Kurzkommentar: so ein schönes Wetter, was viel überstrahlt.

2 Aug

Hallo alle Miteinander,

es ist Sommerloch. Menschen sind im Urlaub, die Parlamente sind heruntergefahren. Allerlei Politiker leiten zur heißen Phase des Wahlkampfes über. Und doch: wir sind mit anderen Dingen beschäftigt. Wer will schon in der Sonne Wahlprogramme lesen, wenn leichte Literatur lockt! Wer will mit Freunden über Politik, Überwachungsstaat und Wirtschaft sprechen, wo der letzte Urlaub bequatscht werden muss. Wer fährt zur Demo, wo man doch baden gehen kann.

Ich bin ehrlich, ich gebe mich dem „leichten“ Leben hin. Das bedeutet nicht, das ich Politik völlig ausklammere. Erst neulich habe ich meiner Oma erklärt, das sie gegenüber den Massenmedien kritischer sein solle. Sie könne doch gar nicht wissen, ob die Medien das „wahre“ Bild liefern. Die Piraten waren auch Thema bei uns. Ich nehme an, sie wird CDU wählen. Ich habe mit ihr über einige Punkte diskutiert. Wir waren anderer Meinung. Dann kam ein  Schwenk zu einem anderen Thema.

Na und? mögen Einige sagen. Is halt so im Gespräch. Ich frag mich immer: wie stark darf ich Andere überzeugen, wie lange darf ich bei einem Thema bleiben, ohne den Anderen zu verprellen?

Ich weiß es nicht. Der Sommer lässt die Frage noch drängender werden. Als Politikwissenschaftler ist man ja eh schon in der Blase. Das merke ich jetzt wieder, gerade wegen dem Sommer.

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18 Antworten to “Kurzkommentar: so ein schönes Wetter, was viel überstrahlt.”

  1. drbruddler August 2, 2013 um 19:36 #

    Auch wenns frustriert, nicht aufgeben. Leider stehen den Themen viele noch nicht aufgeschlossen gegenüber, daher wird vom Thema abgelenkt, weil man ja nicht mitreden kann oder will. Es ist leider so, dass die Schafe ihr Schlächter wählen werden.

    • marien86 August 3, 2013 um 15:58 #

      Hallo drbruddler,

      danke für den Kommentar. Wissen wir (beide z. B.) immer, wer Schaf und wer Schlächter ist? Bei einigen Themen weiß ich selbst nicht genug. Daher bin ich, wie viele Andere auch, anfällig für Manipulation. Deswegen bin ich der Meinung, dass das Spiel „wir und „Sie“ so nicht funktioniert. Mal sind wir „sie“, bei anderen Themen eben nicht.

      Ich bin immer vorsichtig, mich in die Gruppe der Wissenden zu stellen. Ich weiß, dass ich nicht genügend weiß.

      Gruß, David Marien

      • drbruddler August 4, 2013 um 07:24 #

        Nun, ich folge meinem Gefühl und meinem Verstand. Es wäre ein Fehler sich für unfehlbar zu halten, aber ich vertaue und irre mich selten. Der Kern liegt in der Sichtweise und daher sollte die immer gleich bleiben. Man kann sie wechseln und verändern ja, doch im Kern darf sie sich nicht verändern, denn sonst passiert das, dass man den Mörder versteht und den Betrüger bewundert.
        Z.B. in den vielen Prozessen, in denen man für die Täter allerhand Erklärungen sucht und dabei die Opfer verhöhnt und deren Angehörigen mißhandelt oder die Großen laufen läßt und den Kleinen hängt. Daher sei wachsam und zuversichtlich.

      • marien86 August 4, 2013 um 13:35 #

        Hallo drbruddler,

        ich kann doch verstehen, im Sinne von Nachvollziehen, warum ein Mörder gemordet hat. Deswegen kann und muss ich die Tat, an sich, verurteilen. Ich kann auch die Schläue und das taktische Geschick von Betrügern bewundern, Das ändert eben auch nichts daran, dass die Tat zu verurteilen ist.

        Ein Brotmesser kann zum Töten von Menschen und Brotschneiden verwendet werden. Es kommt immer auf die moralische Bewertung an. Sie muss das letzte Maß sein. Deshalb ist auch jede Straftat zu verurteilen, wie geschickt sie auch ausgeführt wurde.

