Dialektik der Zombieapokalypse

14 Dez

Hallo alle Miteinander,

das Gute am Menschen ist ja, dass man sich über verschiedene Ansichten austauschen kann. Einige ähneln sich eher, andere eher weniger. Manche Ansichten bilden Pole ab. Gegensätzlicher geht es kaum.

Da gibt es Autoren, die schreiben über die MITLEIDS-DIKTATUR. Oder sie verfassen eine ganze Artikelserie  über den ALTRUISMUS – KULT DER NEUROTIKER . Es gibt hierzu einen Gegenpol, den ich, zwecks mangelnder Recherche nicht verlinkt habe. Man kann sich allein aus den Überschriften der verlinkten Artikel denken, dass es hier Gegenmeinungen geben wird. 

Der Leser mag folgendes entschuldigen: ich werde mit Fachausdrücken sparsam umgehen, ich muss meine akademische Herkunft nicht über deren häufigen Gebrauch betonen. Ich werde nicht Zitate von bedeutenden Personen einstreuen, um meine eigene Position zu stärken (falls ich denn eine habe). Und ich werde meine Mitmenschen nicht als Gutmenschen, Intelligenzidioten, Faschisten (wenn sie denn keine sind) oder sonst wie bezeichnen. Auch wenn ich nicht mit Allen einer Meinung bin: man muss nicht mit Provokationen um sich schmeißen. 

These

Man kann auf die Frage, was man denn fremden Menschen schulde, antworten: „nichts“. Daraus folgt: wenn ich nur meinen Grips anwerfe, meine Umgebung nach besten Wissen und Gewissen mitgestalte, dann hat auch der Fremde was davon. Was ich will, das können auch Andere wollen. Warum sollte eine dritte Instanz, jenseits vom Fremden und man selbst, hier einschreiten? Der Staat, als dieser Dritte, kann gar nicht wissen, was die Menschen wirklich wollen. Er wird nur diejenigen bedienen, die am „lautesten schreien“. Diese Gruppen, die sich da zu Wort melden, werden über Emotionen argumentieren: habt Mitleid und Mitgefühl mit uns!

Das würde dann dazu führen, dass wir in einem irrationalen, unbezahlbaren Sozialismus fallen. Einzelne Gruppen buhlen um Kapital um „Image“ und um Macht. Der Einzelne würde nur noch über seine Emotionen angesprochen werden.

Wir würden zu Zombies zerfallen, die „willenlos“, gelenkt über eine öffentliche Meinung, umherirren. Nur einige Wenige mit „Durchblick“ wehren sich gegen diesen Zombiesozialismus. Alles ist irgendwie völlig kaputt und doof. Nur, keiner hört auf diese „Helden“.

Gegenthese

Man kann auf die Frage, was man denn fremden Menschen schulde, antworten: „alles“. 

Warum sollte der Eine mehr besitzen als der Andere? Warum sollte irgend eine Form sozialer Ungleichheit akzeptabel sein? Wenn ich etwas will, dann fehlt es dem Anderen. Eine dritte Instanz, der Staat muss hier dringend eingreifen. Er muss nicht nur die Interessen verschiedener Gruppen moderieren, er muss bestimmte Gruppen bevorzugen. Denn nur dadurch wird die Gesellschaft besser. Hier geht es nicht nur um den Ausgleich von Geld, Bildung und Wissen. Kultur soll reguliert werden: was wir essen, wie wir reden, was wir tun. Über allem steht die eine Idee.

In der gegenwärtigen Gesellschaft herrscht die falsche Ideologie, so die Gegenthese. Der Staat bevorzugt die falschen Interessen. Er wird zum Instrument einiger Weniger. Er wird diejenigen bedienen, die ihn am lautesten erpressen. Wenige werden immer mehr bekommen, viele werden versinken in Schulden.

Einzelne Gruppen buhlen um Kapital um „Image“ und um Macht. Der Einzelne würde nur noch über eine Logik des Kapitalismus angesprochen werden.

Wir würden zu Zombies zerfallen, die „willenlos“, gelenkt über eine öffentliche Meinung, umherirren. Nur einige Wenige mit „Durchblick“ wehren sich gegen diesen Zombiekapitalismus. Alles ist irgendwie völlig kaputt und doof. Nur, keiner hört auf diese „Helden“.

Synthese

Beide Thesen beschreiben den selben vermeidlichen Endzustand der Gesellschaft. Nur die Grundannahmen bilden Pole. Nur der Weg dorthin unterscheidet sich.

Man kann auf die Frage, was man denn Fremden Menschen schulde aber auch antworten: „kommt drauf an“. 

Es gibt keine klare, keine allgemeingültige Antwort. Ja, wenn wir alle unseren Grips (immer) anwerfen würden, gäbe es viele Konflikte gar nicht.   Viele Konflikte entstehen aus Bequemlichkeit: anstatt mich mit dem Gegenüber auseinanderzusetzen, sollen das Andere tun (Gerichte, Behörden…) Können wir sagen: weil es den Staat und seine Institutionen gibt, sind wir bequem und schalten den Grips aus? Sollten wir nicht eher sagen: weil wir bequem sind und den Grips ausschalten wollen, gibt es die Anderen!

