Archiv | Februar, 2014

Tweets der KW 7 (2014)

15 Feb

Hallo alle Miteinander,

hier meine Tweets aus dieser Woche @dmhadf:

#Begriff: #Volksmehr bei WP http://de.wikipedia.org/wiki/Volksmehr #Mehrheit der gültig stimmenden Personen in einem Schweizer  fakultativen Referendum

#Person: Toni Brunner bei WP http://de.wikipedia.org/wiki/Toni_Brunner einflussreicher Schweizer Politiker der #SVP, #gegenmasseneinwanderung

#Kommunalpolitik:  Kritik an Krampnitz-Plänen in #Potsdam http://www.pnn.de/potsdam/827212/ Was wird aus der ehemaligen Krampnitz-Kaserne?

#Meinung: Eine Zäsur für die #Schweiz http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/eine-zaesur-fuer-die-schweiz-1.18239317 Was die #Volksmehr bei der letzten Volksinitiative bewirkt. #Einwanderung

#Begriff: #Kurantmünze bei WP  http://de.wikipedia.org/wiki/Kurantm%C3%BCnze Münze, die durch ihren Metallwert gedeckt ist. Nicht mehr verwendet #Geld

#Organisation: #Reichsbank (im dt. Reich) bei WP http://de.wikipedia.org/wiki/Reichsbank Zentralnotenbank des dt. Reiches, wurde von privaten finanziert.

#Kommunalpolitik: Neue (alte) Schule in #Hennigsdorf geplant http://www.moz.de/heimat/lokalredaktionen/hennigsdorf/hennigsdorf-artikel/dg/0/1/1245986/ Vorbereitungen laufen, einige Fragen ungeklärt.

#Medien: Die teuerste Goldmünze der Welt im Estrel #Berlin http://www.berliner-zeitung.de/berlin/eine-tonne-pures-gold-die-teuerste-goldmuenze-der-welt-im-estrel,10809148,26122126.html Wohl mehr #Marketing als #Münze. #Geld #Wert

#Begriff: #Wahlmonarchie bei WP http://de.wikipedia.org/wiki/Wahlmonarchie Wenn die #Monarchie durch #Wahl bestimmt wird #Politik #Soziologie

#Person: Max Gluckman bei WP http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Gluckman  Ethnosoziologe, der sich mit der #Wahlmonarchie beschäftigt hat #Soziologie

#Kommunalpolitik: Unterschriften gegen die Garnisonkirche in #Potsdam http://www.pnn.de/potsdam/828683/  fünftes #Bürgerbegehren, seit der #Wende

eigene #Meinung:Von Irritationen & großer #Wut https://dmhdf.wordpress.com/2014/02/15/von-irritationen-und-groser-wut/ #Genmais, 1 weitere Politiker-Krise & Unverständnis – alles wie immer

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Von Irritationen und großer Wut

15 Feb

Hallo alle Miteinander,

ich bin irritiert. Der Genmais 1507 wurde diese Woche das Gesprächsthema. Im EU-Ministerrat konnte bei der notwendigen Abstimmung keine qualifizierte Mehrheit gegen die Zulassung dieser Maissorte erreicht werden.

In der phoenix Runde vom 13.02.2014 diskutierten Befürworter und Gegner das Thema, soweit, so gut. Mein Problem, nicht nur bei dieser Sendung, war, dass Meinung und Gegenmeinung, Fakt und Gegenfakt, Lüge und Wahrheit (aus der Perspektive des jeweils Anderen) aufeinander trafen. Als Laie habe ich gar keine Chance, hier irgendetwas Fassbares zu finden. Ich müsste wahrscheinlich ein paar Semester Biologie/Gentechnik studieren, um die Fakten erfassen und gewichten zu können. Aber wir können doch nicht alle Biologie, Sozialwissenschaften, Physik und Wirtschaftswissenschaften studieren, um Entwicklungen in der Welt zu begreifen.

