Anders Breivik: wie viel Menschenverachtung stekt in uns?

16 Apr

Hallo alle miteinander,

mit großem Interesse habe ich die Live Übertragung des Gerichtsprozesses gegen Breivik bei Phoenix zur Kenntnis genommen. Auch wenn ich mir nicht alles angeschaut hab, die paar Minuten haben mir schon ausgereicht, die Miene dieses Mannes sagt alles. Nun streiten sich Psychologen, ob er schuld-fähig ist oder nicht. Diese Experten-Diskussion hat erst mal juristische Relevanz, sie scheint fernab von uns, die wir uns für gewöhnlich sozialisierte und moralisch gefestigte Menschen halten.

Doch Nationalsozialismus, Stalinismus und Maoismus haben doch gezeigt: unschuldige Menschen barbarisch hinzurichten, zweierlei Maß für Moral zu entwickeln ist erlernbar. Als ich Breivik bei Phoenix gesehen habe, ist mir dieser Gedanke sofort gekommen. Die Skandinavier gelten ja im Allgemeinen als weltoffen und liberal. In welchem Maß gilt dies für die Bevölkerung jenseits der Großstädte? Wer hätte denn noch vor wenigen Monaten geglaubt, dass wir die Zwickauer Terrorzelle hatten?

Im Mittelalter, als die Inquisition auf Hochtouren lief, waren Hexenverbrennungen, Folterungen aber auch häusliche Gewalt und ähnliches an der Tagesordnung. Was heute verachtenswert ist, gehörte damals zu guten Ton. Dies wurde so wahrscheinlich auch gar nicht als verwerflich empfunden.

Zurück zur Gegenwart: die Live Übertragung des Gerichtsprozesses scheint mir die beste Waffe, die Existenz von Menschenverachtung nicht nur aufzuzeigen, er lehrt uns auch damit umzugehen. Damit meine ich gar nicht das Gerichtsurteil. Es ist nicht die Aufgabe von Recht Genugtuung zu bringen, dies ist zu individuell, als dass man dies staatlich normieren könnte. Nicht der Mob, sondern eine gesellschaftlich legitimierte Institution spricht Recht. Auch die Opfer müssen weiterhin mit dem erlittenen leben, nichts kann das Geschehene rückgängig  rückgängig machen. Es geht also um das „damit umgehen“ lernen. Der Gerichtsprozess, an sich, bildet diesen Lernprozess bereits ab. Man vergewissert sich, das möglich ist was unmöglich schien. Man hält an dem fest was man hat, weil sich so am besten gegenüber Terror und Menschenverachtung stellen kann.

Wer bei solchen Taten nur Gesetzesverschärfungen fordert, ist sich nicht im klaren darüber, dass man den Tätern damit in die Hände spielt. Sie können einen Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung ausüben. 9/11 ist ein gutes Beispiel hierfür. Solche Forderungen sind nur Mittelmaß und verkennen die Tiefe des Problems.

Es wird immer Menschen wie Breivik geben. Es werden immer solche Taten geschehen. Wir müssen neben Prävention, auch die Auseinandersetzung damit verstärken. Wir werden immer damit leben müssen, lernen wir etwas daraus.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: