Der Kampf gegen Goliath geht weiter!

4 Apr

Hallo alle Miteinander,

in diesem Artikel hatte ich ja berichtet, wie der Sender RTL gegen den Produzenten und Frontmann von Fernsehkritik-TV vorgeht. Hintergrund sind T-Shirts, die im Shop zur Sendung verkauft werden. Für RTL, verstößt, wenn ich es richtig verstanden habe, die Logo-Gestaltung der Shirts gegen ihr Markenrecht. Für  Holger Kreymeier geht es um eine satirische Auseinandersetzung mit dem Programm des Senders, die Shirts mit dem Logo „Scheiß RTL“ verdeutlichen dies gut, wie ich finde.

Nun geht die Auseinandersetzung in eine weitere Runde. In einem Blogeintrag rief Kreymeier zu Spenden auf. Er benötigt 5000 Euro, um aufgelaufene Anwalts- und Gerichtskosten zu bezahlen. 2000 Euro zahlt er aus eigener Tasche, den Rest hat er über Spenden ein geworben, innerhalb von vier Tagen! (bis zum letzten Absatz scrollen)

Nun kann man dieser Aktion mit geteilter Meinung gegen überstehen. Zu erst das Positive

  • Eine Dagegen-Kultur hat sich für etwas mobilisiert, die gemeinsame Ablehnung bzw. zu mindestens Kritik am RTL-Fernsehprogramm hat zu einem „wir“ geführt. Das „Scheiß-RTL“ Shirt ist zu einem kulturellen Symbol geworden.
  • Leute waren bereit Geld für eine Sache zu spenden, von der sie, materiell, nichts haben werden. Die Ablehnung gegen RTL ist so stark, Menschen einer fremden Person Geld spenden, ohne einen persönlichen Vorteil zu erwarten. Wenn das nicht Beleg für eine starke Gemeinschaft ist, was dann?
  • Innerhalb von vier Tagen hat Kreymeier 5000 Euro gesammelt. Viele Leute geben ihm Hinweise über TV-Sendungen und Programme. Er sammelt mehr oder minder Wissensressourcen. Innerhalb seiner Fernsehkritik-TV Community und sicher auch bei einigen Medienjournalisten hat Kreymeier Reputation, einen sozialen Status erworben.
  • Dass Sammeln von ökonomischen, Wissen-, und Statusressourcen verleiht Kreymeier Macht, die er gegenüber RTL nutzen kann. Er kann es sich leisten gegen einen Multi-Millionenkonzern anzukämpfen.

An dieser Spendenaktion die Kreymeier initiiert hat kann man die Macht von Zivilgesellschaft erkennen. Jenseits von politischen oder (primär) wirtschaftlichen Interessen bilden sich Gruppen mit fokussierten Arbeitsauftrag. Auf RTL eins auswischen kann ein   Arbeitsauftrag sein. Die vier o. g. Punkte treffen auch auch andere Akteure der Zivilgesellschaft zu. Ähnlich wie Kreymeier haben so auch einst Greenpeace und Attac angefangen. Heute sind sie als organisierte Einheiten eher mit RTL als mit Kreymeier vergleichbar. Aber sie alle sind Kinder der Zivilgesellschaft.

Es gibt meiner Meinung nach auch negative Aspekte:

  • muss eine Gemeinschaft die privatrechtliche Auseinandersetzung einer Privat- bzw. Geschäftsperson finanzieren? Es geht nicht in erster Linie um Meinungsfreiheit, sondern um eine markenrechtliche Auseinandersetzung, die von der Meinungsfreiheit (Satire) gekreuzt wird.
  • Ohne Herrn Kreymeier etwas vorwerfen zu wollen, nichts liegt mir ferner, es ist nicht nachvollziehbar wo das Geld landet. Es bleibt eine Restunsicherheit, wo das Geld bleibt, bzw. ob der Prozess überhaupt gewonnen wird.
  • Ist das Ziel, das Herr Kreymeier Shirts mit dem Aufdruck „Scheiß RTL“ verkaufen darf, ein für die (Zivil)Gesellschaft erstrebenswertes? Ändert es etwas an den Fernsehgewohnheiten der Fernsehmehrheit, die für das aktuelle Fernsehprogramm mitverantwortlich ist?
  • Werden hier nicht Prioritäten zu Gunsten Einzelner verschoben? Man kann darüber spekulieren, ob die 5000 Euro in einem Fonds zur Förderung von Medienkompetenz nicht mehr Wirkung erzielt hätten. Vielleicht wird in fünf Jahren von einem, für Kreymeier, positiven Urteil vor Gericht profitieren. Die Wirkung wird wenn überhaupt, erst stark verzögert auftreten.

