Vom richtigen Begriff

18 Mai

Hallo alle Miteinander,

ich möchte heute Bezug nehmen auf den Blogartikel Fortuna-Aufstieg  von tinyentropy, der die Aussschreitungen des Spiel anschneidet. In den Kommentaren hat der Autor darauf hingewiesen, dass das Wort Hooligan vorbelastet ist:

Im Zusammenhang des Fortunaspiels möchte ich definitiv nicht von Hooligans sprechen. Das halte ich für wichtig, weil ich befürchte, dass nun vielleicht an dem Verein ein Exempel statuiert werden könnte.

Was ich hier nicht ganz nachvollziehen kann: ein Begriff soll nicht verwendet werden, weil er als Argument für ein Exempel genutzt würde? Ich würde es verstehen, wenn man argumentieren würde, es handle sich nicht um Hooligans, weil bestimmte Eigenschaften nicht vorlagen.

Ich halte es für falsch, Begriffe nicht zu verwenden, weil sie falsch interpretiert werden könnten. Begriffe sollten nicht verwendet werden, wenn sie nicht beschreiben können was ist. Interpretationen kann man nur begegnen, in dem man prüft, ob die Interpretation der Wirklichkeit standhält. Ob die Begriffsdefinition Hooligan bei Wikipedia uns hier weiterhilft kann ich nicht beurteilen, ich kenne mich hier nicht aus. Wie sollte man die Fans adäquat beschreiben: Randalierer, Raufbolde, Stimmungsmacher? Handelt es sich um Leute, die nur mal ausgetikt sind oder wird hier strukturell agiert?

Man benötigt also eine ganze Menge Informationen, um einen passenden Begriff zu finden der das Geschehen angemessen beschreibt. Wer macht wann, was wo, mit wem und weshalb?  Man ist da manchmal geneigt in die falsche Schublade zu greifen. Doch anstatt zu sagen, ich ziehe sie nicht mehr auf, sollte man eine passendere einbauen. Das kostet Mühe und Kraft. Es bringt aber als Begriffe nur zu tabuisieren. Man muss sie halt durch angemessenere Begriffe ersetzen.

Es haben sich noch keine prominenten homosexuelle Fußballspieler geouted. Jedenfalls bei Männern. Weil das Wort „schwul“ nicht benutzt wird gibt es das im Fußball nicht? Sind alle Männer im Profi-Fußball heterosexuell und frei von jeglichen Depressionen?

Das Wort „Neger“ ist eindeutig unpassend um Menschen mit dunkler Hautfarbe zu beschreiben. Er ist eng mit der Geschichte von Kolonialismus, Sklaverei und Rassentrennung verbunden. Ob der Begriff „dunkelhäutig“ hier besser passt, weiß ich nicht. Es ist jedoch gut, wenn das Wort „Neger“ aus dem Alltagswortschatz verdrängt wird. Zigeuner wäre ein weiteres Beispiel oder Kanake. Die Suche nach passenden Begriffen hält also weiter an.

Es ist also schlecht Begriffe zu nutzen, die die Welt schlecht beschreiben. Es ist Mittelmaß diese Begriffe zu ignorieren und es ist gut sie durch passendere zu ersetzen. Was „passt“, darauf muss man sich einigen. Wie gesagt, das  kostet Mühe und Kraft.

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3 Antworten to “Vom richtigen Begriff”

  1. tinyentropy Mai 18, 2012 um 12:41 #

    Hallo!

    Da hier meine Aussage angeschnitten wird, möchte ich dazu kurz Stellung nehmen, was ich im übrigen bereits zu Deinem Kommentar unter meinem Artikel getan hatte.

    Ich wollte den Begriff vermeiden, weil er in dem Zusammenhang mit der Ereignissen rund um das Relegantionsspiel zw. Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC unpassend ist. Unter Hooligans verstehe ich gewaltbereite Fangruppen. Solche Gruppen gibt es leider bei fast allen Vereinen, aber die Fans, die bei dem Spiel zu früh den Rasen gestürmt haben, haben keine Gewaltbereitschaft gezeigt. Es war ein Massenphänomen, weil einzelne Fans einen Pfiff falsch gehört haben. Es gab aber keine Gewaltausschreitungen gegenüber anderen Fans, den Spielern, Ordnern oder sonstigen Gruppen.

    Wenn Du hier die Verwendung von Begriffen ansprichst, dann solltest Du auch zugestehen, dass man mit unpassenden Begriffen vorsichtig umgehen sollte, d.h. es muss klar abgegrenzt werden, worauf man sich mit der Verwendung bezieht. Es ist völlig okay, im Rahmen des Spiels darüber zu sprechen, dass in vielen Stadien Hooligans Scheisse bauen. Aber es ist eben wichtig klar zu machen, dass dies nicht auf die aktuellen Ereignisse zutrifft.

    • marien86 Mai 18, 2012 um 14:19 #

      Hallo tinyentropy,

      selbstverständlich gestehe ich ein, dass man mit Begriffen vorsichtig umgehen soll, das versuche ich und hoffe, dass das der Artikel aufzeigt. Ich habe mich allgemein mit der Verwendung von Begriffen hier beschäftigt. Warum sollte ich schreiben, was Fortuna-Fans sind oder nicht sind, wenn es mir gar nicht um die Fans geht? Ich habe das Gefühl, du möchtest diesen Text in einen Zusammenhang stellen, in dem er nicht gehört.

      Wie bereits geschrieben, wen du geschrieben hättest

      „beim Fortuna-Spiel gab es keine Hooligans weil…“

      hätte das eine andere Wirkung gehabt als der Satz:

      „Im Zusammenhang des Fortunaspiels möchte ich definitiv nicht von Hooligans sprechen. Das halte ich für wichtig, weil ich befürchte, dass nun vielleicht an dem Verein ein Exempel statuiert werden könnte.“

      Der Satz macht keine Aussage darüber ob es sich um Hooligans handelt, er sagt nur, dass Konsequenzen gezogen werden könnten, wenn Leute glauben würden, es handele sich um Hooligans.

      Sicherlich könnten einige Leser einen Zusammenhang vermuten, dass ich in diesem Artikel meinen könnte, es gäbe Hooligans beim Fortuna-Spiel.

      Ich habe keine Interpretationshoheit über meine Texte, niemand hat diese. Man kann sich nur darauf einigen, wie eine Mehrheit dies interpretieren würde.

      Gruß, David Marien

  2. marien86 Mai 18, 2012 um 14:21 #

    PS ich wollte den Artikel schon gestern veröffentlichen, aber leider war die Datenautobahn gesperrt. 🙂

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