        Moral kann aber nie absolut sein. Jeder Mord ist moralisch „schlecht“. Hätten deshalb die Hitler-Attentäter Hitler nicht umbringen dürfen? Die Kernaussage war ja: jeder Mord ist moralisch „schlecht“. Moral muss also verantwortungsetisch gesehen werden. Hitler umzubringen, kann dadurch gerechtfertigt werden, dass man a) andere Menschenleben retten könnte b) es kein Strafmaß gibt, dass Hitlers Taten hätte sühnen können und c) es keinen anderen Weg gegeben hätte a) umzusetzen.

        Ich weiß, das Hitler-Beispiel war „extrem“. Es verdeutlicht aber dass moralische Kernaussagen auch wandelbar sein müssen. Im konkreten Fall „Hitler“ argumentiere ich, dass ein Mord gerechtfertigt gewesen wäre. In 99.999 % aller anderen Mordfälle trifft dies, kann dies gar nicht zutreffen.

        Gesinnungsethiker würden argumentieren: weil Mord schlecht ist darf auch ein Hitler nicht umgebracht werden. Auch seine Würde wäre unantastbar. Die Umstände im Fall „Hitler“ wären hier irrelevant. Die Menschenwürde sei ja absolut zu betrachten.

        Zum Thema zurück: dass man sich selten vertut und sich selten irrt, sagt noch nichts darüber aus ob eine Sichtweise „gut“ ist. Andersherum: ich kann in einer opportunistischen Welt leben. Meine hohen moralischen Standards würden mich, aus Sicht der Opportunisten, zu Fehlentscheidungen führen. Habe ich deshalb eine schlechte Sichtweise?

        Ich bilde mir nach meinem besten Wissen und Gewissen eine Meinung. Ich diskutiere anderen über diese Meinung. Nur weil diese meine Meinung oft bestätigt wurde, heißt das nicht, dass sie in Stein gemeißelt ist. Gerade gute Gegenargumente helfen einem, die eigene Meinung zu überdenken, zu schärfen.

        Nur wer bereit ist sich völlig infrage zu stellen, kann seine Meinung behaupten. Wenn ich alle (guten) Gegenargumente durchdacht habe kann ich prüfen, ob meine Argumente stechen. Nur wenn man sich eingesteht, dass man anfällig für Manipulation ist, kann man sich gut dagegen rüsten. Wie gesagt, wie oft man sich nun irrt, spielt keine Rolle. Wenn man sich darüber bewusst wird und gegensteuert, das ist wichtig und bewundernswert.

        Gruß, David Marien

      • drbruddler August 4, 2013 um 19:19 #

        Gewalt ist dann sinnvoll, wenn sie dazu dient sinnlose Gewalt zu verhindern und andere Mittel versagen.
        Doch wie soll ich das jetzt verstehen? Ich denke wir leben mittlerweile in einer Zwangsgesellschaft, die man nicht mehr gut heißen kann.
        Ihre Argumente sind in einer Zeit, in der man noch miteinander diskutiert, also sich achtet, sehr sinnvoll. Heute jedoch ist das nicht mehr so. Heute muß man wissen wo man steht.

      • marien86 August 4, 2013 um 21:43 #

        Das heißt, heute darf ich meiner Oma eine über den Schädel ziehen (wir leben in einer anderen zeit, so Ihre Argumentation) wenn sie nicht meiner Meinung ist? Ich rede ja nicht mit Frau Merkel sondern mit Bekannten und Verwandten. Und selbst wenn ich mit Merkel reden würde. Sie bekommt doch auch nur ihre „Befehle“. Sie ist wahrscheinlich genauso machtlos wie wir alle. Diejenige Handvoll, die wirklich was zu sagen hat, da kommen wir eh nicht ran.

        Glauben Sie mir, ich weiß wo ich stehe. Ich lasse mir die vielen guten Menschen aber nicht schlecht-reden, die ich kennengelernt habe, nur weil einige Eliten ihre Macht ausnutzen. Es gibt gute und weniger gute Menschen. Es gibt gute und weniger gute Diskussionen. Man darf nicht nur Schwarz und Weiß sehen, ein paar Grautöne gibt es auch noch.

