Was ist Vielfalt? Was sind Worte?

26 Jan

Hallo alle Miteinander,

ich habe unter dem  Blogartikel Pro Vielfalt – das reichhaltige Buffet freier Software einen Kommentar geschrieben, den ich hier wieder verwerten möchte. Der hier verlinkte Blogartikel bezieht sich wiederum auf einem Heise-Artikel  von Thorsten Leemhuis: Die Woche: Forken muss wohlüberlegt sein! Was ist gemeint? Rund um das Betriebssystem Linux hat sich eine bunte Umwelt entwickelt. Vom Texteditor über Textverarbeitungsprogrammen bis zu ganzen Desktop-Umgebungen: alles ist in mehrfacher Ausführung zum Nutzen und Testen verfügbarr.Forken meint hierbei, dass aus dem Quelltext eines bestehenden Software-Projektes ein neues eigenständiges Projekt entwickelt wird. Nun wurde mit Consort eine weitere Desktop-Oberfläche vorgestellt. Leemhuis nimmt Stellung und fasst am Ende des Textes zusammen:

Liebe Freizeitentwickler und im Open-Source-Bereich aktive Unternehmen: Versucht es doch bitte etwas stärker mit Kooperation statt Konkurrenz; und überlegt euch vorher noch gründlicher, ob ein Fork wirklich die beste Lösung ist. Gemeinsam lässt sich einfach mehr erreichen und die Qualität von Open-Source-Software steigern. So könnte freie Software vielleicht auch in Einsatzbereiche und Herzen vorstoßen, die sie noch immer nicht für sich erobern konnte.

Der Blogartikel Pro Vielfalt – das reichhaltige Buffet freier Software entgegnet, diese Vielfalt sei notwendig! Wenn bestimmte Projekte nicht mehr weiterentwickelt werden, bieten Forks Möglichkeiten Alternativen weiterzuentwickeln. Es entsteht ein Selektionsprozess. Nur Projekte mit einer bestimmten Nutzer- und Entwicklerbasis werden langfristig überleben. Doch wie hoch ist diese Zahl, was ist Vielfalt? Dazu mein Kommentar:

wie viel ist denn Vielfalt? Geht es hier um Quantitäten oder auch um Qualitäten? Es erscheint mir ein wenig zu simpel sich ausschließlich auf die “Vielfalt” zu beziehen.

Ich studiere Politikwissenschaft und bin auch dort mit der Forderung nach Vielfalt konfrontiert. Wozu brauchen wir noch politische Parteien, wenn sich Individuen eigenständig in den politischen Prozess einbringen können? Wozu benötigen wir klare Ideologien, wenn sich jeder von allem das Beste heraussucht und ein Diskurs auf klarer Kante nicht mehr möglich ist.

Was hat dies mit dem Blog-Beitrag zu tun? Software-Projekte übernehmen doch auch eine Bündelungs- und Synergiefunktion, es findet eine gewisse Arbeitsteilung statt. Sie definieren eine klare Kante. Werden Projekte zu groß, steigt der Bürokratieaufwand, gewisse Ideen können gar nicht mehr umgesetzt, weil viele Projektteilnehmer überzeugt werden müssen. Das auch die projekt-interne Kommunikation mit wachsender Größe leidet ist auch klar.
-> Ergo: Projekte dürfen nicht zu groß sein um ihr “Produktivitätsmaximum” zu halten.

Wenn Projekte zu klein werden leidet die Bündelungs- und Synergiefunktion, es findet zu wenig Arbeitsteilung statt
-> Ergo: Projekte dürfen nicht zu klein sein um ihr “Produktivitätsmaximum” zu halten.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob eine ökonomische Betrachtungsweise sinnvoll erscheint? Wenn Jemand ein Stück Software entwickelt, dann tut man dies vielleicht nicht unter dem Gesichtspunkt eines “Produktivitätsmaximums”. Ist Pluralität (auch in der Softwareentwicklung) ein Wert, an sich, der unabhängig von jeglicher Nützlichkeit zu betrachten ist?

Oder anders gefragt: gibt es Aktivitäten, die wirklich (wertfrei betrachtet) nicht-nützlich sind?