Nun gibt es ja Leute, die übernehmen diese Erfassung und Gewichtung vornehmen. Fachjournalisten, Lobbyvertreter und NGO-Vertreter tun ja genau dies. Auch in der phoenix Runde waren jeweils Vertreter aus diesen Gruppen eingeladen. Dennoch gibt es diese Meinungsunterschiede, wir müssen immer noch entscheiden, wem wir mehr trauen. Ist es denn so das Greenpeace (ausschließlich) für das Gute ™ kämpft? Sind Lobbyisten, an sich, böse? Ich habe keine Lust, mich auf dieses Schwarz-Weiß-Denken einzulassen. Doch am Ende scheint es genau darauf hinauszulaufen.

Wenn Holger Klein und Florian Freistetter in diesem Podcast argumentieren, dass es gar keine Studie gibt, die die Gefährlichkeit von genmanipulierten Nahrungsmitteln nachweist,  dass die die Diskussion vor allem hysterisch geführt werde, habe ich auch nichts gewonnen. Sicher, gerade bei solchen Diskussionen gibt es immer ein Erregungspotential. Und nun? Ich weiß immer noch nicht, wie ich mich entscheiden soll? Also doch Gentechnik studieren?

Aber es gibt ja noch etwas, von dem ich (ein wenig) Ahnung habe: Politikwissenschaft. Und wir kriegen diese Woche eine handfeste Krise. Ja, das große Wort Krise trifft es ganz gut, finde ich. Ein ehemaliger Bundesverfassungsminister plaudert Amtsgeheimnisse an Unbefugte aus. Er findet dies „politisch und juristisch korrekt“. Ich, als kleiner Praktikant in einer Behörde, musste unterschreiben, dass ich nichts aus der Behörde nach außen tragen soll. Dabei ist unerheblich, ob etwas (strafrechtlich) relevant ist oder nicht. Alles, was für die Arbeit einer Behörde auch nur die kleinste Bedeutung hat, soll in ihr verbleiben. Was für mich galt, gilt erst recht für Amtsträger. Hans-Peter Friedrich kann also gar nicht „juristisch korrekt“ gehandelt haben! Er hat auch nicht dafür gesorgt, dass die Bundesregierung reibungslos arbeiten kann. Im Gegenteil: durch sein Fehlverhalten hat er Reibung erzeugt, man hätte diese Energie sinnvoller nutzen können. Mit „Politischer“ Korrektheit war es also auch nichts.

Nun wäre es aber unfair, hier nur einer Person die Schuld zuzuschieben. Die Öffentlichkeit weiß doch noch gar nicht, wer, wann, was getan und gesagt hat. Ich finde, wir haben es hier deshalb mit einer Krise zu tun, weil hier der Staat infrage gestellt wird. Wiegt ein (vermeidlicher) guter Start einer Koalition mehr als Recht und Gesetz? Wie wichtig ist die Gewaltenteilung? Wurde nicht zumindest der Anschein erweckt, wer ranghohe Freunde hat, muss nicht viel befürchten? Allein, dass ich mir diese Frage stellen muss, macht mich wütend. Ich habe, auch hier im Blog immer versucht ein realistisches Bild von der Politik zu zeichnen. Es sind nicht nur Menschen, sondern auch Systeme, die Politik bestimmen. Was soll ich eigentlich den Leuten erwidern, wenn sie sagen, „die Politik macht was sie will“? Wo ist hier der gesunde Menschenverstand geblieben?

Ich glaube, hier wurde nicht mal richtig darüber nachgedacht. Ja, das ist menschlich und passiert halt. Aber Gedankenlosigkeit schützt vor Strafe nicht. Nur das die falschen bestraft werden: diejenigen, die stets weitsichtig und integer gehandelt haben. Es gibt nun ein weiteres Mosaiksteinchen dieses „System“ infrage zu stellen.