Können wir sagen: folgt alle einer bestimmten Idee und alles wird gut?  Sollten wir nicht eher sagen: wenn wir auf eine bestimmte Idee (deren Vertreter) vertrauen, kann gar nicht alles gut werden!

Ich bin der Letzte, der sagt: der Staat ist ein super Moderator, Interessen gleicht er immer angemessen aus. Das kann er nämlich gar nicht! Aber irgend eine Instanz muss moderieren! Weil bestimmte Gruppen über mehr Geld, Wissen und Kontakte verfügen als ihr Gegenüber entsteht ein Ungleichgewicht. Man kann hier entgegnen: der Staat hat in der Vergangenheit dieses Ungleichgewicht über Gesetze usw. geschaffen. Warum sollte der Täter seine „Verbrechen“ rückabwickeln (können)? Gutes Argument, nur was dann? Warum sollten diejenigen, die mehr haben (von sich aus) auf Idee kommen: jetzt machen wir mal einen vernünftigen Interessensaugleich mit dem Gegenüber. Vielleicht wissen sie im Geheimen sogar, dass das Gegenüber  über den „Tisch zu ziehen“. falsch ist. Warum sollte der Täter seine „Verbrechen“ rückabwickeln (wollen)?

Ich bin der Letzte, der sagt: ist doch alles toll hier! Ja, Menschen werden manipuliert. Wer dies tut, mit welchem Effekt, darüber kann (und soll) man sich streiten. Es ist nicht alles Gold, was glänzt, es ist aber auch nicht alles Pechschwarz! Weder kann ich den Einzelnen aus seiner Verantwortung nehmen, noch kann ich auf eine dritte Instanz „Staat“ vollkommen verzichten.

Hier fängt die Synthese doch erst an. Hier fangen aber auch die Probleme an. Ich biete hier keinen Master-Plan an. Man kann mir Beliebigkeit und Unschärfe vorwerfen. Es ist alles nicht nur Schwarz oder Weiß, es ist grau in mannigfachen Schattierungen! Ich kann keine Zombieapokalypse entdecken. Wohl sehe ich Probleme. Die werden aber nicht gelöst, indem wir uns gegenseitig Worte an den Kopf werfen. Es ist verständlich, dass man das macht, ich tue das sicher auch mal. Aber ich behaupte nicht von mir, das ich weiß, wie was geht. Es ist immer leicht sich abzugrenzen. Es ist schwer zuzugestehen, das man selbst Teil des Problems ist, ob bewusst oder unbewusst.

Da hilft es nichts, wenn man seine Texte rhetorisch gut verpackt, indem man sie mit Zitaten bedeutender Leute auffüllt, indem man darin alles schwarz malt. 

Die Geschichte hat gezeigt, dass Leute mit den besten Ideen an sich, an der Gesellschaft, an der Komplexität der Welt gescheitert sind. Einige haben sogar mächtig Blut an ihren Fingern zu kleben.  

Zombieapokalypse allein reicht eben nicht! 

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4 Antworten to “Dialektik der Zombieapokalypse”

  1. alphachamber Dezember 15, 2013 um 00:31 #

    Hallo!
    In Ihrer “Polemik” vom 7. Dez. schlossen Sie Ihre Antwort zu meinen Kommentaren mit:
    “…Es kommt nicht darauf mehr zu lesen sondern das zu lesen, was einem gefällt…”
    Hoffen Sie nicht auch, dass Ihren politischen Führungskräften nicht nur „Asterix+Obelix“ oder „Feuchtgebiete“ gefällt?

    In Ihrem Vorwort unterstellen Sie mir offensichtlich das Gegenteil von dem, wie Sie sich selbst gerne sehen „was der Leser bei Ihnen entschuldigen mag.“ Also nicht mehr als eine Selbstbeweihräucherung mit umgekehrter Dialektik (wenn Sie mir dieses Fremdwort verzeihen).
    Dazu: Ich respektiere meine Leser dadurch, indem ich ihnen meine besten Gedanken vorlege und in dem höchsten Stil das mir meine Bildung (und das Format eines Blogs) erlaubt. Ich denke nicht, dass man unter seinem Niveau arbeiten sollte, um einer imaginären Gruppe mit einem willkürlichen Durchschnitts-IQ zu gefallen. Die Charakterisierung von Menschen oder Gruppen ist manchmal der Klarheit wegen angesagt – es trifft den wohl, der sich betroffen fühlt.

    Ich zitiere Sie nochmals: „…ich vertrete eine Position, die angreifbar ist, die ein Stück Willkür in sich birgt, die begrenzt ist…“
    Dazu: Demut, (heuchlerische) Bescheidenheit, Ziellosigkeit oder Unentschlossenheit sind keine Tugenden die zu bewundern sind, weil sie Selbstrespekt und den Aufbau von wichtigen Prinzipien ausschließen.

