Von handgeschrieben Exzerpten, dem Politischen und Fernsehkritik-TV

3 Nov

Hallo alle Miteinander,

manche Überschriften sind schon eine Herausforderung für den Leser und  den Autor. Mal sehen ob ich den roten Faden finde.

Einer meiner jetzigen Dozenten  möchte ein  handgeschriebenes Exzerpt über einen Text haben. Man kann fragen: was soll das? Wir sind alle Studenten mit jahrelanger Erfahrung im Schreiben von Texten. Welchen Mehrwert hat also diese Marotte des Dozenten für uns? Wer seit Jahrzehnten seine Notizen handschriftlich verfasst hat einen anderen Blickwinkel auf „tastaturlich“ verfasste Notizen. Der Dozent meint handschriftlich verfasste Notizen würden ein höheres Maß an Kreativität freisetzen. Die Frage lautet: gibt es ein höheres Maß an Kreativität? Wenn ja, hilft sie uns besser mit unseren Notizen zu arbeiten? Sicher, mal wieder leserlich mit der Hand zu schreiben ist nicht verkehrt, ob es für Master-Studenten, die ihre Arbeitsroutinen haben, Mehrwert bringt bezweifle ich. Es kommt halt immer auf die eigene Wahrnehmung (meinerseits, des Dozenten) an.

Wo wir doch gerade bei Wahrnehmung sind: Was ist das Politische? Für einen ultra-ortodoxen Juden, einen streng evangelikalen Christen und einen radikalen Moslem wird die Frage einfach zu beantworten sein: nichts! Für diese Menschen ist das Gemeinwesen religiös definiert. Alte Texte, alte Regeln – alles gut. Gott reicht hier völlig aus. Auch wenn dort das „Politische“ für uns vorhanden ist, für sie wäre dies „Gotteslästerung“ Was ist denn nun das Politische (für uns)? Ich glaube die Antwort ist einfach und nachvollziehbar: der Staat. Kein Tag vergeht, wo wir uns über den „Staat“ seine Politiker, seine Gesetze aufregen. Der Staat ist das Synonym für die Gesellschaft, Alters- und Krankenversicherung, Bildung, Sicherheit u. v. m. geworden. Hier geht es eben nicht um Parteipolitik, Verordnungen und Debatten. Hier geht es um die Frage: was wird aus uns? Streng religiöse Menschen legen ihr Schicksal in göttliche Hände. Alle Anderen suchen sich den Staat. Es geht natürlich auch um Gestalten. Wer gestaltet was? Wer bringt sich ein? Wer zieht sich zurück? Was ist unsere Wahrnehmung vom angemessenen Gestalten in unserer Gemeinschaft? Am Ende wird das „Politische“ auch nur wieder eine persönliche Wahrnehmung der eigenen Welt sein.

Auch der Fernsehkritiker hat seine eigene Welt. Ob er eine handgeschriebene Verteidigung beim nächsten Gerichtstermin verbringen wird weiß ich nicht. Im T-Shirt-Prozess geht es wieder eine Runde weiter. Es werden 25.000 Euro Spendengelder gesammelt. Die Kanonen werden geladen. Holger Kreymeier  hat bestimmt seine Definition vom Politischen. Der Staat, in Form der Gerichte, soll ihm dabei helfen, Kritik (in Form eines Shirts) üben zu dürfen. Mal sehen, ob die Gerichte dieses Anliegen juristisch unterstützen. Zu wünschen wäre es ihm.

Ich hoffe der rote Faden der Mittelmäßigkeiten konnte gesichtet werden.

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2 Antworten to “Von handgeschrieben Exzerpten, dem Politischen und Fernsehkritik-TV”

  1. tinyentropy November 8, 2012 um 09:32 #

    Ich kann Deinen Dozenten insofern verstehen,als dass er sicher wollte,dass Ihr Euch der Tatsache bewusst werdet eine Fähigkeit aufzugeben,wenn man sie nicht mehr trainiert.
    Ganz selten schreibe ich noch kurze Texte per Hand und bin regelmäßig überrascht,wie schwer mir das inzwischen fällt.Fastt möchte ich sagen,dass ich es weitgehend verlernt habe.

    • marien86 November 8, 2012 um 18:16 #

      Hallo tinyentropy,

      das ist sicher richtig, was du schreibst. Man könnte zugespitzt formulieren: wir sollten mal wieder jagen und fischen gehen, unsere Kleidung mal wieder selber nähen… Diese Tätigkeiten haben wir alle an spezialisierte Kräfte abgegeben. Es ist sicherlich nichts dagegen einzuwenden, mal wieder per Hand Notizen zu schreiben, wenn dies mit einem süffisanten Unterton der „Technikverweigerung“ stattfindet, irritiert es schon. Der Dozent kokettiert, wie viele Leute Ü50 mit ihrer Technikskepsis, ohne das sie sich jemals mit Technik (was immer dies hier auch sei) beschäftigt hätte. Dies alles ergibt eine kritikwürdige Melange meinerseits.

      Gruß, David Marien

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