Einfach nix ausplaudern, manchmal gibt es echt klare Regeln. Auch die machen nicht immer alles besser. Aber ich bin ja sowieso für mehr Einfachheit.

Tweets der KW 6 (2014)

9 Feb

Hallo alle Miteinander,

hier meine Tweets aus dieser Woche @dmhadf:

#Begriff: #Trinkwassernetz bei WP http://de.wikipedia.org/wiki/Trinkwassernetz wichtige #Infrastruktur in gegenwärtigen Gesellschaften Wem soll sie gehören?

#Organisation: Wasser- und Bodenverband bei WP http://de.wikipedia.org/wiki/Wasser-_und_Bodenverband nehmen Aufgaben der #Wasser- und Bodenwirtschaft in der #BRD wahr.

#Kommunalpolitik: Pro #Velten sieht sich ausgegrenzt http://www.moz.de/heimat/lokalredaktionen/hennigsdorf/hennigsdorf-artikel/dg/0/1/1241243/ #Rathaus vs. #Verein, wer hat Recht? #Engagement

#Medien: schon ein bisschen Klimawandel wäre eine Katastrophe (für die #Wasserversorgung) http://green.wiwo.de/wasserversorgung-schon-ein-bisschen-klimawandel-waere-eine-katastrophe/ #Technik #Leben

#Begriff: #Bibliothek bei WP http://de.wikipedia.org/wiki/Bibliothek eine wichtige Dienstleistungseinrichtung, schon seit Jahrtausenden… #Wissen

#Person: Johann Amos Comenius bei WP http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Amos_Comenius war #Philosoph, Theologe & Pädagoge. Prägte #Begriff „#Bücherei“ #Wissen

#Kommunalpolitik:  Wartezeit auf das Elterngeld in Potsdam erneut gestiegen http://www.pnn.de/potsdam/825310/ Personalmangel schuld #Verwaltung

#Medien: Readfy startet Testbetrieb http://www.rhein-zeitung.de/nachrichten/netzwelt/multimedia_artikel,-E-Book-Flatrate-Readfy-startet-Testbetrieb-_arid,1103111.html Wie erfolgreich wird dieses Modell der digitalen #Bibliothek werden? #Kultur

#Begriff: #Raumordnungsregion bei  WP http://de.wikipedia.org/wiki/Raumordnungsregion eine funktionale (und politische) #Gliederung des #BRD-Gebietes #Planung

#Organisation: Gem. Landesplanungsabteilung von Berlin & Brandenburg http://gl.berlin-brandenburg.de/index.html Hier als wichtiger Akteur i. d. #Raumordnung

#Kommunalpolitik: Paul Niepalla als Spitzenkandidat in #Velten http://www.moz.de/heimat/lokalredaktionen/hennigsdorf/hennigsdorf-artikel/dg/0/1/1245249/ Auf in den Kommunalwahlkampf! Und S-Bahn-Anschluss?

#Medien: „Vernetzte Bürgerschaft“ im Spreewalddreieck als Teil des Modellvorhabens der #Raumordnung http://www.lr-online.de/regionen/luebbenau-calau/160-000-Euro-fuer-vernetzte-Buergerschaft-im-Spreewald-Dreieck;art13825,4449324 #Politik

eigene #Meinung: Von Zukünften und Folgen https://dmhdf.wordpress.com/2014/02/09/von-zukunften-und-folgen/ #Technikfolgenabschätzung, #Politik & #Zukunft, eine heikle Mischung.

#Medien: Armin Grunwald und die Zukünfte https://resonator-podcast.de/2014/res025-armin-grunwald-und-die-zukuenfte/ Resonator-#Podcast #25. Relevant in meinem #Blogartikel #Zukunft #Technik

Von Zukünften und Folgen

9 Feb

Hallo alle Miteinander,

in der 25. Folge des Resonator-Podcasts geht es um Technikfolgenabschätzung und Technikphilosophie. Armin Grunwald, der Gast dieser Sendung, ist Professor für Technikphilosophie am Karlsruher Institut für Technologie. Als Leiter des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag hat er natürlich besonders mein Interesse geweckt.