Es geht wie bei allem in der Natur (und damit auch beim Menschen) um Angemessenheit! Nicht zu viel und nicht zu wenig! – Angemessen halt! Was angemessen ist, bleibt häufig unklar. Der Begriff der Pluralität ist unklar definiert. Dass Individuen (hier Softwareentwickler) ihren Freiraum nutzen wollen ist verständlich. Aber wie bisher geschrieben: wenn alle ihren maximalen Freiraum nutzen, droht jegliche Gesellschaft (Softwareprojekte) zu zerbrechen! Leider ist auch dieser Freiraum unklar definiert.

Ich habe Leemhuis dahingehend verstanden, dass er genau nach der Angemessenheit des Freiraums fragt. Hobbyprogrammierer sollen weiterhin “ihr Ding” machen. Sie sollten aber überlegen, wie eine angemessene Beteiligung bei Großen Projekten aussehen kann. So könnten beide Seiten profitieren.

Es geht also nicht um Individualisierung oder Vergemeinschaftung sondern um sowohl als auch.

Wo ich gerade bei Worten bin: dieser Spreeblick-Artikel hat mich auf etwas gestoßen: die Debatte, ob die Sprache aus älteren Kinderbüchern angepasst werden sollte Sind Begriffe wie Türke, Chinesenmädchen oder „Neger“ noch gut aufgehoben in Kinderbüchern, ist diese Ausdrucksweise noch angemessen?

Ich muss eingestehen: ich habe keine Meinung zu dem Thema! Argumente beider Seiten leuchten mir ein. Das Wort „Neger“ hat über die Jahrzehnte eine eindeutig negative Konnotation bekommen. Man sollte es nicht nutzen, wenn man neutral über Menschen mit dunkler Hautfarbe sprechen möchte. Wenn man es nicht in mündlicher Sprache verwenden sollte, sollte man es auch nicht in schriftlicher Sprache verwenden. Auch bereits Vierschriftlichtes gehört auf den Prüfstand. Ob die Bibel, ob Historie oder Märchen, vieles wurde abgewandelt und umgeändert im Laufe der Zeit.

Auf der anderen Seite kann man argumentieren: lohnt sich nicht die Aufklärung über bestimmte Worte? Diskriminierende Worte kann man verschwinden lassen, Diskriminierung nicht! Es werden ständig diskriminierende Worte neu entwickelt. Es ist ein Katz- und Mausspiel. Es droht, dass Diskriminierung vom (Kinderbuch im) Kinderzimmer in andere Orte verschoben wird. Das Kinderzimmer wird eine heilere Welt. Die Welt da draußen wird stürmischer. Ob Philosophie oder Filosofie, ob Frau oder Weib: alles ist eine Konstruktion unseres Kopfes, unserer Gesellschaft! Werden wir uns klar darüber und streiten über deren Bedeutungen! Ich bin mir nicht klar: hebt das nicht-mehr-nutzen-Argument das jetzt-erst-recht-drüber-reden-Argument auf?

Klar wird: Wortbedeutungen ändern sich. Was Vielfalt ist muss definiert werden. Über ihre Güte für die Gesellschaft muss diskutiert werden.  Selbiges gilt für Worte aus Kinderbüchern. Menschen ändern sich. Worte ändern sich. Ob wir wollen oder nicht, wir sind Teil dieser Entwicklung!

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5 Antworten to “Was ist Vielfalt? Was sind Worte?”

  1. Fieser Humor März 16, 2017 um 05:31 #

    Die schlechten Witze sind deshalb mit den abartigen Witzen verwandt, weil sie ebenfalls ein Extrem darstellen.

  2. Fieser Humor Texte März 21, 2017 um 04:30 #

    Hallo habe mich erst heute bei dem chat angemeldet und gelesen das du mit einem afrikaner zusammen bist hoffe
    es ist noch aktuell.

    • marien86 April 1, 2017 um 12:46 #

      Hallo,

      ich war noch nie mit einem Afrikaner(in) zusammen. Wie kommst du darauf?

      Lieben Gruß

  3. Fieser Humor Bilder März 27, 2017 um 23:18 #

    Ich habe ein ganz lieben Afrikaner als Freund.. er ist sehr hilfsbereit ist sehr verantwortungsbewusst..
    und versorgt sich selbst und macht fast den ganzen Haushalt,.

  4. Böse Witze schwarzer Humor März 28, 2017 um 00:25 #

    Denn nur im Kontext des Begriffs Neger für
    schwarze Menschen können sich die Zuschauer gleich doppelt auf die Schenkel klopfen:
    Weil sie nämlich diesen vermeintlich hintergründigen Humor verstehen – und weil ein weißer Mann auf der Bühne ständig
    Neger und Mohr brüllt.

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