Insgesamt komme ich zu einem positiven Urteil über die Aktion von Holger Kreymeier. Selbst wenn die Spendengelder „verbrannt“ werden sollten, über diese potentielle Risiko müssen sich die Spender bewusst sein. Sie müssen ja nicht spenden. Was sind denn erstrebenswerte Gesamtinteressen? Wenn sich ein Einzelinteresse mit Zeitverzögerung in ein Gemeinschaftsinteresse umwandelt (Kreymeier gewinnt Prozess, schafft somit ein Stück mehr Rechtssicherheit für weitere Kläger) ist dies, meiner Meinung nach ebenso erstrebenswert, wie der Medienkompetenz-Fonds. Auch dessen Wirkung, tritt wenn überhaupt, erst verzögert ein.  Was eine Gemeinschaft finanziert, entscheidet sie selbst. Wenn sie Kreymeier einen Karibik-Urlaub finanzieren lassen würde, hat es die Community so entschieden. Wie immer Außenstehende dazu stehen mögen. RTL hätte die Angelegenheit etwas gelassener sehen können. Für den Konzern entsteht doch kein nennenswerter Schaden. Die wirkliche Motivation kann ökonomischer Schaden ja nicht sein. Der Leser mag hier seine eigenen Schlüsse ziehen.

Für mich überwiegt, dass sich Holger Kreymeier in den Kampf um (satirische) Meinungsfreiheit begibt. Er wendet Zeit, Geld und Nerven auf, für eine erstrebenswerte Sache: die Äußerung einer satirischen Meinung. Wenn Menschen dies mitfinanzieren, dann kann dies ja nur gut sein. Wenn ein David, mit mittelmäßigen Verständnis von Recht, Gesetz und Moral in den Kampf gegen Goliath zieht nötigt mir dies Respekt ab.

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6 Antworten to “Der Kampf gegen Goliath geht weiter!”

  1. bravo56 April 4, 2012 um 22:09 #

    Danke für den Artikel. Ich verstehe den Prozess schon so, dass unter dem Deckmantel einer Markenrechtsverletzung Kreymeier die Kritik an RTL verboten werden soll. Einerseits zeigt sich, wie empfindlich Konzerne gegenüber Kritik reagieren. Andererseits sieht man auch, wie sehr das Markenrecht inzwischen zum Kampfinstrument von Konzernen geworden ist. Man denke nur an die hanebochenen Prozese, die Apple immer wieder vom Zaun bricht (zum Beispiel gegen das Café Apfelkind in Bonn).

    • marien86 April 5, 2012 um 19:05 #

      Hallo bravo56,

      der Artikel zeigt meiner Meinung nach aber auch, dass Initiativen (FKTV fasse ich als solche mal zusammen) Konzernen nicht mehr so schutzlos ausgeliefert sind wie in der Vergangenheit. Man muss nur geschikt mit seinen Ressourcen umgehen.

      Was Apple und Co. wirkt schon sehr seltsam, ist in deren Sichtweise aber nachvollziehbar. Man möchte Kontrolle über seine Marke behalten, d. h. möglichst negative Assoziationen mit der Marke vermeiden.

      Letztendlich müssen hier Gerichte entscheiden, man könnte dies vielleicht minimieren, wenn man miteinander sprechen würde. Einige Verfahren würden sich in Luft auflösen. Wenn jedoch ein paar Tausend Euro Anwaltskosten vernachlässigbar sind, wählt man diesen Weg. Mit Gerichtsverfahren zu drohen, führt ja oft genug schon zum gewünschten Ergebnis.

  2. dirkantosch November 3, 2012 um 02:32 #

    Ich finde diesen Kreymeier erbärmlich. Erst legt er sich wegen einem bescheuerten T-Shirt mit dem größten und erfolgreichsten Privatsender Europas an, dann wundert er sich daß er den Prozess verliert. Und jetzt bettelt er bei den Deppen, die ihm in den Arsch kriechen nach Kohle um die Prozesskosten zahlen zu können. Wenn er wirklich der „Wohltäter“ wäre, für den er sich ausgibt, würde er die Kohle selbst zahlen und die ganze Sache auf sich beruhen lassen. Aber nein, er strebt einen weiteren Prozess an um sich noch mehr zu verschulden. Aber „seine“ Community zahlt ja, weil er der Rächer der Dummköpfe ist, die selbstverschuldet auf RTL reingefallen sind.

