Warum Politikwissenschaft studieren – eine mittelmäßige Antwort.

13 Okt

Hallo alle miteinander,

ab Montag geht es los, das erste Seminar im Masterstudium Politikwissenschaft. Nun, was ist daran so spannend? Wir lesen viel, retten aber keine Menschenleben. Wir schreiben viel, produzieren aber keine Bestseller-Literatur. Wir forschen viel, nur wenige sehen unsere Ergebnisse. Die ganze Disziplin ist nicht gerade Nobelpreisverdächtig. Ruhm und Ehre kann also kein starker Motivator sein. Da man nur wenige Auswirkungen produzieren kann, sind Erfolgserlebnisse nur rar gesät.

Für mich spannend sind immer wieder Erkenntnisse die belegen, dass Politiker auch nur Menschen sind.  Sie sind keine moralischen Vorbilder, genügsame Zeitgenossen oder „Volksdiener“ Politiker haben unterschiedliche Charaktere, unterschiedliche Motivationen warum sie diesen Job machen. Sie kochen alle nur mit Wasser und haben nur rotes Blut in den Adern. Politiker sind zuweilen genauso hilflos wie ihre Bürger, sie dürfen es nur nicht zugeben!

Es geht mir nicht darum, die Welt zu verbessern, es geht mir darum, die (politische) Welt zu verstehen. Es geht mir aber auch nicht darum nur Profit aus dem Studium zu schlagen. Da wäre VWL/BWL die bessere Alternative.

Wir leben in einer interessanten Zeit: große Parteien verlieren immer Mitglieder, die Wahlbeteiligung sinkt, das Parteienspektrum zerfasert, das Vertrauen in den Staat sinkt. Gleichzeitig wachsen die Geldsummen stetig an, es wird alles zu Geld gemacht, was sich verwerten lässt. Wir werden immer stärker in die Konsummaschine eingespannt. Die Wissenschaft liefert immer mehr Erkenntnisse. Ökonomie, Politik Kultur und Gesellschaft verzahnen sich. Meine Umwelt wird in 20 Jahren anders sein, als sie heute ist. Dabei hat sich Grundlegendes gar nicht geändert. Die Theaterkulisse wurde umgebaut, aber Theater wird gespielt wie eh und je. Millionen Leute könnten diese Zeilen lesen, werden sie aber nicht. Auch das Smartphone wird mich nicht perse davor schützen Termine zu verdaddeln. In dieser interessanten Zeit steigen einige Staaten auf, andere steigen ab. Staatenbünde werden gestärkt oder lösen sich auf. Einige Gruppen gewinnen an Macht, andere verlieren sie.

Wir finden nicht immer die Antworten, die passend sind, wir haben aber Antworten parat. Wenn wir Ressourcen so umverteilen könnten, dass Niemand hungern müsste, wäre viel erreicht. Ob wir es schaffen, das die Chinesen unseren Lebensstandard übernehmen können, halte ich für fragwürdig. Wenn wir die UN einigermaßen handlungsfähig machen wäre viel erreicht. Eine Weltregierung wäre ein schönes Ziel, sie würde aber, wenn überhaupt möglich, lange brauchen.

Mein bisheriges Studium hat mir das menschliche Mittelmaß gezeigt, was aber kaschiert wird. Ein offener Umgang damit, könnte Probleme lösen helfen. Ich denke, mein weiteres Studium wird mich in dieser Erkenntnis bestärken.

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2 Antworten to “Warum Politikwissenschaft studieren – eine mittelmäßige Antwort.”

  1. tinyentropy Oktober 14, 2012 um 20:15 #

    Was würde wohl passieren, wenn Politiker ihre Hilflosigkeit zugeben würden? Panik bei dem Menschen? Könnte ich mir gut vorstellen. Trotzdem würde ich mir wünschen, dass Politiker das zugeben könnten. Und bei den Piraten ist es ja auch schon gesehen worden. Schlimm wäre nur, wenn alle Beteiligten sich hilf- und kopflos zeigen würden. So lange das Zugeben dazu führen würde, dass nach kompetenteren Leuten gesucht wird, die es in der Regel gibt, fände ich es so besser.

    • marien86 Oktober 14, 2012 um 20:41 #

      Tja tinyentropy, das Eine was man will, das Andere, dass man kriegt. Viele Leute wollen doch die Illusion des perfekten Politikers. Und was die Piraten angeht: man kann es auch übertreiben.

      In meinem Studium geht es eher um Systeme als um Individuen. Von daher ist der Politiker auch gar nicht so wichtig. Das Ökosystem Politik ist wahrscheinlich so komplex wie biologische Systeme. Nur das die Teilsysteme sich nicht mathematisch exakt berechnen lassen.

      Worauf ich hinaus wollte: wir brauchen mehr Ehrlichkeit! Aber auch hier gilt wie so oft, der Ehrliche ist der Dumme.

      Gruß, David Marien

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