        Gruß, David Marien

      • drbruddler August 5, 2013 um 09:54 #

        Woher nehmen sie „meine Argumentation“? Bitte bleiben sie sachlich. Ich würde niemals solche Gewalt gutheißen sondern nur die, die diese Leute daran hindert das zu tun und dann bitte nicht zimperlich sein.
        Und wie kommen sie darauf, dass ich schwarz-weiß sehe? Dazu sollten sie mal meinen Blog besuchen, denn dann würden sie das einfach lassen.
        Momentan stellen sie alles in Frage, ohne wirklich konkret zu werden, das ist eher destruktiv.

      • marien86 August 5, 2013 um 16:14 #

        Hallo drbruddler,

        falls ich destruktiv gewirkt haben sollte, dass war nicht meine Absicht.

        In Ihrem ersten Kommentar sagten Sie:

        „Es ist leider so, dass die Schafe ihr Schlächter wählen werden.“

        Ich habe argumentiert, dass auch das Schaf bin. Auch ich bin manipulierbar, auch mein Verstand lässt sich täuschen. Sie begeben sich in die Beobachterposition und suggerieren, Sie seien weder Schaf noch Schlächter. (die Schafe, ihre Schlächter) Wir können uns nicht ausschließlich in diese Beobachterposition begeben. Auch wir begehen Fehler, auch wir sind manipulierbar.

        Darauf argumentieren Sie:

        „[.]aber ich vertaue und irre mich selten. Der Kern liegt in der Sichtweise und daher sollte die immer gleich bleiben. Man kann sie wechseln und verändern ja, doch im Kern darf sie sich nicht verändern“

        Auch Kernpositionen müssen veränderbar sein. Was ist, wenn Randpositionen so weit von der Kernaussage liegen, dass die ganze Argumentation schief wird. Es gibt keine absolute Ethik. Das menschliche Handeln muss relativ betrachtet werden. Das heißt eben nicht dass Mord oder Raub, an sich, relativierbar werden. Das heißt nur, das die Schuld bzw. das konkrete Strafmaß im Zusammenhang mit der Straftat gesehen werden müssen. Am Fall „Hitler“ habe ich deutlich deutlich gemacht, dass unter gewissen Umständen eben auch Mord vertretbar sein kann.

        Auch wenn sich Menschen selten irren und ihre Ansichten „da draußen“ bestätigt werden, heißt dass noch lange nicht dass sie richtig sind. Jemand der in der Nazi-Zeit aufgewachsen ist, musste nach dem Krieg schmerzlich feststellen, dass er in einer Blase gelebt hat, wo alles verbogen wurde.

        Ich habe im letzten Kommentar, zugeben polemisch auf diese, Ihre Aussage reagiert:

        „Ihre Argumente sind in einer Zeit, in der man noch miteinander diskutiert, also sich achtet, sehr sinnvoll. „

        Mein Blog-Beitrag bezog sich auf eine Diskussion mit meiner Großmutter. Wenn die Zeit „der guten Diskussion“ vorbei sind, wie soll ich dann diskutieren können, mit der Oma? Welchen Schluss soll ich aus Ihrer Aussage ziehen? Ich habe bewusst die krasseste Aussage aufgeschrieben um Sie ein wenig zu provozieren. Dass war nicht böse gemeint, eher als Stilmittel.

        Sie argumentieren weiter:

        „Heute jedoch ist das nicht mehr so. Heute muß man wissen wo man steht.“

        Sie haben nicht gesagt, wie ich mit Oma diskutieren soll. Sie sagen nur, man müsse wissen, wo man steht. Heißt dass, ich soll mit Frau Merkel anders diskutieren, weil sie Kanzlerin ist? Gelten die Regeln der „guten Diskussion“ nicht auch im Umgang mit Kanzlern? Nur weil sich der „Zeitgeist“ ändert, heißt dass eben nicht, dass ich bestimmte Regeln über Bord werfen kann. Ich muss immer im Zusammenhang entscheiden, wie ich mit dem Gegenüber umgehe (Verantwortungsethik) Ich muss und kann mit Merkel anders reden als mit Oma. Das heißt aber auch, ich sollte mit Merkel reden, wenn ich die Chance hätte.

        Falls Sie entgegnen sollten, dass in der Zwangsgesellschaft jeglicher Diskurs sinnlos sei. welche Alternative bieten Sie an? Ich gebe offen und ehrlich zu: in dieser Gesellschaft bringt Diskurs nicht dass, was er bringen könnte. Was bringen den die anderen Alternativen: Rückzug ins Private, abnicken all dessen was passiert und die Radikalisierung.

