Erkaufte Doktortitel und die Eurokrise

5 Jul

Hallo alle Miteinander,

Aus gegebenem Anlass will ich auf diesen Artikel von Tinetrophy regieren. Zu einem anderen aber ähnlichem Artikel hatte ich einen Kommentar geschrieben, den ich hier zitieren möchte:

Namen und Titel sind Schall und Rauch. Das beweist dein Beitrag und der Groupon-Deal. Es sollte doch um gute Wissenschaft und eben nicht um (gute) Titel gehen. Dieser Groupon-Deal ist für mich Realsatire. Wer sein geistiges Vakuum verschleiern muss, baut sich halt Potemkinsche Dörfer. Wenn die Gesellschaft so darauf abfährt Statustitel nicht zu hinterfragen – bitte. Es gibt genug Leute, die ihre geistige Fülle auch ohne Titel darstellen können. Nur leider lässt daraus kein Kapital schlagen.

Provokante These: soll sich jeder einen Dr. kaufen. Dann reden wir nicht mehr über Titel sondern über Wissenschaft und Lehre. Wenn sie gut gemacht sind kosten sie Geld, sind aber nicht käuflich.

Und ich bleibe dabei. Es geht um gute Wissenschaft. Daraus resultierende Titel sind, wenn überhaupt, zweitrangig. Wer sich darüber ärgert, dass sich Leute ihren Dr. hc. kaufen, sollte sein Selbstwertgefühl kritisch hinterfragen.

Und die Eurokrise? Ich bin neulich auf eine Phoenix-Runde zum Thema gestoßen: Die Eurokrise – Mit dem Rücken zur Wand?  Ich fand es erfrischend, wie Stephan Schulmeister die Talkrunde aufmischte, inhaltlich versteht sich. Er machte einen selbstsicheren Eindruck und vertrat seine Thesen energisch, das die deutschen Ökonomen und Politiker zu marktgläubig seien. Auch wenn sein ruppiges Eingrätschen, während andere sprachen etwas unhöflich war, inhaltlich entgegensetzen konnte ihm keiner wirklich was. Außer man nimmt das Übliche „wir müssen sparen“ Mantra als inhaltliches Argument.
Und  da schließt sich der Kreis zu den gekauften Doktortiteln, Schulmeister hatte was zu sagen, weil er sich das Gesagte erarbeitet hat und nicht weil er einen Titel besitzt. Wissen ist eben nicht käuflich, nur seine Distribution. Das Erarbeiteten von Wissen ist eine zeitliche und intellektuelle Aufgabe.  Sozialer Status oder ökonomische Ressourcen können es erleichtern, Zeit und Hirnschmalz zu investieren, mehr wird aber auch nicht erleichtert. Akademische Titel werden (hoffentlich) wegen dem investiertem Hirnschmalz und der investierten Zeit vergeben. Der Titel bildet also auch ein Stück weit den Weg, und nicht nur das Ziel, ab.

Aber auch Zeit und Hirnschmalz liefern nicht immer das Wissen, das benötigt wird um: Eurokrisen, Aidskrisen, Klimakrisen usw. zu lösen. Wissenschaft bringt eben keine Garantie, dass unser Leben politisch, technisch, ökonomisch und moralisch besser wird. Aber oft genug fallen Ergebnisse heraus, für die es sich lohnt, seine Meriten zu erwerben.

Seine eigenständige wissenschaftliche Auffassung zu erarbeiten ist Zeit- und Nerven-aufwendig. Aber sie ist notwendig. Sie erfordert ein gesundes Mittelmaß in der Lebensführung. Dann kann man auch getrost konträre Positionen zur Eurokrise beziehen.

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