Dabei erschien mein ein Aspekt seiner Arbeit besonders interessant: Politiker interessieren sich vor allem für, die eine, prognostizierbare Zukunft. Dem hält Grunwald entgegen, dass es weder die eine Zukunft gibt noch das sie prognostizierbar ist. Widerspricht er hier nicht seinem Arbeitsauftrag? Ich denke Nein!

Die Ungewissheit handhaben können.

Grunwald stellt dar, dass man mit einer wissenschaftlichen Arbeitsweise sehr wohl Aussagen über Zukunft treffen kann (und muss). Die Frage ist hier: welchen Wert schreiben wir diesen Aussagen zu? Halten wir diese Aussagen für gewiss und richten wir ganz streng unsere weiteren Handlungen danach aus? Oder halten wir diese Aussagen für wahrscheinlich und richten unsere Handlungen flexibel aus und überprüfen (im weiteren zeitlichen Verlauf) wie genau die Aussagen die (vergangene) Zukunft beschrieben haben? Ober ignorieren wir wissenschaftliche Aussagen über die Zukunft und handeln immer opportunistisch? Grunwald und ich plädieren für die mittlere Variante. Wissenschaft definiert keine Dogmen, sie definiert aber auch keine Nutzlosigkeiten: Wissenschaft soll Handlungsempfehlungen für die Gesellschaft bereitstellen. Dementsprechend soll Technikfolgenabschätzung Ungewissheit handhabbar machen. Wenn wir etwas in den Händen halten können, kann es uns entgleiten, wir haben aber etwas, mit dem wir „arbeiten“ können. Wenig ist eben mehr als nichts!

Sich vielen verschiedenen Ungewissheiten stellen können.

Im Rahmen seiner Beratungstätigkeit präsentiert Grunwald häufig 3 Szenarien zu einer möglichen Entwicklung eine Technologie: ein worst-case-Szenario, ein middle-case-Szenario und ein best-case-Szenario. Jedes dieser Szenarien enthält unterschiedliche Annahmen und Modelle, wie sich eine Technologie auf die Gesellschaft auswirken kann. Grunwald erzählt, dass er bei seinen Präsentationen häufig gefragt wird, welches Szenario wohl das wahrscheinlichste sei. Diese Frage kann er eigentlich doch gar nicht beantworten! Klar, er könnte sein Bauchgefühl, seine Intuition zu Rate ziehen! Er könnte vergangene Entwicklungen in Zukunft fortschreiben! Beide Herangehensweisen liefern Antworten, nur, sind diese auch hilfreich? Ich kann mit Bauchgefühl und/oder Statistiken Lotto spielen, die Gewinnwahrscheinlichkeit bleibt gleich.

Es scheint für Menschen sehr schwierig zu sein, sich  verschiedenen Ungewissheiten stellen zu können. Immer wollen wir kategorisieren und priorisieren. Sich um eine Angelegenheit zu kümmern ist schon fordernd genug.

Politik in der Falle.

Jetzt kann man wieder auf die Politiker einhauen: sie sollen sich mehr um Inhalte kümmern, sie sollen „neutraler“ und mit geweiteten Blick auf zukünftige Entwicklungen schauen!

Sich um Inhalte zu kümmern ist immer eine gute Sache, ganz klar. Aber dafür hat man die Fachleute. Politiker müssen Inhalte kategorisieren und priorisieren. Aber was ist, wenn man Zukünfte nicht kategorisieren und priorisieren kann? Natürlich soll man da nicht den Kopf in den Sand stecken und alles ignorieren. Die Wähler erwarten klare Ansagen. Irrtümer werden nicht gutiert! Von ihnen wird auch erwartet, dass sie durch ihre parteipolitische Brille scheuen. Wie stark diese Brille sein soll, das ist eine andere Geschichte. Diese Brille ist und bleibt relevant.