        Wer (mit Worten im Freundeskreis) kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren.

        Gruß, David Marien

  2. drbruddler August 5, 2013 um 16:56 #

    Zuerst einmal vielen Dank für die Zeit, die sie sich jetzt genommen haben.
    „Ich habe argumentiert, dass auch das Schaf bin. Auch ich bin manipulierbar …“
    Klar, ist niemand davon ausgenommen. Doch schon wer nicht alle Nachrichten unserer Medien widerspruchslos hinnimmt, wird wahrscheinlich auch sein eigenes Verhalten ändern.

    „Auch Kernpositionen müssen veränderbar sein. “
    In der heutigen Zeit, in der an den Grundfesten unserer freiheitlichen Grundordnung gesägt wird, ist es wichtig, diese immer noch zu kennen und zu verteidigen. Ihre Zweifel sind zwar prinzipiell nicht falsch, aber heute sicherlich nicht anzuzweifeln. Vielmehr sollten die Auswirkungen jeder Veränderung auch transparent bleiben. Ich denke das gerade sind sie aber nicht.

    In der NAZI-Zeit gab es für kritisch denkende Zeitgenossen genügend Gelegenheiten daran zu zweifeln. Wer erst danach aufweckt wurde, der wollte nicht aufwachen.

    „Mein Blog-Beitrag bezog sich auf eine Diskussion mit meiner Großmutter. “
    Durch Vergleiche, denn heute lassen sich viele Ereignisse mit damals vergleichen. Gerade im Thema Überwachung und Bespitzelung, aber auch bezüglich der heutigen Justiz.
    Natürlich auch nur so lange, wie sie dir dabei zuhört, dabei nach Möglichkeit die Lügen aufdecken. (Die CDU gewann einmal einen Wahlkampf wegen der Schuldenpolitik oder z.B. die EURO-Lüge gut sichtbar durch das damalige Wahlplakat)

    „Sie haben nicht gesagt, wie ich mit Oma diskutieren soll.“ … Das heißt aber auch, ich sollte mit Merkel reden, wenn ich die Chance hätte.“

    Ja.

    „Falls Sie entgegnen sollten, dass in der Zwangsgesellschaft jeglicher Diskurs sinnlos sei. welche Alternative bieten Sie an?“ Sich auf die Grundwerte unserer Gesellschaft zu besinnen (Meinungsfreiheit, Grundgesetz, Demonstationsrecht, faire Gerichtsverhandlung, Soziale Marktwirtschaft und unabhängige Presse) Ich selbst möchte dazu noch anfügen dass Religionsfreiheit sich den Menschenrechten unterordnen muß. Bzw. dass jede religiöse Gesinnung, die dagegen verstößt, auch nicht als Religion anerkannt werden darf.

    „Wer (mit Worten im Freundeskreis) kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren.“ Bzw. wenn er schon verloren hat, hat er dann noch Freunde?

    • marien86 August 5, 2013 um 19:59 #

      Hallo drbruddler,

      ich möchte Ihnen zustimmen und ergänzen, dass bloße Besinnung auf Grundwerte auch nicht zielführend ist. Jetzt zur BTW habe ich das Problem, diejenige politische Partei zu „finden“, die konsequent für die Grundwerte eintritt. Sie alle haben irgendwie Dreck am stecken. Das macht die Sache so schwierig.

      Damit die Grundwerte wieder ins Bewusstsein kommen, muss man sie ansprechen. Ich musste Leuten schon oft erklären, wie z. B. der Rechtsstaat funktioniert. (sollte) Das Prinzip dass hinter Gerichtsverhandlungen, Marktwirtschaft und Bürgerrechten steckt ist vielen nicht klar. Das muss den Leuten eingetrichtert werden.

      Ihre Alternativen sind also gar keine, bezogen auf den Diskurs. Grundwerte wirken erst dann, wenn Menschen ihren Wert erkennen. Erkenntnis tritt ein durch: Selbsterfahrung und Bildung. Grundwerte brauchen den Diskurs. Sie können sie nicht ersetzen.

