Archiv | August, 2012

Das pinke Überraschungsei – ei ei ei

26 Aug

Das pinke Überraschungsei – ei ei ei

Bald wird ein pinkes Überraschungsei schlüpfen Harsche Kritik wird daran nichts nützen
Geschlechterstereotypen werden reproduziert, sehr oft gar völlig ungeniert.
Doch für viele Leute, es bleibt dabei, ist dies völlig einerlei.
Ob Pink, ob Grün, ob Rot, ob Weiß, was soll der Scheiß?

Wir müssen uns mit etwas versorgen, was unter der Oberfläche bleibt verborgen.
Eine Frau kann sich liebevoll kümmern ums Gescherr sie kann sich auch verdingen bei der Feuerwehr.
Doch der Mann soll allzu viel verdienen anstatt als Beruf Kinder zu erziehen.
Die Frau erobert weil es gefällt, sich ich die Männerwelt
Was dem Manne einst gefiel, nun verliert sein letztes Domizil.

Drum Jung fass nicht, was nicht für dich bestimmt sein kann!
Frauen dürfen tun viel mehr als je zuvor, dem Manne steht dies noch bevor.
Neue Vorbilder braucht das Land, mehr Männlichkeit mit Weiblichkeit, Hand in Hand!
Damit das pinke Überraschungsei für uns alle bald wird, gar gänzlich Einerlei.

dmhdf, Lizenziert unter CC BY-NC-SA 3.0

Anregungen wurden hieraus verwurstet. Aus Liebe zur Freiheit Ein etwas pathetischer Titel für ein Blog, warum nicht

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Vom Zwickel zum Alterssexismus

18 Aug

Hallo alle Miteinander,

da schlägt man am Morgen seinen Kalender um und erfährt, das heute vor 80 Jahren der Zwickelerlass eingeführt wurde. Es wurde dort geregelt, welche Badekleidung man am Strand zu tragen habe. Beim recherchieren erfahrt man dass, er noch heute als Symbol für das unangemessene Eingreifen des Staates in persönliche Angelegenheiten gilt. Interessanterweise haben ihn die Nazis 10 Jahre später wieder abgeschafft.

Der Zwickelerlass steht für eine Zeit, wo insbesondere Frauen stark reglementiert wurden, hier eben auch in der Wahl der Bademode. Im Verlauf der Liberalisierung der Gesellschaft, der Emanzipation der Frau wurden diese Reglementierungen abgeschafft, zumindest sind sie gesellschaftlich gesehen relativiert. Nun könnte man meinen, mit der Liberalisierung und Emanzipation hätten sich bestimmte Bilder der Frau relativiert. Das Bild von der attraktiven Frau, die sich in ihre Geschlechterrolle einfügt. Ja, auf der einen Seite gibt es diese Relativierung. Einige Frauen kleiden und verhalten sich anders, als es die gesellschaftliche Norm hergibt. Andererseits verstärkt sich der Druck auch noch im hohen Alter attraktiv sein zu müssen.

Dies kann man im Artikel Scharf, die Alte! in der Kolumne von Sibylle Berg nachlesen. Sie schreibt dazu:

In den Mode- und Gesellschaftsseiten der Medien wird gerade das Buch „Advanced Style“ des Bloggers Herr Cohen besprochen, was mir die Illusion eines friedlichen Alters nimmt. Denn was wie eine Wiedersichtbarmachung der Dame über 70 erscheint, ist Ausdruck des kommenden Stylefaschismus. [.]

Und die Berichte jubilieren: Endlich zeigt einer mal den alten Schrauben, wie sie auszusehen haben. Auch auf den letzten Metern, wenn man über- oder untergewichtig in Kittelschürzen über Veranden kullert, dürfen wir das nicht mit wohligem Grunzen. Sondern haben den Forderungen nach eleganter Stromlinienförmigkeit, Gefälligkeit und Sexyness zu genügen.

Stylefaschismus: wo man den Staat einst dafür kritisierte, Lebensentwürfe gleichnamig zu machen, überlassen wir dies heute einigen Redakteuren/Modejournalisten. Natürlich gibt es klare Unterschiede zwischen dem Staat und dem Modejournalismus: der Staat kann direkt falsches Verhalten sanktionieren. Modejournalisten können dies nur indirekt. Aber sie können es. Weiter heißt es bei Berg:

Liest man wahllos Artikel über verstorbene prominente Frauen, finden sich innerhalb von Minuten Sätze wie: „In diesen Tagen wäre Romy Schneider siebzig geworden. Kaum vorstellbar, wie das ausgesehen hätte“ („Welt“), „Amy Winehouse hatte viele Männer. Flüchtige Küsse, schnelle Nummern, Sex im Drogenrausch“ („Bild“), und „Die psychisch kranke Mutter wurde ebenso verschwiegen wie Marilyns chronisches Frauenleiden Endometriose (Erkrankung der Gebärmutterschleimhaut)“ (dpa).

