Archive | Juli, 2012

Sommerlichkeit

28 Jul

Sommerlichkeit

Banken wanken, Tanker tanken, Laster lasten
Gedanken denken, Lenker lenken, Leiter leiten
Doch, um alles in der Welt, woher wissen wir was wirklich zählt
Wessen Schicksal ist wirklich selbst gewählt?

Wissen wird angereichert, Wissen wird gespeichert
Doch wissen wir ob wir wirklich lernen, ob wir Veraltetes wirklich entfernen?
Wissen ist Macht doch ist Macht auch Gewissen
Gewissheit ist wichtig, doch wann wird es zerrissen?

Der Sommer bringt Wärme und Licht, Sinnbild für ein schönes Gesicht
Handel wird getrieben, Schicht um Schicht, doch zeigt er heute sein wahres Licht.
Eine Welt, die in Trümmer fällt, der Schein des Schönen scheint erhalten.
Doch im wahren Licht nur zählt, Realität lässt sich nicht umschalten.

Der Sommer bringt Sinnliches und Muße.
Doch entrückt uns unser Handeln stets bei Fuße.
Was folgt auf einen klaren Sommertag ist die dunkle ungewisse Nacht.
Auf einen unbeschwerten Gedanken folgt Gewissheit, streng erdacht.

Händler handeln, Tanker tanken, Laster lasten.
Um die letzten Sommerstrahlen Menschen hasten.
Der Sommer bringt Sinnliches und Muße.
Doch entrückt uns unser Handeln stets bei Fuße.

dmhdf, Lizenziert unter CC BY-NC-SA 3.0

Partnervermittlung – Ein neues Mittelmaß.

23 Jul

Hallo alle Miteinander,

dieser SpiegelOnline-Artikel brachte mich mit dem Konzept der modernen Partnervermittlung näher. ElitePartner ist so ein schillernder Name in der Branche. In einem kostenpflichtigen Abonnement vermittelt die Seite beziehungsunfähige Singles zu einander. Dies geschieht mithilfe eines Matchingprozesses. Erst füllt man ein Formular aus, wo man Angaben zur Person zu Verlieben und anderen Persönlichkeitsmerkmalen aus. Dann wird mithilfe eines Computeralgorithmus aus den verschiedenen Daten der jeweils passende Partner herausgesucht.

Es wird also einer Software überlassen, potenzielle Partner für einen heraus-zu filtern. Wir leben also in einer Gesellschaft, wo Zeit so kostbar geworden ist, dass wir Computern wichtige, intime Dinge überlassen. Der Begriff „Elitepartner“ ist ja bereits Ausdruck jenes Zeit- und Filterungsproblems, dass wir heute haben. Wir trauen Leuten aus anderen Schichten, aus anderen Gruppen nicht mehr zu, zu uns zu passen.

Wir vertrauen also darauf, was wir kennen, wir nehmen uns als Mitglieder spezifischer Schichten/Gruppen wahr. Ist dies nicht mittelmäßig weder übermäßig enttäuscht noch übermäßig überrascht zu werden? Jene, die sich soziodemografisch nicht als mittelmäßig betrachten, vertrauen auf ein Mittelmaß in der Partnersuche, um sich bestätigt zu fühlen.

Es wird also noch schwerer werden, aus der eigenen Filterblase auszubrechen. Nachdem in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft formale Filterblasen (Adelsprivilegien, Zunftprevilegien usw.)  abgeschafft haben, basteln wir uns neue, in-formale Filterblasen.

Das ist  nicht mein Ding mit der (computergestützten) Partnervermittlung. Aber andere haben vielleicht keine andere Wahl. Das ist schade für unsere Gesellschaft.

Das Sommerloch des 21. Jahrhunderts

17 Jul

Hallo alle Miteinander,

ich stelle hiermit die These auf, dass unser aufregender, krisengeschüttelter gegenwärtiger Zeitabschnitt ein Sommerloch ist. Warum? Klima-, Wirtschafts- und Demographiekrisen sind Lückenfüller, eine Brücke zu der eigentlichen und permanenten Krise: der Krise des angemessenen Lebens.

Seit der Mensch in seiner Steinzeithöhle hockt macht er sich Gedanken über sein Leben: wie will ich leben? Bisher haben wir diese Frage so beantwortet: wir wollen so leben, das wir durch mehr Ressourcenverbrauch einen höheren Einfluss auf unsere Umwelt und uns selbst haben wollen. Der höhere Ressourcenverbrauch ist für viele Kennzeichen von überlegenden Gesellschaften.  Klima-, Wirtschafts- und Demographiekrisen sind das Ergebnis dieser Mehrverbrauchsgesellschaft.
Doch die eigentliche Krise ist noch immer nicht gelöst: wie wollen wir leben? Wir wollen uns und unsere Umwelt verändern, kritisieren aber dann genau diese Entwicklung. Wir scheuen uns aber auch davor zu dem Ausgangspunkt zurückzukehren. Vielen Menschen ist bewusst, dass ihr häufiger Fleischkonsum zu billigen Preisen nicht angemessen ist. Selbstkritisch muss ich fragen, ob ich bereit bin für mehr Geld weniger Fleisch zu kaufen, so wie es meine Großmutter vor 50 Jahren getan hat. Inder, Chinesen und andere wollen auch unseren Konsumstil pflegen, weil wir ihr Maßstab für ein gutes Leben sind. Doch ist es das gute Leben?