      Im vorletzten Kommentar hab ich etwas polemisch reagiert, weil ich Sie missverstanden hatte. Es entstand bei mir der Eindruck, Sie wären einer von denen, die der „Revolution“ das Wort reden. Ich reagiere etwas empfindlich auf Begriffe wie „Zwangsgesellschaft“ und „Haltung haben“. An der Uni hab ich oft erlebt, dass genau die Leute diese Begriffe nutzen, die eine Zwangsgesellschaft einführen wollen. Eine Haltung wird dort oft mit Dogmatismus verwechselt. Diese Antifa-Gelaber von Zwangsgesellschaft vs. Herrschaftsfreier Gesellschaft bringt dies gut auf den Punkt. Die Jungs und Mädels dieser Organisation sind sehr aktiv im Netz. Da können Verwechselungen passieren.

      Gruß, David Marien

      • drbruddler August 6, 2013 um 05:56 #

        Kann dem nur zustimmen, und das „Dreck am Stecken haben“ ist die Folge von dem Zusammenhang, dass Parteien nur den Interessen folgen, die sie unterstützen. D.h. am Anfang waren es die Wählerstimmen und heute sind es die Sponsoren und Karriereleitern.
        Ich denke diese Werte kann man nicht erlernen, sondern nur erfahren oder begehren. D.h. heute müssen die Bürger sie wieder begehren.
        Jede gelunge Diskussion über die Ursachen unserer Probleme ist ein weitere Schritt nach vorne. Dabei ist es wichtig, dass diese Totschlagargumente wie Rassist, NAZI, Kommunist, Verschwörungstheoretiker auch als solche verstanden werden. Erst wenn man gelernt hat mit diesen Begriffen sorgsam umzugehen, ist eine sachliche Diskussion wieder möglich.
        Denn diese Probleme müssen endlich als das angesprochen werden was sie sind, nämlich als die Wurzel des Übels, sie vernichten jegliche konstruktive Kritik.

      • drbruddler August 6, 2013 um 06:03 #

        Bezüglich der BTW, das Problem ist systembedingt. Wählen ist ein nutzloses Übel, weil die bessere Alternative, nämlich Mitbestimmung durch Bürgerbegehren oder Volksentscheid noch fehlt. Und leider gibt es wegen dem ESM und den EURO-Kommissaren bald nichts mehr zu entscheiden, bis das alles kommt. Doch ich habe noch Hoffnung, dass es da noch eine Alternative geben wird (nicht die AFD, Club der CDU/FDP-Abtrünnigen), weil die Bürger vielleicht langsam wieder erlernen sich selbst zu organisieren.

      • marien86 August 6, 2013 um 15:25 #

        Ich will Ihnen wieder zustimmen und etwas ergänzen.

        Es ist, meiner Meinung nach, besser die Stimme ungültig zu machen als sie verfallen zu lassen. Sicher, Wählen bringt nicht dass was bringen könnte. Es bringt immer noch ein My mehr als wenn keiner mehr wählen gehen würde. Nicht die Wahl ist das Übel sondern die Auswahl.

        Wir stimmen beide darin überein, dass der Euro, wenn nicht gescheitert, so doch angeschlagen ist. Das ist schade. Ich halte sehr viel von der Idee „Euro“. Deswegen stört es mich dass man (die Politik), gewollt oder ungewollt, diese Idee kaputt schießt.

        Volksentscheide hätten uns den Euro vielleicht erspart. Viele wären bei ihren alten Währungen geblieben. Aus heutiger Sicht wäre dies vielleicht gut gewesen. Hier wird ein Grundproblem von Volksentscheiden deutlich: sie begünstigen den Status Quo. Wenn bestimmte Veränderungen Verschlechterungen brächten sind Volksentscheide sinnvoll. Wenn sie aber Verbesserungen verschleppen, weil die Leute die Verbesserung gar nicht erkennen wollen, verhärten Volksentscheide ein Gemeinwesen.

        Nehmen Sie nur die Verschleppung des Frauenwahlrechts in der Schweiz durch Volksentscheide:
        http://de.wikipedia.org/wiki/Frauenstimmrecht_in_der_Schweiz#1900.E2.80.931959:_Vorst.C3.B6sse_und_Widerst.C3.A4nde

        Ich könnte sicher noch weitere Beispiele finden, wenn mir die Zeit nähme.

        Damit wir uns nicht falsch verstehen: ich will Volksentscheide & Co. nicht diskreditieren. Im Gegenteil, ich sehe ihre positive Wirkung, das sieht man auch in der Schweiz und anderswo.