An den Prominenten sieht man, dass sich gewisse Erwartungen in der Gesellschaft verkehrt haben. Der Erwartungsdruck ist jedoch gewachsen. Hatte der Zwickelerlass (wahrscheinlich) zum Ziel die sexuelle Anziehungskraft der Frauen zu minimieren – was mit der Polizei ja auch durchgesetzt wurde – sollen heute Frauen ihre (von der Mehrheitsgesellschaft definierte) sexuelle Anziehungskraft bis ins hohe Alter bewahren. Anstelle des staatlichen Gewaltmonopols wird der Druck der Peergroup und der Öffentlichkeit dazu eingesetzt.

Anstatt Vielfalt und Mittelmäßigkeit zu fördern wird Einheitsbrei und Übermaß propagiert. Dies ist leider alles andere als Mittelmäßig.

Von Pharaonen und dem Erwachsensein!

10 Aug

Hallo alle Miteinander,

Pharaonen sind ja dafür bekannt als göttliche Wesen unsterblich zu sein. Viel Aufwand wurde investiert, um sicherzustellen, dass die Reise ins Totenreich komfortabel vonstatten geht. Der Aufenthalt im Totenreich sollte komfortabel und luxuriös sein, bis in alle Ewigkeit.

Während die Ewigkeit als Zeitabschnitt noch klar definiert ist, während Pharaonen als göttliche Wesen noch klar in die Gesellschaft einzuordnen sind, fällt uns Normalbürger dies umso schwerer. Auch die Frage, wann wir „vollwertige Menschen“, also erwachsen sind, ist schwer zu beantworten. Gesetze definieren unterschiedliche Phasen der Volljährigkeit. Über diese Definitionen kann man sich trefflich streiten, sie geben aber klare Bezugspunkte vor. Soziologische betrachtet, sind klare Definitionen hier schwieriger. Interessant finde ich, dass es die Unterscheidung Kind <-> Erwachsener seit dem Mittelalter gibt. Die Ausprägung dieser Unterscheidung verlief dann während der Neuzeit, in den letzten Jahrhunderten. Auch die Unterscheidungen zwischen den Geschlechtern, Ethnien und Nationalitäten prägten sich während dieser Zeit weiter aus.

Die Zivilisierung ist hier das Stichwort, sie führt zur Individualisierung des Menschen. Er zerfasert  immer weiter in verschiedene Gruppen: Geschlechtsträger, Mitglied einer Etnie/Nation, Bürger, Wirtschafts- und Kultursubjekt. Wir werden aber auch in verschiedene Gruppen, je nach Alter, eingeteilt: Kind, Jugendlicher, Erwachsener, Senior. Die Gruppe der Senioren gewinnt immer mehr an Bedeutung. Über das angemessene Verhältnis Senioren <-> Gesellschaft wird ja heute schon stark gerungen.

Die Ausprägung des biologischen Geschlechtes markiert sicher einen wichtigen Punkt in der Entwicklung des Menschen, nur, sind wir erwachsen, wenn wir fortpflanzungsfähig sind? Die Fortpflanzungsfähigkeit hat sicher nichts direkt mit dem selbständigen Leben zu tun. Diese Eigenschaft würde ich dem Erwachsensein zuordnen wollen: man ist nicht mehr abhängig von Anderen. Nach strenger Auslegung dieser Definition, Erwachsen = selbständig leben, sind viele Menschen nicht erwachsen! Weil sie noch bei ihren Eltern wohnen, von den Eltern oder anderen finanziert werden, oder freiwillig in dieser Abhängigkeit leben. Wenn das Erwachsensein die Chance zur Selbstständigkeit beschreibt, wer also mit großer Wahrscheinlichkeit in der Lage wäre selbstständig zu sein, wäre erwachsen. Nun würden jedoch viele Minderjährige in den Kreis der Erwachsenen gelangen, weil sie ja durchaus in der Lage wären selbständig zu sein. Welche Reife man für dieses Stadium haben muss lässt sich vielleicht gar nicht genau ermitteln. Es bleibt schwammig.

Ist es eigentlich erwachsenes Verhalten, wenn man in der Öffentlichkeit betrunken ist? Ist man erwachsen, wenn man Freundschaften und Beziehungen wegen Lappalien und kleinen Egoismen zerstört? Ist man erwachsen, wenn man Neid, Egoismus, Hass und weitere negative Eigenschaften offen auslebt? Ist Tabakkonsum eine erwachsene, rational motivierte, eigenständige Fähigkeit? Nein! Viele Menschen zeigen oft ein Verhalten, dass wir nicht als reif, rational und erwachsen bezeichnen würden. Man wird irgendwann volljährig, Die Volljährigkeit nicht anerkannt zu bekommen ist ein aufwendiger, vorausetzungsvoller und einschneidendes Verfahren. Es ist daher selten. Es gibt also einen großen Spielraum für Verhaltensweisen, die nicht als adäquat für Erwachsene gelten, aber dennoch am Status der Volljährigkeit nichts ändern. Die beiden Begriffe sind nicht deckungsgleich.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass man volljährig ist, ohne genau zu wissen ob man auch erwachsen ist. Das Eine ist ein juristisch klar definierter Begriff, das Andere ist ein schwammiger Begriff, für einen von der Gesellschaft definierten Entwicklungsstand. Das Erwachsensein ist also irgendwie mittelmäßig. Die meisten finden sich darin wieder, ohne die Idealvorstellung des Begriffs zu erfüllen. 99 % der Leute sind weder vollständig nicht erwachsen, noch vollständig erwachsen.