Man darf auch nicht vergessen: Abgeordnete sind für vier Jahre gewählt, nicht für vierzig! Was aus demokratietheoritscher Sicht gut ist, durch regelmäßige Wahlen politische Kräfte neu gewichten, ist aus Sicht der Technikfolgenabschätzung eher kontraproduktiv. Der kurzfristige Erfolg wird vom Wähler gutiert. Wer kann schon Zeiträume von vierzig Jahren erfassen?

Der Umgang mit verschieden Möglichkeiten der Zukunft ist und bleibt schwierig. Die immer höhere Beschleunigung von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft macht es immer schwieriger Folgen abzuschätzen. Zukunft und Ungewissheit bleiben ein eng verbundenes Paar. Paradoxerweise, gerade in einer Zeit, wo man alles detailliert voraussagen möchte.

 

Tweets der KW 5 (2014)

1 Feb

Hallo alle Miteinander,

hier meine Tweets aus dieser Woche @dmhadf:

#Begriff: #Elektrodynamik bei WP http://de.wikipedia.org/wiki/Elektrodynamik Teilgebiet in der #Physik, das wichtige Erkenntnisse hervorgebracht hat

#Person: James Clerk Maxwell bei WP http://de.wikipedia.org/wiki/James_Clerk_Maxwell Schottischer Physiker, der Grundlagen u. a. der Elektrizitätslehre erarbeitete

#Kommunalpolitik:  Paffhausen will ins Stadtparlament in #Potsdam http://www.pnn.de/potsdam/822887/ Solche Personen erwecken nicht gerade #Vertrauen

#Medien: #Einstein-Mobil in #Jessen erklärt die Spezielle #Relativitätstheorie http://www.mz-web.de/jessen/angebot-fuer-oeffentlichkeit,20641004,25976370.html So soll #Schule sein! #Elektrodynamik

#Begriff: #Serendipität http://de.wikipedia.org/wiki/Serendipit%C3%A4t Vom glücklichen Zufall, der auch Informationswissenschaftler beschäftigt. #Wissenschaft

#Organisation: Gesellschaft für Sprachtechnologie und Computerlinguistik bei WP http://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaft_f%C3%BCr_Sprachtechnologie_und_Computerlinguistik Von der Information zur #Technologie

#Kommunalpolitik: Nur der halbe Ort in Malz kommt ans Netz der Schmutzwasserentsorgung http://www.moz.de/heimat/lokalredaktionen/oranienburg/oranienburg-artikel/dg/0/1/1241285/ Wenn das #Geld knapp ist!

#Medien: The Three Princes of Serendip bei WP (EN) http://en.wikipedia.org/wiki/The_Three_Princes_of_Serendip Aus dieser #Geschichte leitet sich #Begriff der #Serendipität ab.

#Begriff: #Filmwissenschaft http://de.wikipedia.org/wiki/Filmwissenschaft Wie kann eine bessere Entwicklung und Konzeption von Filmen entwickelt werden #Kunst

#Person: Sergei Michailowitsch Eisenstein bei WP http://de.wikipedia.org/wiki/Sergej_Eisenstein  sowjetischer Regisseur, arbeitete theoretisch & praktisch #Film

#Kommunalpolitik: Golmer gegen die Freileitung http://www.pnn.de/potsdam/824023/ 3,5 Mio € Mehrkosten für eine unterirdische Stromtrasse #Potsdam

#Medien: ein filmwissenschaftlicher #Diskurs rund um das Wörtchen “Fuck” http://sz-magazin.sueddeutsche.de/blogs/nummereins/4065/die-nummer-eins-der-schimpfworter-fuck/ Das etwas andere Stilmittel #Kunst

eigene #Meinung: Der letzte Gang. https://dmhdf.wordpress.com/2014/02/01/gang/ Eine #Kurzgeschichte über die Uni, #Ungewissheit und mehr #Kultur #Lebensabschnitt

#Memo: ob ich, mit steigendem Alter, ängstlicher werde und vermeidlicher #Sicherheit suchen werde? #Angst #Lebensabschnitt

Der letzte Gang.

