Zufall und Zukunft

18 Jan

Hallo alle Miteinander,

nichts scheint so interessant wie unsere Zukunft. Harald Lesch kümmert sich in dieser Sendung um die Frage, ob sie denn überhaupt existiert?

Zukunft ist Zufall.

Ich verstehe ihn so, dass Zukunft ist, wenn wir eine Veränderung erwarten (dürfen). Vergangenheit wäre demnach die Abfolge abgeschossener Veränderungen. In der Gegenwart wissen wir, das etwas passiert. Diese Veränderung können wir nicht wahrnehmen, sie geschieht ja gerade. Wir wissen, das ein Auto fährt. Dieses Wissen ergibt sich aus der Vergangenheit und Zukunft des Autos. Wir haben gesehen woher es kommt. Wir prognostizieren, wohin es unmittelbar fahren wird. Was aber nun die Gegenwart des fahrenden Autos ist, ist unklar. Man kann jetzt bestimmte Zeitspannen als Gegenwart definieren. Wenn das Auto war, wird es in (nächster Zukunft auch) ein Auto sein. Deshalb ist das Auto. Man benötigt Vergangenheit und Zukunft, auch wenn diese nur eine Millisekunde anhält.

Wir wissen das Dinge passieren werden, wir wissen, das Zukunft sein wird. Wissen, ganz im Sinne von: „das ist Gesetz“. Wir wissen auch, das Verkehrsunfälle, der Abbau von Arbeitsplätzen und Beziehungstrennungen in der Zukunft passieren werden. Auch dies „ist Gesetz“. Was wir nicht wissen können ist: werden wir Opfer von Verkehrsunfällen werden, werden wir unseren Job verlieren, wird unsere Partnerschaft halten? Nun berechnen Mathematiker eifrig Wahrscheinlichkeiten für alles Mögliche. Nur: Wahrscheinlichkeiten geben eine Tendenz an, und keine in Stein gemeißelte Wahrheit.

Zum Glück herrscht kein blankes Chaos im Universum. Lesch sagt so schön, dass die Naturgesetze Ordnung ins Universum (und auf unseren Planeten) bringen. Auch im Miteinander können wir von einer (gewissen) Stabilität sozialer Normen ausgehen. Begrüßungsrituale, Sprache und Kultur sind so stabil, dass sie Handlungsspielräume eröffnen. Sie verändern sich aber auch und verändern Handlungsspielräume. Wenn ein bestimmtes Vokabular Teil der Alltagssprache wird, belohnt es diejenigen, die erlernen und verinnerlichen. Diejenigen, die es nicht erlernen, (ältere Menschen und Anglizismen etwa) werden, ein Stück weit, bestraft. Und wenn es nur ein schiefer Blick ist.

Welche Worte Teil einer Alltagssprache werden, wie sich Begrüßungsrituale verändern, ist eben nicht mathematisch exakt vorhersagbar. Nur weil Naturgesetze, für sich genommen, mathematisch exakt berechenbar sind, bedeutet dies noch lange kein vollständig prognostizierbares Universum. Wellen, also die Dynamik von Flüssigkeiten, lassen sich nicht genau berechnen (auch wenn dieser Kasache es meint zu können). Die Kombination von verschiedenen Naturgesetzen, die z. B. Wellen produzieren, schafft ein auf lange Sicht gesehen chaotisches Universum. Prognosen über die Zukunft der Welt und des Universums basieren auf Modellen mit bestimmten Annahmen. Da passen chaotische Systeme nicht so gut rein.  Zukunft ist Zufall, weil wir sie gar nicht exakt mathematisch berechnen können. Zufall bedeutet nicht, das automatisch alles überall passieren kann. Naturgesetze, Evolution und soziale Normen mildern den Zufall auf ein erträgliches Maß ab. Dennoch bestimmt er unser Leben, mal mehr mal weniger. Er wirkt jeden Tag.

Zufall und Politik

Politiker haben einen, meiner Meinung nach, einen nicht beneidenswerten Job. Sie müssen uns in Sicherheit wiegen. Politiker müssen mit der Zukunft umgehen, sie müssen und sollten Annahmen über eine „gute Zukunft“ treffen.

Es gibt aber keine 100%ige Sicherheit. Der Umgang mit Zukunft und Zufall ist sehr schwierig. Wie soll man da Annahmen über eine „gute Zukunft“ treffen, ohne sich beim Wähler die Finger zu verbrennen? Wir erliegen dem Eindruck absolute Sicherheit sei herstellbar. Ist sie aber nicht. Selbst wenn diese aufgeblähte NSA einige Terroranschläge verhindern könnte, alle wird sie nicht verhindern können. Sie kann keine Welt vollständig vorhersagen. Mit ihren ihrem Apparat und ihren Möglichkeiten steigt die Gefahr des Missbrauchs und der Fehlentscheidungen. Ganze Planwirtschaften sind daran gescheitert, dass Wirtschaft sich nicht vollständig vorausplanen lässt. Politik kann mit Zukunft und Zufall umgehen, den Zufall kann sie nicht abschaffen!

Individuum und Zufall

Was heißt das jetzt für den Einzelnen? Einerseits können und sollten wir von der Politik erwarten, dass sie den Zufall abmildert. Wenn ich arbeitslos werde, fängt mich das soziale Netz auf. Arbeitsmarktpolitik und Wirtschaftspolitik soll das Risiko mindern überhaupt arbeitslos zu werden. Eine Gesellschaftspolitik soll eine Wirtschaftspolitik dabei unterstützen,nicht arbeitslos zu werden.

Andererseits liegt es an uns selbst. Wenn die Leute ihre Schreibwaren beim Discounter, und nicht beim Schreibwarenhändler kaufen hat dies Konsequenzen. Wir haben ein paar Cent gespart, diese wären in der heimischen Volkswirtschaft von Nöten, Kleinvieh macht eben auch Mist. Es liegt eben auch an unserem Konsum, unserem Verständnis von Sicherheitspolitik und unserer „Idee eines Miteinanders“, wie stark Zufälle wirken. Geben wir den Politikern die Chance ehrliche Politik machen zu dürfen. Stellen wir ihnen eine starke Zivilgesellschaft zur Seite, die ihr Wirken ergänzt! Machen wir uns bewusst, dass Zufälle und die Zukunft auch neue Möglichkeiten bringen!

Gerade weil sich Zukunft nicht exakt prognostizieren lässt, ist das scheinbar Unmögliche doch möglich. Wenn nichts tun, werden keine unserer Erwartungen eintreffen. Dies ist ein Gesetz! Wenn wir etwas tun, ist es nur, mehr oder weniger, unwahrscheinlich, dass unsere Erwartungen nicht eintreffen werden. Zufall und Zukunft ermöglichen erst, dass wir für  unsere Erwartungen eintreten können. In einer exakt prognostizierbaren Welt ist genau definiert ob unsere Erwartungen eintreffen werden oder nicht. Wir wären lediglich Zahnräder, und müssten dies bleiben, weil es mathematisch festgestellt wurde. Wir wären passiv!

Zufall und Zukunft machen das Leben erst spannend und eröffnen Möglichkeiten.  Nutzen wir sie! Seien wir aktiv!

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