Gemeinsamkeit zwischen alten Computern und vergangener Politik?

30 Jun

Hallo alle miteinander,

heute gibt es einen Artikel aus der Reihe „Wir basteln uns Zusammenhänge wo keine zu sein scheinen.“ Der Ursprung dieses Artikels liegt im Podcast Old School Computing aus der Reihe CRE. Zusammengefasst beschreibt der Gast wie „unkompliziert“ die (Raumfüllenden) Computer der 1970er doch waren. Wenn mal was kaputt war konnte man es reparieren, man konnte die dahinter liegende Technik verstehen, jedoch konnte man schon damals mit ihnen Sachen anstellen, wo ich gedacht hätte, sie wären erst später möglich gewesen.

In der Folge wurde aber auch klar, dass die technischen Grundlagen des Computers immer noch die selben sind. Sie wurden nur schneller und einfacher bedienbar bzw. programmierbar. Allerdings verbrauchen Programme heute auch mehr Speicher und CPU-Ressourcen, einfach weil viele Dinge eingebunden werden, die man in der Computer-Urzeit noch von Hand gemacht hat. Das ist für uns gar nicht schlimm, weil PCs heute so viel mehr Ressourcen zur Verfügung haben, wir merken nichts von komplexeren Programmen.

Zwischenfazit: Computer sind im Detail komplexer geworden. Die Grundlagen sind noch die selben. Bequemlichkeit wird mit mehr Ressourcenverbrauch bezahlt, wir merken das aber gar nicht.

Bis vor einigen Jahrzehnten, wo Märkte und Staaten noch nicht so eng verflochten waren, konnten Politiker direkter eingreifen:  Wenn mal was kaputt war konnte man es reparieren, man konnte die dahinter liegenden Prozesse verstehen, jedoch konnte man schon damals Sachen anstellen, wo ich gedacht hätte, sie wären erst später möglich gewesen. Das britische Empire ist so ein Beispiel, ein globalisiertes Staatswesen, wo Ressourcen alles allen Landesteilen zusammengesammelt werden um dem Mutterland Profit zu bringen.

Heute gibt es neben den Staaten jede Menge weiterer Akteure, die kräftig mitmischen: UNO, EU, IWF, NATO, internationale Konzerne, NGOs u. a. Interessenvertretungen. Verträge zwischen diesen Akteuren werden immer länger und komplizierter. Immer mehr Dinge müssen von ihnen geregelt werden: Soziales, technische Normen, Wirtschaft, Millitär usw. Die Grundlagen wie Politik funktioniert sind die selben geblieben. Die Anforderungen was und wie Politik regeln soll sind anspruchsvoller geworden. In Organisationen wie der UNO oder der EU werden viele Ressourcen verbraucht. Im Gegensatz zu Computern, wo wir den Mehrverbrauch gar nicht merken, spüren wir ihn hier sofort. Der Staat soll Dinge so regeln, dass unser Leben bequemer wird. Wir wollen günstige Mobilität, wollen, das unsere Geräte überall funktionieren und wir wollen, dass wir uns überall aufhalten können. Und wir wollen noch viel mehr!

Die Verhandlungen um die diversen Rettungsschirme zeigen einerseits das „Bequemlichkeit wollen“ aber andererseits will man nicht mehr dafür bezahlen müssen. Es scheint relativ einfach zu sein Computer schneller zu machen. Wir bekommen mehr Bequemlichkeit zu geringeren Kosten. So einfach kann man Politik nicht beschleunigen, weil man menschliche Interaktionen nicht beschleunigen kann.

Zwischenfazit: Politik ist im Detail komplexer geworden. Die Grundlagen sind noch die selben. Bequemlichkeit wird mit mehr Ressourcenverbrauch bezahlt, dies merken wir und dies kritisieren wir.

Die Gemeinsamkeit zwischen alten Computer und vergangener Politik ist also, dass sie in einer unkomplizierteren Umgebung gearbeitet haben. Wenige Techniker und Informatiker haben an großen Kisten gearbeitet, sie haben das Maximum heraus geholt. Politiker mussten zwischen wenigen Akteuren Kompromisse in (relativ) wenigen Themengebieten aushandeln. Man kannte sich und die Prozesse, man holte das „Medium“ heraus (hier geht es um Kompromisse).

Der Unterschied zwischen neuen Computer und  gegenwärtiger Politik ist, dass Computer weniger kosten und mehr leisten als früher. Uns kann die Komplexität dieser Maschinen egal sein, weil sie vor uns verborgen werden kann. Was nach dem Mausklick passiert ist für uns irrelevant.  Politik leistet mehr, kostet aber auch mehr. Uns bleibt die Komplexität von Politik nicht verborgen. Wenn wir unsere Stimme abgegeben, unsere Petition eingereicht und unsere Kritik geäußert haben, haben wir zu mindestens das Gefühl, dass das was danach kommt für uns relevant bleibt. Wir haben kein genügendes Vertrauen in Politiker, in politische Prozesse, in die Öffentlichkeit, als das wir sagen könnten „macht ihr mal“. Letztendlich lassen wir sie „machen“, weil das eigene Eingreifen zu viel Zeit, Geld und Nerven kostet.

Computer sind dumm, schnell und fügsam. Der Mensch ist intelligent, träge und betont seine Individualität. Computer machen sich keine Gedanken (über Mittelmäßigkeit). Weil der Mensch seine eigene und seine kollektive Mittelmäßigkeit verhindern will, haben wir Probleme uns in komplexen Systemen einzufügen.

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