Masse, Macht und Medien

22 Sep

Hallo alle Miteinander,

wenn sich viele Menschen zusammentun, bildet sich eine Masse. Für die einen ist sie der dumme Pöbel, für die Anderen notwendiges Korrektiv der Eliten. In der arabischen Welt haben die Massen ihre Regime gestürzt. Und doch sehen wir die Zerstörungswut, die sie wegen einer Beleidigung des Propheten veranstaltet.

Macht und Masse gehören also zusammen. Hier geht es um Zwang und um Kontrolle, die Menschengruppen ausüben wollen. Zwang und Kontrolle stehen meiner Meinung nach, entgegen zur Demokratie. Wir wählen Abgeordnete, wir stimmen über Sachentscheidungen ab, weil wir überzeugt wurden, dass bestimmte Menschen und Entscheidung am besten sind. Hier geht es um Vertrauen, um Überzeugen: Legitimität = Herrschaft. Auch wenn Macht und Herrschaft hier zwei unterschiedliche Begriffe sind, sind auch Eigenschaften der Masse.

In einer Demokratie gibt es die Möglichkeit, dass die unterschiedlichsten Gruppen ihre Anliegen formulieren können. Sie müssen ihre Mitmenschen davon überzeugen, dass ihr Anliegen relevant ist. In nicht-demokratischen Staaten besitzen bestimmte Gruppen einen privilegierten Zugang zu den Entscheidungsträgern. Vielfach stützen sie die Entscheidungsträger oder versorgen diese mit bestimmten Ressourcen. Natürlich gibt es auch in real existierenden Demokratien Gruppen mit privilegierten Zugang zu den Entscheidungsträgern. Nur, diese Gruppen bilden häufig keine Masse sondern sehr Wenige, die spezifische Interessen besitzen. Sie sind gar nicht so sehr relevant, sie überzeugen die Politik von ihrer Relevanz. Sie wird konstruiert und aufgebauscht. Sie gaukeln der Politik vor, entlastend auf die Arbeit der Politiker einwirken zu können. Hier spielt wieder Vertrauen eine wichtige Rolle.
Die Medien sind wichtig und notwendig in einer komplexen Gesellschaft. Sie sind aber kein neutraler Übermittler von Information. Weder in Demokratien noch anderswo. In Demokratien bewahren sich die Medien noch ein Stück Unabhängigkeit. Wenn Politiker „hochgeschrieben“ oder fallen gelassen werden, zweifelt man doch manchmal sehr an ihrer Unabhängigkeit. Es gehört zu einen gesunden Maß an Mittelmäßigkeit zuzugeben, dass man eben nicht die vierte Gewalt ist. Man ist lediglich Teil der Zivilgesellschaft. Die Medien sind mit ihren Lesern verbunden und beeinflussen diese ein Stück weit. Die Politik beeinflusst die Medien, Medien beeinflussen die Politik, Medien beeinflussen die Masse. Ob die Masse, die Medien beeinflusst kann ich nicht beurteilen. Ich denke ihr Einfluss wird eher gering sein.

Masse, Macht und Medien halten die Gesellschaft zusammen, es bilden sich komplexe Gebilde. Der Einzelne muss wachsam sein, wer versucht ihn zu beeinflussen. Demokratien sind nicht perfekt, sie bietet einem jedoch eher die Möglichkeit wachsam zu sein. Einzelne Gruppen müssen doch mehr Aufwand treiben, um Einfluss zu gewinnen. Auch wenn der Aufwand für ressourcenstarke Gruppen sicher sehr gering ist, sie müssen mehr tun als Diktaturen.

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2 Antworten to “Masse, Macht und Medien”

  1. tinyentropy September 24, 2012 um 11:44 #

    In einer Demokratie ist es wichtig, dass die Entscheidungsprozesse transparent sind und prinzipiell von jedem mit beeinflusst werden können. Diese Mitbestimmung kann meiner Meinung nach aber durchaus an Grundvoraussetzungen geknüpft sein, die nicht in der Person begründet sein dürfen, sondern in der Fachkompetenz. Da geht es auch nicht um Bildung an einer Eliteuniversität, sondern darum, dass sich Menschen auf ein Thema vorbereitet haben müssen, bevor sie an dem Entscheidungsprozess teilnehmen dürfen, z.B. wenn sie ein bestimmtes Faktenwissen zum Thema vorweisen können. Das kann bspw. in Form eines Tests abgefragt werden.