        Volksentscheide & Co. benötigen eine bestimmte Umgebung in der sie funktionieren können. Sie sagen ja selbst:“Doch ich habe noch Hoffnung, dass es da noch eine Alternative geben wird , weil die Bürger vielleicht langsam wieder erlernen sich selbst zu organisieren.“ Ich muss mal meinen schweizer Prof. fragen, wie er das mit dem Organisationsgrad einer Landsleute sieht. Er (und andere Schweizer „linke“) haben nicht gerade die besten Erfahrungen mit Volksentscheiden gemacht.

        Natürlich: weder kann man abwarten und Tee trinken, noch kann man erwarten in 50 Jahren eine „perfekte“ Gesellschaft aufzubauen. Wir stehen am Scheideweg: wollen wir zurück zum hobbeschen Leviathan oder wollen wir eine Gesellschaft emanzipierter Individuen, die aus sich heraus zum „guten Leben“ streben.

        Ich werfe mein Milligramm in die Wagschale und versuche Andere ebenfalls davon zu überzeugen.

        Gruß, David Marien

      • drbruddler August 6, 2013 um 19:06 #

        Ja, wenn Männer über Frauenwahlrecht abstimmen müssen, dann ist das natürlich eine Zangengeburt(zwinker). Auch bin ich nur dann guter Dinge, wenn solche Abstimmungen von einer guten und neutralen Presse begleitet werden, die nichts verschweigt oder verfälscht, nicht wie es heute der Fall ist. Also alles in allem nicht einfach, aber immer noch besser, als dass irgendwelche Leute sich zum Häuptling erklären lassen ohne die Legitimation des Volkes (siehe EU-Parlament und EU-Kommissare). Auch unsere derzeitigen Wahlen sind mehr Schein als Sein.
        Eigentlich ist das so, dass Abstimmungen nur auf regionaler Ebene sinnvoll sind. Was uns am meisten fehlt sind sogenannte unmittelbaren Abwahlen bzw. das Veto-Recht mittels Abstimmung.
        Warum bin ich eigentlich gegen ungültige Stimmen? Nun, das (F)Merkel muß weg!

      • marien86 August 6, 2013 um 21:12 #

        Es ist klar, dass das EU-Parlament nicht die Rechte eines „richtigen“ Parlamentes hat. Andererseits sind die Abgeordneten vom Volk gewählt (die, die wählen gehen). Ob der Kommissionspräsident nun die selbe Legitimität genießt wie der Bundeskanzler, da kann trefflich drüber streiten. Ihre Position teile ich insgesamt.

        Ihre Idee der Ab- oder Vetowahl ist interessant. Sie funktioniert aber auch wieder nur bei einer unvoreingenommen Presse und Bürgern, die sich informieren (wollen).

        Bitte helfen Sie mir: einerseits argumentieren Sie dass alle politischen Parteien „Dreck am Stecken“ haben. Wahlen seien ja mehr Schein. Andererseits verfolgen Sie ein konkretes Ziel das nur durch die (Aus)Wahl möglich ist. Wählen Sie eine Splitterpartei begünstigen Sie Merkel. Die 5%-Hürde schneidet ja Stimmen ab. Wenn viele Kleinparteien gewählt werden, wird dies Merkel nutzen. Ich nehme an: NPD, CDU, FDP und wahrscheinlich auch SPD (z. B. Europa-Politik) werden nicht „Ihre“ Parteien sein. Auch die Grünen werden nicht Ihr Favorit sein (wie SPD). Da bleibt nur noch die Linke, die für Sie wählbar wäre. Von dem was ich bei Ihnen heraus gelesen habe stimmen die am ehesten mit Ihren Ansichten überein.

        Damit wir uns nicht falsch verstehen: ich will gar nicht wissen, was Sie wählen wollen. Als Ostdeutscher und Kind von Eltern, die in der DDR lebten, ist mir die Vergangenheit der Linken durchaus bewusst. Auch wenn wir es heute mit einer anderen Partei zu tun haben als 1989, auch wenn es eine (eigene) Aufklärung ihrer Geschichte gab, sie lässt sich nicht abschneiden. Auf Kommunal- und Landesebene kenne ich Linkenpolitiker, deren Rolle in der DDR ich kritisiere. Dennoch gibt es interessante Punkte in deren Parteiprogramm.

        Wie gesagt: alles nicht so einfach. Ich werde meine Stimme (wahrscheinlich) ungültig machen. Steinbrück ist nämlich auch nicht besser als Merkel. Bei der Linken habe ich meine Animositäten.

