ist: jeder andere Mensch hat das verfassungsmäßig garantierte Recht, gesellschaftliche Ideale, Erwartungen und Hoffnungen zu interpretieren, sie für sich sinngemäß auszulegen. Dass diese Auslegung Funken schlägt sieht man im Fall Wulff. Diese Funken sind notwendig! Sie sind notwendig, weil man so sehen kann, ob Menschen der Gesellschaft gerecht werden. Menschen können Fehler machen und bei bestimmten Fehlern werden sie von der Gesellschaft sanktioniert. Das nennt man dann Strafe.

Wie aber kann ein Monarch bestraft oder auch gelobt werden? Warum wollen wir einem Kind, einem Menschen zumuten zur Reflektorfläche der Gesellschaft zu werden? Ist eine vermeidlich höhere Stabilität der Gesellschaft mehr wert als die freie Entfaltung eines Menschen? Auch wenn Monarchen formal abdanken können, der permanente Druck den wir ihnen zumuten, wird sie von dieser Entscheidung abhalten. Stabilität kann schnell in Stagnation enden, sowohl für Monarchen als auch für Gesellschaften.

Auch wenn man über den Rücktritt von Horst Köhler als Bundespräsidenten streiten kann, ich billige jedem, jederzeit das Recht zu sein Leben zu verändern. Im Geschäftsleben ist das geregelt, Vertragsstrafen, Kündigungsfristen u. a. definieren die Konsequenzen, die „Lebensänderung“ zu Folge hat. Für Monarchen sind die Konsequenzen einer solchen „Lebensänderung“  wahrscheinlich sehr viel schwieriger abzuschätzen als für Bundespräsidenten.

Auch wenn man über  Christian Wulffs  Verhalten sicher empört sein kann, wenn man Ehrensold, Amtsausstattung und Co. mal außen vor lässt, finde ich es ertragbar wenn Bundespräsidenten Fehler machen. Hier gibt es ja ein Regelwerk, was Fehler und Konsequenzen definiert, dass Grundgesetz, wenn zugegebenermaßen auch etwas schwammig. Das Bundesverfassungsgericht urteilt darüber ob Fehler Fehler sind, ob Konsequenzen gezogen werden müssen. So weit wird es hoffentlich nie kommen, man ist darauf mehr oder minder vorbereitet.

Mittelmäßigkeit gehört zum Menschen, wenn wir auf bestimmte überhöhte gesellschaftliche Erwartungen bestehen, sollten wir uns nicht wundern, wenn Menschen uns eben jene vorspielen. Warum wohl gab und gibt es Hofstaaten, eine königliche Verwaltung? Inszenierung ist Teil des Geschäfts, sie muss organisiert werden.

Ich finde, jeder soll alles erreichen können, wenn diese Person die nötige Qualifikation (und Inszenierungsfähigkeit) besitzt. Weil jeder die Möglichkeit hat Qualifikationen zu erwerben, kann sich ein Pool aus Kandidaten, für „Amt und Würden“ herausbilden. In Monarchien finden wir diesen Pool bereits vor, wenn eine Gesellschaft Pech hat, muss sie hier nacharbeiten, die wirklich fähigen und qualifizierten Leute bleiben draußen.

Auch wenn wir von diesem Ideal noch etwas entfernt sind, rücken uns Monarchien von diesem Ideal weiter ab, in dem Glauben, dass Monarchien „stabiler“ sind. Wollen wir unsere Gesellschaft mit Placebos, mit Homöopathie am laufen halten?

Ich will dies nicht!

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