Das Lesers sollten sich mit einer Reform der dt. Sprache beschäftigen!

31 Dez

Hallo alle Miteinander,

nein, ich habe nicht die deutsche Sprache verlernt. Ich bin nur auf einen interessanten Vortrag gestoßen, der auf dem 29C3 gehalten wurde. Er trägt den Titel Sprache, Ungleichheit und Unfreiheit, gehalten von Anatol Stefanowitsch. Es geht ihm dabei um folgendes: die deutsche Sprache diskriminiert Frauen systematisch. Ein alltägliches Beispiel ist das generisches Maskulinum. Das Wort „Studenten“ ist ein Oberbegriff. Die Studenten (männlich) und die Studentinnen (weiblich) sind Unterbegriffe. Man kann sagen: „Es waren keine Studenten in der Sprechstunde“ Es ist immer klar, dass keine Männer da waren -> männlicher Unterbegriff oder Oberbegriff. Ob auch keine Frauen da waren bleibt unklar -> Oberbegriff = männlicher Unterbegriff. Dies ist verallgemeinerbar. Frauen müssen im Zweifel  immer nachfragen, ob auch sie gemeint werden.

Nun erwähnt Stefanowitsch einige Hacks:

Student/innen, StudentInnen, Student*innen, Student*en

Das löst das Problem, so Stefanowitsch, nicht wirklich. Er bietet eine Alternative an, die von Luise F. Pusch, einer Sprachwissenschaftlerin, erarbeitet wurde. Demnach könnte man den Oberbegriff „das Students“ einführen. Ein sächliches Substantiv mit Plural-s. Wenn man nun sagt: „Es waren keine Students in der Sprechstunde“ wird klar, dass weder Frauen noch Männer da waren. -> Studenten – nur Männer; Studentinnen – nur Frauen. Auch dieses Prinzip wäre verallgemeinerbar in der deutschen Sprache. Eine interessante Idee, über die man mal nachdenken könnte. So einfach können Probleme gelöst werden!

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2 Antworten to “Das Lesers sollten sich mit einer Reform der dt. Sprache beschäftigen!”

  1. tinyentropy Januar 2, 2013 um 13:05 #

    Interessant, das muß ich sagen. „Aber!“ Zuerst einmal glaube ich, dass hier formal eine Diskriminierung vorliegt, sie aber von kaum einer Frau so empfunden werden dürfte. Ist es dann die Sache wert, unsere gewachsene Sprache mit einer neuen Reform zu versehen, nachdem ihr mit den bisherigen Rechtschreibreformen nichts gutes getan wurde!?

    Die Idee klingt einfach und das ist sie auch. Se gefällt mir nicht schlecht. Aber es scheint mir ein bloß ein naheliegender Anglizismus zu sein. Wollen wir davon noch mehr in unserer Sprache beheimaten?

    Viele Grüsse

    • marien86 Januar 2, 2013 um 17:44 #

      Hallo tinyentropy,

      nun, wenn die bisherigen Rechtschreibreformen nicht „gut“ waren, dann schaffen wir alle ab? Man mag ja kritisieren, dass man Schifffahrt mit drei f schreibt. Geht es hier um Logik oder Gewöhnung? Heißt „gewachsene Sprache“, dass es einen fest definierten Punkt in der Sprache gibt der eingefroren gehört? Darf sie / darf sie nicht weiterwachsen? Was ist gutes „Wachstum“? Du stellst Fragen, die einer normativen Antwort bedürfen! Stefanowitschs Vorschlag orientiert sich an einer praktischen Umsetzung.

      Wenn Anglizismen, wobei zu prüfen wäre ob das Plural-S ein solcher ist, helfen, dass eine Sprache (auf formal) weniger diskriminiert, dann ist das gut.

      Die meisten Frauen stehen dem heutigen Feminismus doch eher kritisch gegenüber. Ich habe den Eindruck, dass es eine ganz leichte Rückwärts-Bewegung gibt. Man möchte keine Quoten-Frau, keine Reduktion auf das Geschlechtliche sein. Dennoch werden Frauen, weil sie potentiell Kinder kriegen könn(t)en diskriminiert. Ihnen bleiben formal wie praktisch bestimmte Karrierewege versperrt. Viele passen sich dem an. Sie verzichten auf Kinder und nehmen das generische Maskulinum als Randnotiz hin. Es gibt ja wichtigeres: den Job, die Reputation, das eigene Selbstwertgefühl. Ich möchte, dass Frauen in ihrem Topjob Kinder erziehen können, dass sie (wenn sie wirklich wollen) das generische Maskulinum kritisieren dürfen. Viele Frauen haken dieses Thema ab, weil es in ihrer Umwelt Dinge gibt die dringender bearbeitet werden müssen: Kinderbetreuung Familienorganisation, Zeit für sich nehmen.

      Ich stehe der deutschen Sprache neutral gegenüber. Klar ist es unnötig wenn man Manager, anstelle von leitender Angestellter/Direktor sagt. Was ist mit Portemonnaie, Parfum, Eau de Toilette, Toilette, Ragout usw. Ich denke, dass die Anglizismen so in der Kritik stehen, weil sie (auch) die Dominanz der Anglo-Amerikanischen Kultur abbilden. Es geht um Machtbeziehungen und Einfluss, und eben nicht um die Frage, welchen Mehrwert sie der deutschen Sprache geben (können). Sprache ist ein Werkzeug, es soll Sinn erfüllen. Versuche doch mal eine Variable ein einem Programm zweideutig zu defnieren: es geht nicht. Sprache muss eindeutig sein um Missverständnissen vorzubeugen. Das gilt sowohl für Computer als auch Menschen. Außerdem toben seit Jahrzehnten Flamewars um Programmiersprachen. Scheinbar haben auch einige Nerds Probleme einen Pragmatischen Zugang zu Sprache zu finden. Manchmal sollte einfach einfach einfach sein, ohne Stefanwitschs Idee jetzt unbedingt unterstützen zu wollen 🙂

      Gruß, David

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