Kontrolle oder Vertrauen? Wie wollen wir leben?

23 Feb

Hallo alle Miteinander,

es gibt Eltern, Partner und Freunde, die einen großen Kontrollzwang auf ihr Gegenüber ausüben. Ist es Angst, dieser Person könnte etwas zustoßen? Ist es Misstrauen: man fühlt sich getäuscht? Oder ist es der pure Wille Macht auszuüben: Kontrolle als Machtinstrument?

Kontrolle kann aus bester Absicht ausgeübt werden oder aus der allerschlechtesten Absicht. Sie kann im privaten Kreis beginnen und setzt sich, bis hin zum Staat, fort.

Dabei wird klar: was Kontrollen immer auch sein mag, es ist nicht binär. Es gibt nicht nur Kontrolle oder nur keine. Kontrolle droht bodenlos zu werden. Wenn man einen Gegenstand, eine Sache oder eine Person kontrolliert stellen sich folgende Fragen:

  • wird gründlich genug kontrolliert?
  • muss die Kontrolle ausgeweitet werden?
  • wird das Richtige kontrolliert?

Es wird klar, dass sich aus diesen Fragen ein hoher Aufwand und hohe Kosten ergeben. Wenn Eltern kontrollieren wollen, ob ihr Kind die Hausaufgaben gemacht hat ist dies händelbar. Ob der Versicherungsmakler in unserem Sinne arbeitet ist nicht mehr leicht nachvollziehbar. Wenn große Firmen und der Staaten Kontrolle ausüben (müssen), drohen Kosten und Aufwand zu explodieren. Ob das gewünschte Verhalten erreicht wird bleibt fraglich.

Es könnte doch alles viel einfacher sein? Wenn Menschen aufeinander vertrauen könnten, würde man Kontrollinstanzen, Zeit und Geld sparen. Mir scheint, dieses Grundvertrauen in die (Mit)Menschen und den Staat schwindet. Es schwindet bei mir selbst. In einer Welt, wo wir mit großen Skandalen und kleinen persönlichen Enttäuschungen konfrontiert sind, wie soll da dieses Grundvertrauen wachsen? Mehr Kontrolle bringt nicht unbedingt mehr. Soll man auf sie verzichten? Was ist ein angemessenes Maß der Kontrolle: in Politik, Wirtschaft, Alltag?

Ich bin der Letzte, der den Staat hasst, ich profitiere von ihm! Nur: sollen wir diesem „Wesen“ ein Grundvertrauen entgegenbringen (können)? Ich kann dies nicht! Ich kann aber auch keine vollständige Kontrolle des Staates verlangen, ich kann meine Mitmenschen nicht vollständig kontrollieren.

Und nun? Mehr Kontrolle (egal von was) bringt ab einer bestimmten Schwelle nur mehr Kosten, der Zusatznutzen bleibt gering. Mehr Vertrauen ist löblich, aber naiv. Auch sie gewährt nicht, dass ich einen definierten Zusatznutzen erwarten kann.

Für mich ist die Frage (mehr) Kontrolle oder (mehr) Vertrauen auf dieser allgemeinen Stufe nicht beantwortbar. Ich muss hier im Einzelfall entscheiden!

Wahrscheinlich ist meine Generation in einer Zeit aufgewachsen, wo es für die Gesellschaft immer unklarer wurde, wie sie dies Verhältnis Vertrauen <-> Kontrolle aus tarieren soll. 9/11 und der CDU-Spendenskandal haben, bewusst wahrgenommen oder nicht, ihre Spuren hinterlassen.

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