Ich widerspreche Veganern, die behaupten, nur der Konsum nicht-tierischer Produkte garantiere ein ökologisch nachhaltiges Leben. Das Problem wird nicht gelöst, indem man nur Verzicht predigt. Es wird aber auch nicht gelöst, indem man Konsum und Verschwendung predigt. Die Frage ist wichtig, wie viel einem die Afrikaner wirklich bedeuten, jenseits von Solidaritätsbekundungen. Die Frage ist wichtig ob ein Flugticket für 30 Euro noch London angemessen ist. Die Frage ist wichtig, wie viel Fleisch wir zu welchem Preis kaufen wollen.
Aller Krisen zum Trotz: an der Lebensweise vieler Menschen ändert sich nicht genügend. Die Eliten sollen die Krisen zu unseren Gunsten lösen, warum sollten sie? Was sagt uns eine Meldung zum EU-Rettungschirm, zur Macht der USA, der Finanzmärkte? Sie sagt uns im Kern, das alles so bleibt wie es ist, dass unser Leben weiterhin als angemessen gelten darf.

Doch das Sommerloch wird vorbei gehen, wir werden der Frage nicht ausweichen können, was uns Afrikaner, ein Flugticket nach Londen, sowie unser Fleischkonsum wert sind. Es kommt der Punkt, wo Fakten geschafft werden. Auf die neuen Fakten zu reagieren ist Mittelmaß. Es wäre besser, wir würden die Frage, wie wir leben wollen, so schnell beantworten, dass wir Fakten entsprechend verändern können.

Die wirklich aufregende Zeit kommt erst noch!

Erkaufte Doktortitel und die Eurokrise

5 Jul

Hallo alle Miteinander,

Aus gegebenem Anlass will ich auf diesen Artikel von Tinetrophy regieren. Zu einem anderen aber ähnlichem Artikel hatte ich einen Kommentar geschrieben, den ich hier zitieren möchte:

Namen und Titel sind Schall und Rauch. Das beweist dein Beitrag und der Groupon-Deal. Es sollte doch um gute Wissenschaft und eben nicht um (gute) Titel gehen. Dieser Groupon-Deal ist für mich Realsatire. Wer sein geistiges Vakuum verschleiern muss, baut sich halt Potemkinsche Dörfer. Wenn die Gesellschaft so darauf abfährt Statustitel nicht zu hinterfragen – bitte. Es gibt genug Leute, die ihre geistige Fülle auch ohne Titel darstellen können. Nur leider lässt daraus kein Kapital schlagen.

Provokante These: soll sich jeder einen Dr. kaufen. Dann reden wir nicht mehr über Titel sondern über Wissenschaft und Lehre. Wenn sie gut gemacht sind kosten sie Geld, sind aber nicht käuflich.

Und ich bleibe dabei. Es geht um gute Wissenschaft. Daraus resultierende Titel sind, wenn überhaupt, zweitrangig. Wer sich darüber ärgert, dass sich Leute ihren Dr. hc. kaufen, sollte sein Selbstwertgefühl kritisch hinterfragen.

Und die Eurokrise? Ich bin neulich auf eine Phoenix-Runde zum Thema gestoßen: Die Eurokrise – Mit dem Rücken zur Wand?  Ich fand es erfrischend, wie Stephan Schulmeister die Talkrunde aufmischte, inhaltlich versteht sich. Er machte einen selbstsicheren Eindruck und vertrat seine Thesen energisch, das die deutschen Ökonomen und Politiker zu marktgläubig seien. Auch wenn sein ruppiges Eingrätschen, während andere sprachen etwas unhöflich war, inhaltlich entgegensetzen konnte ihm keiner wirklich was. Außer man nimmt das Übliche „wir müssen sparen“ Mantra als inhaltliches Argument.
Und  da schließt sich der Kreis zu den gekauften Doktortiteln, Schulmeister hatte was zu sagen, weil er sich das Gesagte erarbeitet hat und nicht weil er einen Titel besitzt. Wissen ist eben nicht käuflich, nur seine Distribution. Das Erarbeiteten von Wissen ist eine zeitliche und intellektuelle Aufgabe.  Sozialer Status oder ökonomische Ressourcen können es erleichtern, Zeit und Hirnschmalz zu investieren, mehr wird aber auch nicht erleichtert. Akademische Titel werden (hoffentlich) wegen dem investiertem Hirnschmalz und der investierten Zeit vergeben. Der Titel bildet also auch ein Stück weit den Weg, und nicht nur das Ziel, ab.

Aber auch Zeit und Hirnschmalz liefern nicht immer das Wissen, das benötigt wird um: Eurokrisen, Aidskrisen, Klimakrisen usw. zu lösen. Wissenschaft bringt eben keine Garantie, dass unser Leben politisch, technisch, ökonomisch und moralisch besser wird. Aber oft genug fallen Ergebnisse heraus, für die es sich lohnt, seine Meriten zu erwerben.

Seine eigenständige wissenschaftliche Auffassung zu erarbeiten ist Zeit- und Nerven-aufwendig. Aber sie ist notwendig. Sie erfordert ein gesundes Mittelmaß in der Lebensführung. Dann kann man auch getrost konträre Positionen zur Eurokrise beziehen.