Funkstille und mittelmäßige Erkenntnisse

22 Dez

Hallo alle Miteinander,

hier herrschte für einige Wochen Funkstille, weil ich sehr beschäftigt war. Die Beschäftigung rührte aus dem Wälzen von Text, Vorbereiten von Referaten und der Anwesenheit in einem Samstagsseminar. So weit, so unspektakulär.  Was habe ich dabei gelernt: autokratische Staaten ratifizieren Menschenrechtsabkommen, weil sie einen Mehrwert erwarten, (Staats)Grenzen in den internationalen Beziehungen sind historisch variabel und stehen im Zusammenhang mit der Entwicklung der (Staats)Völker, Verfassungsgerichte agieren nicht ausschließlich juristisch bei der Urteilserarbeitung und zweite (Parlaments)Kammern begünstigen den Stillstand in einem Staat.

Jeder halbwegs politisch interessierte Mensch sollte zu ähnlichen Aussagen kommen, auch ohne Studium. Was macht eine Aussage nun zur Erkenntnis, was rechtfertigt ein Studium der Politikwissenschaft? Hier geht es um Mehrwert im Detail. Autokratische Staaten ratifizieren Menschenrechtsabkommen, weil sich ein Mehrwert ergibt, der von Autokratie zu Autokratie unterscheidet (Begriff weit definiert). Für einige sehr „brutale“ Autokraten ist das Unterzeichnen von Menschenrechtsverträgen, und deren spätere Nichteinhaltung, ein Signal an die heimische Opposition. Nach dem Motto: „Seht her, wir sind so stark, dass wir Verträge unterschreiben und die Konsequenzen ihrer Nichteinhaltung in Kauf nehmen. Unterschätzt uns nicht!“ Andere Autokraten wollen ihre Opposition besänftigen oder ihr Ansehen in der int. Gemeinschaft stärken.

Ähnliche Detailtiefe betrifft auch die anderen genannten Themen. Wenn es keine umwälzenden Erkenntnisse gibt, wird halt nichts umgewältzt! Es wird geschaut, wie man mit entsprechendem Datenmaterial zu detaillierteren Erkenntnissen kommt, die dann auch neu sein können. Ein Studium soll befähigen, sich durch Wissenschaftsliteratur zu hangeln sie auszuwerten und ggf. auch zu ertragen. Es geht um die Fähigkeit Nachprüfen und  kritisieren zu können. Dies ist nicht immer sexy und nicht motivierend. Aber das Leben ist ja kein Ponyhof.

Mittelmäßig ist das bisher Gelernte deswegen, weil es weder große Umwürfe produziert noch (ausschließlich) bestehendes Wissen bestätigt. Es findet eben eine Erkenntnis im Detail statt. Auch damit muss eine Gesellschaft leben lernen.

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