    Ihre „Gegenthese“ und „Synthese“ stellen Sie einige Auffassungen vor, die jeglicher philosophischen Grundlage und Syllogismus entbehren:
    Beispiele:
    1.) „Wenn ich etwas will, dann fehlt es dem Anderen…“
    Wieso denn? Teilen sich z.B. 20 Mill. Bürger einen VW?
    2.) „…er (Staat) muss bestimmte Gruppen bevorzugen. Denn nur dadurch wird die Gesellschaft besser.
    Wo sind Ihre Prämissen zu dieser Behauptung? Eine ungeheuerliche Feststellung.
    3.) “Weil bestimmte Gruppen über mehr Geld, Wissen und Kontakte verfügen als ihr Gegenüber entsteht ein Ungleichgewicht…“
    Welches Gleichgewicht und wo sind die Prämissen dafür, dass ein Gleichgewicht wünschenswert sei?

    Glauben Menschen Ihren Alters wirklich, dass sie dem Staat „gehören“ und dieser Ihnen willkürlich festgelegten Notwendigkeiten des Lebens schuldet? Und, dass Ihre Produktivität auf dem Niveau des kleinsten gesellschaftlichen Nenners gedrosselt bleiben muss, damit sie den weniger Erfolgreichen nicht „entwürdigt“? Dann wären meine Essays bei weitem nicht pessimistisch genug.

    Nette Grüße

    • marien86 Dezember 15, 2013 um 14:52 #

      Hallo alphachamber,

      was Andere meines Alters „Glauben“ oder meinen vermag ich weder zu wissen oder zu beurteilen.

      Behauptung 2 ist in der Tat eine ungeheuerliche Behauptung. Die Gegenthese spiegelt nicht alle meine Ansichten wieder.

      Wie ich schon mal geschrieben habe, es sind sehr schlechte Zeiten für Ihr Denkgebäude. Ich hoffe, Sie finden noch ein wenig Schlaf. Denn aus Ihrer Sicht wird alles noch viel schlimmer werden. Jene Zombies des Staates werden weiter umherwandeln und noch mehr Willkür verbreiten.

      Und Ihr dagegen Anschreiben wird nichts nutzen. Denn die Leute werden Anderen folgen. Aber Sie schreiben ja gar nicht für diese Anderen (die Leute). Irgendeiner muss es ja dennoch tun, nicht wahr? Sie können gar nicht so viel Pessimismus auftreiben, wie Sie noch brauchen werden. Wir stehen gerade erst am Beginn der Zombieapokalypse, wenn Sie mir dieses popkulturelle Wort gestatten. Ich wünsche Ihnen die Kraft dies durchzuhalten. Oder ist dieser Satz schon wieder Heuchlerei? Schließlich kann die Vernunft doch genug Motivation liefern, oder?

      Bei den Asterix-Comics und den Politikern haben Sie mich in der Tat erwischt! Ich lese für das Studium auch Bücher, die ich unter anderen Umständen nicht lesen würde. Macht aber nichts: Lehrjahre sind keine Herrenjahre.

      Gruß, David Marien

      • alphachamber Dezember 15, 2013 um 15:11 #

        Mit Respekt, ich hatte mich auf mehr Substanz gefreut.
        Meine Situation und Absichten schätzen Sie total falsch ein. Mir ist es Wurst, ob der Deutsche in einer selbstbestäubenden, gleichgeschlechtlichen, gleichverdienenden und gleichdenkenden karamelfarbigen Masse aufgeht – oder sich vor lauter Toleranz und Emanzipation als nächstes eine Kopftuch-tragende, lesbische Kanzlerin anwählt. Ich bin Hong Konger Bürger und werde nach einiger Zeit wieder in Ländern pluralistischer Diskrimination leben.
        Es ist wahr: jeder Bürger hat die Regierung die er verdient.
        Es ist Ihr Blog und ich belasse Ihnen das letzten Wortes.

      • marien86 Dezember 15, 2013 um 15:44 #

        Mit Respekt, alphachamber, mit Ihnen kann ich einfach nicht mithalten. Das gebe ich ihr ganz offen zu. Hätte ich Ihnen mehr Substanz geliefert, hätten Sie mich auseinandergenommen, wie der Schlachter die Kuh. Ihnen sind doch sicher meine Argumente bekannt. Es gibt sicher auch gute Gegenargumente. Mir fehlt schlicht Zeit und die Motivation, Argumente zu suchen, zu arrangieren und durchdenken. Das bräuchte ja eine inhaltliche Diskussion. Auch kommt dazu, dass wenn man etwas mit Überzeugung vertritt, es sehr schnell persönlich werden kann. Das tut keiner Diskussion gut. Wir sind alle nur Menschen, die dann und wann, ihren Emotionen erliegen.

        Es ist wahr: jeder Bürger hat die Regierung die er verdient.

        Eine Frage aus Neugierde: sind Sie als Bürger Hong Kongs auch Bürger der VR China. Wenn nicht: in wie weit äußert sich die Verbandelung mit der VR? Es ist sicher spannend und lehrreich eine völlig andere strukturierte Gesellschaft zu „erfahren“.

        Gruß, David Marien

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