Nur gut, dass man als Pharao sich nicht mit solchen Gedanken beschäftigen muss, als gottgleiches Wesen stellt sich diese Frage nicht und als antiker Ägypter bekam man diese Frage nicht gestellt. Alles nur moderner Firlefanz.

Die Arbeit hat sich gelohnt!

5 Aug

Hallo alle Miteinander,

In dem Artikel „Nachhaltigkeit und der ganze Rest.„, den ich vor fast einem dreiviertel Jahr veröffentlicht hatte, ging es um das Projekt: Zukunftsfähigkeit | Zukunftsperspektiven … eine studentische Initiative an der Universität Potsdam. Es ist nun offiziell abgeschlossen, unseren Essayband, der im Projekt erarbeitet wurde, kann man nun auch käuflich erwerben.

Ich denke, unsere Publikation ist eher als eine Art Übung zu verstehen. Wir verfügen als Studenten nicht über genügend Fachwissen, um hier tragfähige eigenständige Lösungsansätze zu bieten. Der Leser bek0mmt sicher ein paar interessante Denkanstöße. Wir sind die größten Profiteure dieser Publikation, weil wir gemerkt haben, wie schwer es ist zu schreiben. Sicher, für den Einen war es etwas leichter, für den Anderen etwas schwieriger seinen Text zu schreiben, ich behaupte aber Routine war es für Niemanden!

Dieser Essayband ist für mich Ausdruck einer (positiven) Mittelmäßigkeit. Er ist weder der große Wurf, noch pure Zeitverschwendung für den interessierten Leser (hoffentlich). Weder fordert er vom Leser detaillierte Fachkenntnisse zu den einzelnen Themen, noch mangelt es an wissenschaftlich fundierten Grundaussagen. Die Beiträge bleiben nicht in der Theorie hängen, sie stellen aber auch keine „DIY – In 90 Tagen eine bessere Welt“ Anleitung dar. Es gibt sicher spannendere aber auch langweiligere Veröffentlichungen zum Thema Nachhaltigkeit. Selbst wenn das Lesen des Bandes nur bisher gewonnenes Wissen bestätigen sollte, das ist schon mal was, viel mehr können wir eigentlich auch gar nicht leisten.

Mein Beitrag trägt den Titel:

Mehr Demokratie wagen! Für mehr Beteiligung der Bürgerschaft.

Es geht darum, dass NGOs, Konzerne und andere nicht-demokratisch legitimierte Akteure einen großen Einfluss auf die politische Gestaltung ausübt. Einflussnahme, an sich, ist nichts schlechtes, nur gehe ich davon aus, dass diese Akteure einen derart großen Einfluss ausüben, dass sie politische Entscheidungen zu ihren Gunsten manipulieren können. Politische Parteien und Parlamentsfraktionen sind bestimmten Zwängen unterworfen, die in der Theorie gar nicht vor gesehen sind.

Ich biete einige Lösungsansätze an um die Bürgerschaft (die Gesamtheit aller Staatsbürger) besser in die Entscheidungsfindung zu integrieren. Ihr höherer Einfluss drängt die nicht-demokratischen Akteure ein Stück weit zurück. Neben einer besseren Informationsvermittlung, Wissen, warum, was passiert, sollen Bürger auch direkt per Befragung oder Entscheid mit-abstimmen können. Welche Sachgebiete prinzipiell für direkte Beteiligung geeignet  sind lasse ich außen vor. Das ist sicher eine Schwäche des Textes, diese Thematik würde sicher für eine Dissertation genügen, mit diesem Makel muss man halt leben. Zu den Lösungsansätzen gehören auch neue Wahlmodi: ein Wegfall starrer Listen. Die Diskussion um ein zeitgemäßes Wahlrecht auf Bundesebene hält uns ja weiterhin in Atem.

Der Text wird mit einer kritischen Betrachtung geschlossen. Die parlamentarische Demokratie soll ergänzt aber nicht abgeschafft werden. Die Überforderung der Bürgerschaft, die bei komplexen Sachverhalten auftreten kann, halte ich für durchaus gegeben. Stärker sehe ich jedoch den mangelnden Beteiligungswillen als große Gefahr. Was nutzen all die potentiell neuen Beteiligungsinstrumente, wenn die bestehenden kaum genutzt werden. Der Wille, Gesellschaft zu gestalten, muss vor konkreten (technischen) Lösungen kommen.

Wer meinen Beitrag gerne lesen möchte, ohne sich den ganzen Band kaufen zu müssen, was ich natürlich empfehle, kann ihn hier herunterladen:

Mehr Demokratie wagen. Für mehr Beteiligung der Bürgerschaft!

Hier geht es zur aktuellen Projektseite, wo man die Publikation auch online lesen  oder als PDF herunterladen kann.