Kurzkommentar: die Sache mit den Plastiktüten

30 Nov

Hallo alle Miteinander,

eben bin ich auf diesen Artikel bei SpiegelOnline gestoßen: Münchhausen-Check: „Jute statt Plastik“.  Es geht um die Problematik, das Plastiktüten die Umwelt verschmutzen und die Frage, inwieweit z. B. Jutebeutel als Alternative sinnvoll sind. Die reine Ökobilanz ist irreführend, so der Artikel. Man müsse Jutebeutel viel häufiger wiederverwenden als Plastiktüten, will man die eingesetzte Produktionsenergie wieder ausgleichen. Das relevantere Problem sei die mangelhafte oder nicht stattfindende Entsorgung der Plastiktüten in anderen Ländern: weil sie fast gar nicht verrotten, landen sie irgendwann im Meer, lösen sich immer weiter auf und gefährden so Tiere und Umwelt. Ich finde das Fazit des Artikels sehr treffend: 

Das Aufdrucken ethischer Imperative auf Jutetaschen reicht nicht. Der Stoffbeutel muss vielfach wiederbenutzt werden. Sonst ist die Ökobilanz seiner Herstellung womöglich schlechter als die der Plastiktüte. Doch Plastik hat ein Entsorgungsproblem. Und jedes deshalb verendete Tier ist eines zu viel. Der liberale Ökonom versucht, solche Probleme über den Preis zu regeln, der Moralist über den Appell, der Law-and-Order-Typ über ein Verbot.

Sowohl liberale Ökonomie als auch Moral als auch Law-and-Order werden – für sich genommen – scheitern. Es ist die Komplexität des Menschen, die eine bessere Umwelt erschwert. Das Verhalten nur über den Preis steuern zu wollen wird nicht funktionieren, wir sind keine Rechenmaschinen. Appelle verpuffen umso stärker, je öfter man sie ausspricht. Trotz vieler Verbote und deren Sanktionsmöglichkeiten, sie werden gebrochen, Sanktionen werden gebrochen.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: dieser Artikel ist kein Plädoyer für eine Vogel-Strauss-Mentalität. Er soll eine Alternative aufzeigen. Wenn es stimmt, was im Artikel steht, wäre es vielleicht am hilfreichsten wenn man folgendes unternimmt:

  • Menschen weltweit motivieren Plastiktüten mehrfach zu verwenden. Ist dies erfolgreich, wird es allein durch die Wiederverwertung die Produktion neuer Plastiktüten senken. Auch der Müll wird sich dadurch reduzieren
  • Die Entsorgung des weltweiten Plastikmülls professionalisieren. Was wir in Deutschland können, können andere doch auch. Bringen wir es ihnen bei!
  • „Vorsprung durch Technik“ erzielen: man kann doch sicher Tragetaschen produzieren, die eine ähnlich niedrige Ökobilanz haben wie Plastiktaschen haben, dabei aber so umweltfreundlich – weil verfaulbar –  sind wie Jutebeutel. Falls wir es noch nicht können, Materialforscher arbeiten da bestimmt schon dran!

Meine Vorschläge enthalten keine Verbote, ein wenig Moral (verwendet die Tüten doch mehrmals) und ganz viel Ökonomie: bei weniger Kosten produzieren wir mehr Nutzen (Entsorgung, neue Tragetaschen).

Eine Ethik des Mittelmaßes fordert keine Verbote, keine Appelle, die im Alltag vieler Menschen schwer umzusetzen sind und sie sieht den Menschen nicht als reine Rechenmaschine. Verfahren sollen optimiert werden, viele kleine Schritte sollen gegangen werden.  

Das klappt bei Plastiktüten sehr gut (könnte klappen). Bei Raub und Mord endet diese Ethik. Ich bin ja schließlich nicht der liebe (allmächtige) Gott 🙂

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