    • marien86 November 3, 2012 um 13:40 #

      Hallo,

      ich finde, du hast den falschen Blickwinkel. Ist es nicht von RTL „erbärmlich“ dass sie gegen dieses T-Shirt vorgehen? Hätten Sie nichts getan, würden ein paar Exemplare verkauft werden. Kein Hahn würde krähen. Sie hätten keinerlei Imageverlust, Kreymeier hätte ein paar Euro Umsatz. Keiner hätte ein Problem. Wenn RTL dagegen vorgeht stellt sich die Frage, wie damit umgehen? Wir haben ein Justizsystem, das genutzt werden kann, da wird es aber teuer.

      Die Grundfrage lautet: darf RTL „Dummköpfe“ vorführen? Dürfen sich „Schlauköpfe“ lässig zurück-lehnen und über die vorgeführten „Dummköpfe“ ablästern? Du hast für dich die Frage mit „Ja“ beantwortet, dass ist dein gutes Recht. Kreymeier antwortet hier mit „Nein“. Gleichgesinnte sammeln sich um ihn, einige finanzieren ihn.

      Wenn es einen Sender RTL gibt, dann soll es auch die Gegenseite geben. Ich finde ganz andere Sachen erbärmlich als diese Aktion. Uns ziehen doch ganz andere Leute ungefragt, viel höhere Summen für nichts aus der Tasche.

      Ich sehe das ganz entspannt. Die Spender geben was sie wollen. Entweder es reicht oder Kreymeier geht baden. Das Risiko liegt bei ihm. Thats it.

      Gruß, David Marien

      • dirkantosch November 13, 2012 um 23:25 #

        Das T-Shirt hat nichts mit Satire zu tun. Und Kreymeier beschwert sich, daß RTL menschenverachtend ist und Leute vorführt. Gleichzeitig beleidigt er in einem seiner Videos ein Nacktmodel „laufende Wichsvorlage“ (nur eins von etlichen Beispielen). Das ist einfach nur beleidigend und hat mit Satire genausowenig zu tun wie sein „scheiß RTL“-T-Shirt. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen und Kreymeier sollte lieber vor seiner eigenen Türe kehren bevor er seine „Fans“ blechen lässt, für den Bockmist, den er gebaut hat.

      • marien86 November 14, 2012 um 00:16 #

        Hallo,

        du hast natürlich recht, dass Kreymeier etwas dick aufträgt. Es lässt sich trefflich streiten, was Satire ist, welches (mediale) Verhalten man an den Tag legen soll. Das „zweierlei Maß“ kann ich nicht erkennen. Das ist natürlich nur meine subjektive Einschätzung. Er provoziert und geht sprichwörtlich an die Grenzen. Dem Einen gefällt es, dem Anderen halt nicht.

        Im Übrigen: RTL verklagt ihn! RTL klagt sein Recht auf Markenkontrolle ein. Das ist seitens RTL legitim. Selbst wenn das Shirt nur eine „geschmacklose Verunglimpfung“ ist, was interessiert es RTL? Ein paar „Fans“ tragen dieses Shirt und gut is! Muss RTL so auf seinen Ruf achten, dass ein paar Shirts hier gefährlich werden könnten?

        Ich denke, jeder hat das Recht, mich und jeden Anderen um Spenden zu bitten. Ob wir den Spendenzweck legitim empfinden, ob wir das Spenden, an sich in Ordnung finden steht wieder auf einem anderen Blatt. Meinetwegen soll doch ein Millionär um Spenden bitten, auch wenn er ein ukrainischer Zuhälter mit illigalen Prostituierten hat. Kein Mensch würde dem was spenden, er macht sich unglaubwürdig!

        Wenn Kreymeier für dich unglaubwürdig ist, dann ist das eben so! Es gibt ja auch Ansatzpunkte für diese Meinung. Für mich ist er weder doppelmoralisch noch beleidigend. Ich glaube, besagtes Nacktmodel kann mit Kreymeiers Bezeichnung gut leben. Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird!

        Gruß, David Marien

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