        Gruß, David Marien

      • drbruddler August 7, 2013 um 06:40 #

        Ich glaube, dass ihre Denkweise dafür sorgt, dass es die kleinen Parteien nicht schaffen werden. Und genau deshalb gibt es ja auch die 5%-Klausel. Ich sehe das mittlerweile so. Ich wähle lieber jemand, der sie nicht schafft, als dass ich jemand wähle, der mich verrät und verkauft. Würden viele so denke wie ich, wäre die 5%-Klausel wohl nicht mehr das Problem und die CDU bekäme keine 15% (verdient hätten sie 0%) mehr zusammen. Der SPD wünsche ich 4% und den Grünen 1% und der FDP 0%.
        Noch kurz zu den „Wahlen“ für die EU. Da es dort keine Direktwahl gibt, handelt es sich hier auch nicht um eine Wahl, bestenfalls um eine Abstimmung.
        Ich würde am liebsten die 5-Sterne-Partei wählen.

      • marien86 August 7, 2013 um 15:46 #

        Sie haben Recht! In der Tat sorgt meine Denkweise für den von Ihnen beschriebenen Prozess. Die Struktur des Wahlsystems sorgt dafür, dass die Stimme einer Partei unter 5% äquivalent mit einer ungültigen Stimme ist. Beide sind „real“ verloren. Wir haben hier ein Trittbrettfahrer-Problem. Wenn genügend Leute rein taktisch wählen, werden kleine Parteien immer unten runterfallen. Gegen diese strategische Mehrheit kommen Sie mit idealistischen Gedanken nicht an.

        Italien verfügt ja über eine geringe Hürde ins Parlament zu kommen. Dazu kommt, dass sich die Parteienlandschaft aufgespalten hat. Das führt dazu, dass Italien immer instabiler wird. Folge: große Koalitionen müssen eingegangen werden damit (überhaupt irgendwelche) Gesetze verabschiedet werden können. Die 5-Sterne-Bewegung (als Partei sehen sie sich gar nicht) verschlimmert dieses Problem. Es ist natürlich konsequent mit keiner der korrupten, kaputten Parteien ein Bündnis einzugehen. Genau dies spielt Berlusconi in die Hände. Er weiß, dass er gebraucht wird. Dadurch wird die 5-Sterne-Bewegung stärker. Gleichzeitig wird aber auch Berlusconi stärker: die 5-Sterne-Bewegung wird weiterhin nicht mit den anderen koalieren. Berlusconi wird mehr und mehr zur Notwendigkeit. Selbst wenn die 5-Sterne-Bewegung stärkste Partei werden sollte: ihr konsequenter Kurs wird sie an einer Regierungsbeteiligung hindern. Das kann man gut finden, keine Frage.

        Die Frage ist: kann ein bloßes „dagegen“ Probleme lösen? Ich stecke zu wenig in der italienischen Politik drin um zu bewerten, welche konkreten Vorschläge die 5-Sterne-Bewegung einbringt.

        Italien war mit dem Mani-pulite-Skandal schon ab Abgrund. http://de.wikipedia.org/wiki/Mani_pulite Berlusconi hat es genutzt. Eine Krise allein führt zu keiner guten Politik. Die Italiener haben sich ein Stück weit von ihm blenden lassen. Wir wissen nicht inwieweit ein Beppe Grillo ebenfalls ein Blender ist. Gute Redner, die gute Ziele auf dem Papier haben, verfolgen nicht immer gute Ziele. Ich kann mich irren, keine Frage. Ein skeptischer, aber wohlwollender Blick bleibt.

        Gruß, David Marien

      • drbruddler August 7, 2013 um 16:42 #

        Genausowenig wie bei jeder anderen Partei hier in D. Von den bekannten Parteien weiß man, dass sie die Probleme nicht lösen wollen, von den anderen kann man es nur hoffen. Also was ist daran so schwierig. Es gibt keine Garantie, denn selbst wenn sie es lautstark verkünden (vor der Wahl) ändert sich leider ncihts dabei, wenn sie das nach der Wahl nicht halten werden. Also ist das Risiko vergleichsweise gering, eher eine Frage des Vertrauens, das hoffentlich nicht enttäuscht wird.
        Darum ja auch Volksentscheide (z.B. für Neuwahlen), denn dann könnte man ja solche Wahlbetrüger auch abservieren.

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