Das Sommerloch des 21. Jahrhunderts

17 Jul

Hallo alle Miteinander,

ich stelle hiermit die These auf, dass unser aufregender, krisengeschüttelter gegenwärtiger Zeitabschnitt ein Sommerloch ist. Warum? Klima-, Wirtschafts- und Demographiekrisen sind Lückenfüller, eine Brücke zu der eigentlichen und permanenten Krise: der Krise des angemessenen Lebens.

Seit der Mensch in seiner Steinzeithöhle hockt macht er sich Gedanken über sein Leben: wie will ich leben? Bisher haben wir diese Frage so beantwortet: wir wollen so leben, das wir durch mehr Ressourcenverbrauch einen höheren Einfluss auf unsere Umwelt und uns selbst haben wollen. Der höhere Ressourcenverbrauch ist für viele Kennzeichen von überlegenden Gesellschaften.  Klima-, Wirtschafts- und Demographiekrisen sind das Ergebnis dieser Mehrverbrauchsgesellschaft.
Doch die eigentliche Krise ist noch immer nicht gelöst: wie wollen wir leben? Wir wollen uns und unsere Umwelt verändern, kritisieren aber dann genau diese Entwicklung. Wir scheuen uns aber auch davor zu dem Ausgangspunkt zurückzukehren. Vielen Menschen ist bewusst, dass ihr häufiger Fleischkonsum zu billigen Preisen nicht angemessen ist. Selbstkritisch muss ich fragen, ob ich bereit bin für mehr Geld weniger Fleisch zu kaufen, so wie es meine Großmutter vor 50 Jahren getan hat. Inder, Chinesen und andere wollen auch unseren Konsumstil pflegen, weil wir ihr Maßstab für ein gutes Leben sind. Doch ist es das gute Leben?

Ich widerspreche Veganern, die behaupten, nur der Konsum nicht-tierischer Produkte garantiere ein ökologisch nachhaltiges Leben. Das Problem wird nicht gelöst, indem man nur Verzicht predigt. Es wird aber auch nicht gelöst, indem man Konsum und Verschwendung predigt. Die Frage ist wichtig, wie viel einem die Afrikaner wirklich bedeuten, jenseits von Solidaritätsbekundungen. Die Frage ist wichtig ob ein Flugticket für 30 Euro noch London angemessen ist. Die Frage ist wichtig, wie viel Fleisch wir zu welchem Preis kaufen wollen.
Aller Krisen zum Trotz: an der Lebensweise vieler Menschen ändert sich nicht genügend. Die Eliten sollen die Krisen zu unseren Gunsten lösen, warum sollten sie? Was sagt uns eine Meldung zum EU-Rettungschirm, zur Macht der USA, der Finanzmärkte? Sie sagt uns im Kern, das alles so bleibt wie es ist, dass unser Leben weiterhin als angemessen gelten darf.

Doch das Sommerloch wird vorbei gehen, wir werden der Frage nicht ausweichen können, was uns Afrikaner, ein Flugticket nach Londen, sowie unser Fleischkonsum wert sind. Es kommt der Punkt, wo Fakten geschafft werden. Auf die neuen Fakten zu reagieren ist Mittelmaß. Es wäre besser, wir würden die Frage, wie wir leben wollen, so schnell beantworten, dass wir Fakten entsprechend verändern können.

Die wirklich aufregende Zeit kommt erst noch!

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