Kurzkommentar: schauderhaft – das „Mädchenmagazin“ TopModel

10 Aug

Hallo alle Miteinander,

auf meiner Pirsch durch das Netz bin ich auf dieses Format gestoßen: Pressesch(l)au. Dahinter verbirgt sich ein Videomagazin dass, wie der Name schon sagt, sich und Zeitungen und Zeitschriften der letzten Zeit befasst. Die hier verlinkte Folge ist ein Testpilot, quasi die Nullnummer. Am Konzept dürfte noch geschraubt werden. Eins ist aber jetzt schon klar: es wird einen Mix aus satirischer Berichterstattung und ernster Reflektion geben. Die Nullnummer war vor allem von ersterem geprägt. Der Eine oder Andere wird sich am Humor von Lars Golenia, dem „Moderator“ der Sendung stören. Er ist eher für jüngere Leute ausgelegt, wie auch das ganze Format. Trotz alledem: ich finde es kurzweilig und sehenswert.

Nun zur Überschrift: in der Sendung wurde auch das  „Mädchenmagazin“ TopModel besprochen.  (Genauer gesagt: hier)

Was ist daran nun so schauderhaft, mag man fragen? Durch die Rezension von Lars wurde mir bewusst, dass Medien immer auch bestimmte Weltbilder mitliefern. Die Zielgruppe dieser Zeitschrift wird deutlich weiblich und minderjährig sein. Der Titel „TopModel“ sagt schon einiges über ein bestimmtes Weltbild aus. Natürlich soll es Zeitungen für Mädchen geben dürfen, auch wenn mir einige Hardcore-Feministen widersprechen werden. Dort soll es es um Schminken, Mode und „weibliche“ Pubertät gehen dürfen.  Aber allein der bloße Titel der Zeitschrift zeigt schon: es wird weit übers Ziel hinausgeschossen. Lars zeigt auf, dass bestimmte Stereotype, in einer derartigen „Krassheit“ vermittelt werden, dass ich das nicht mehr akzeptabel finde.

Ich will und werde nicht weitere Worte über diese Zeitschrift verlieren. Seht es euch an und bildet euch euch eure eigene Meinung. Soziologisch sind hier zwei Begriffe interessant: Zeitgeist und Gender. Zum Einen spiegelt diese Zeitschrift eine bestimmte Denk- und Fühlweise der Gegenwart wieder. Zum Glück denken und fühlen nicht alle das, was diese Zeitung vermittelt. Dennoch ist das Phänomen „Topmodel“ ja allgegenwärtig. Diese Zeitschrift kann es nur geben, weil es das Phänomen gibt, auf das die Zeitschrift bezieht. Zum Anderen spielt der Begriff Gender eine wichtige Rolle. Diese Zeitschrift zeigt, wie sehr das Geschlecht konstruiert (hier gegendert) ist. Man muss nicht geschminkt und in modischer Kleidung herumlaufen um weiblich zu sein. Genau dies wird aber in der Zeitschrift konstruiert. Und dies geschickterweise: denn es steht ja nirgendwo dort „ihr müsst so rumlaufen“. Im Gegenteil: an einer Stelle steht sogar, dass man Weiblichkeit so nicht reduzieren kann. Was nutzt das Statement in Anbetracht des Restes der Zeitschrift? Ich denke, hier handelt es sich um ein Alibi. Diese Geschlechterkonstruktion funktioniert auch nur, weil sie sich auf einen den Zeitgeist bezieht. Beide Begriffe sing eng miteinander verbunden.

Auf der einen Seite führen wir Diskussionen über Frauen in Top-Positionen, auf der anderen Seite haben wir solche Zeitschriften. Auf der einen Seite haben wir Alice Schwarzer, auf der anderen Seite stehen die Mädels, die für 10 Minuten Ruhm ihre Seele verkaufen würden.

Wo ist das Mittelmaß?

 

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