    Ich habe oft erlebt wie mühsam es in demokratischen Gremien ist, mit jedem x-beliebigen Spinner über seine persönliche uninformierte Sicht sprechen zu müssen. Meinungen sind wichtig, aber wenn sie nicht durch Faktenwissen untermauert sind, haben sie bei Entscheidungsprozessen keinen Platz, sondern behindern diesen nur. Faktenwissen als Voraussetzung stellt auch keine fixe Hürde dar; jeder kann, indem er etwas Zeit investiert, diese Hürde nehmen.

    • marien86 September 24, 2012 um 15:59 #

      Hallo tinyentropy,

      ich gebe dir bei deinen Einwänden vollkommen recht. Es stellt sich aber die Frage, wer bestimmen darf, welches Faktenwissen „angemessen“ ist. D. h. gibt es eine klare Trennung zwischen Faktenwissen und Nicht-Faktenwissen? Das Spannende ist doch, dass bei vielen Verschwörungstheorien auch ein Körnchen Wahrheit verborgen liegt.

      Ein weiteres Problem mit den Faktenwissen: die Leute, die unter der Einflugschneise des BER leben fühlen sich vom (kommenden) Fluglärm belästigt. Grenzwerte werden eingehalten, alles ist juristisch abgesichert. Jeder hat ein individuelles Empfinden von Fluglärm. Die Orientierung an Grenzwerten, die Begründung durch Fakten stößt auf das subjektive Empfinden der Anwohner. Sie sind sicherlich keine Erbsenzähler, sie überlegen sich mögliche Interventionen genau. Das macht man nicht aus einer Bierlaune heraus.

      Ein weiteres Beispiel: Abtreibungsdebatte. Wie soll definiert werden, wann Leben eigenständig ist? Mithilfe der Medizin, mithilfe der Philosophie oder mithilfe der Religion? Was wird als Faktum anerkannt? Welchen Raum bekommt es in der öffentlichen Diskussion? Welche Gruppe diskutiert welche Fakten? Wenn in der Nähe einer Siedlung mit hohem Altersdurchschnitt ein Kindergarten gebaut wird entstehen „interessante“ Diskussionen. Man kann nun argumentieren: „Liebe Leute, wir brauchen den Kindergarten, kommt mit dem Kinderlärm klar“ Man kann aber auch fragen warum der Kindergarten hier und nicht gebaut wird? Und, warum soll man überhaupt mit Kinderlärm klarkommen müssen? Klar, mit einer solchen egoistischen Sichtweise funktioniert Gesellschaft auf lange Sicht nicht. Man muss eben auch solche Argumente sachkräftig diskutieren.

      Demokratie ist eben keine Expertokratie. Das aktive und passive Wahlrecht sind nicht Bildungsabschlüsse gebunden, sondern am Alter und an der Staatsbürgerschaft. Ich zweifle überhaupt, ob Faktenwissen viel zur Legitimität politischer Entscheidungen beiträgt. Wenn dem so wäre, hätten wir schon längst eine Luxussteuer auf Fleischprodukte, Flugreisen, Autos, Südfrchte, Kaffee… Durch Fakten kann man sehr gut begründen, warum eine künstliche Verteuerung dieser Waren sinnvoll ist. Man muss diese Fakten gar nicht gleich hoch bewerten wie ich, schaden würde uns diese Teuerung aber definitiv auch nicht. Es geht bei Legitimität um Vertrauen, um den „guten Glauben“ an das eigene Weltbild. Das bedeutet natürlich nicht, dass sich Wissenschaft und Legitimität konträr gegenüberstehen. Im Gegenteil, viele Entscheidungen müssen (auch) wissenschaftlich fundiert sein um legitim zu sein. Ich sage nur, dass der Beitrag der Wissenschaft an der Legitimität pol. Entscheidungen eher gering ist.

      Kurzum: mehr Faktenwissen mag die Findung und Legitimierung pol. Entscheidungen erhöhen. Ich gehe aber davon aus, dass diese Erhöhung weniger stark ein wird als viele hoffen. Es gibt dort einen Grenznutzen der zusätzlichen Legitimität durch Faktenwissen.

      Gruß, David Marien

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