1 Feb

Er steigt aus dem Zug. Vor seinen Augen befindet sich das Uni-Gebäude, gegenüber dem Bahnhof. Unscheinbar, aber nicht übersehbar, schmucklos aber nicht klobig, einladend aber nicht aufdringlich. Er hat sich an das Gebäude gewöhnt. Es hat ihn jahrelang beherbergt. Es war Ort der Langeweile, der Lästigkeiten, der schieren Laberei. Es war aber auch ein Ort des Lebens, der Lebenslust, der lehrreichen Stunden. Menschen gehen in das Gebäude, Menschen treten aus. Sie rauchen und erzählen. Sie lachen und diskutieren. Fachbegriffe schwirren durch die Luft. Allerlei Belanglosigkeiten mischen sich mit allerlei Gehaltvollen.

Nachdem er die Eingangstür durchschritten hat, wird ihm der Trubel erst bewusst. Menschen in Massen bewegen sich. Ob Punk oder Anzugträger, ob graue Maus oder bunter Vogel, sie alle ziehen vorbei. An der Kaffeebar stehen sie an, ob Dozenten, Professoren, Mitarbeiter oder Studenten. Das Verlangen nach Kaffee eint sie alle. Er erblickt bekannte Gesichter, er sortiert sie, er kategorisiert sie. Erinnerungen steigen in ihm auf. Mit wem hat er welche Seminare besucht?

Er kommt nur langsam voran. Die dichte Masse bremst ihn. Die Hörsäle streifen an ihm vorbei. Er weiß, welche Veranstaltungen mit welchen Dozenten dort stattfinden. Er kennt deren Ziele. Ihm ist es klar. Was er warum getan hat, was er weshalb gelernt hat, das kann er genau begründen. „Alles hat seinen Sinn“ denkt er sich.

Der Flur zum Prüfungsamt sieht aus wie eh und je. Dicht gedrängt sitzen  die Menschen und warten. Weitere Menschen treten ein, der Raum füllt sich. Einige beschweren sich über diese Bürokratie, über Prinzipienreiterei, über mangelnde Flexibilität. Einige sind den Tränen nahe. Es stehen wohl wichtige Entscheidungen an. Beruhigende Worte treffen auf aufgeregte Seufzer. Er setzt sich hin und wartet. Er weiß, dass es noch dauern wird. Gelassen kramt er sein Buch aus der Tasche und beginnt zu lesen. Doch konzentrieren, das schafft er nicht. Er kann dem Buch nicht folgen. Er fragt sich, was ihn ablenkt? Eine Antwort will sich nicht finden lassen. Nervosität steigt auf. Ist es nur die Ungeduld oder die mangelnde Konzentrationsfähigkeit? Die Zeit fließt gemächlich vorbei. Er starrt vor sich hin. Sein Zeitgefühl schwindet dahin. Seine Nervosität steigt weiter an. Auf einmal wird er herausgerissen. Sein Name wird gerufen. Die Sachbearbeiterin bittet ihn in das Büro.

Die Frau und er halten Smalltalk. Ob er den schon etwas in Aussicht habe, will sie wissen. Nein, noch nichts konkretes antwortet er mit fester Stimme. Das ist ja nichts ungewöhnliches erwidert sie. Ein Zeitabschnitt für Sie geht zu Ende, resümiert die Frau. Ja, das gehört dazu, so seine Replik. Beide erledigen  die Formalitäten. Zum Schluss überreicht sie ihm das Zeugnis. Er bedankt sich höflich, verabschiedet sich und verlässt zügig  das Büro.

Mit flottem Tempo durchläuft er das Gebäude. Es ist Niemand mehr da. Die Vorlesungen sind im vollen Gang. Lediglich die Stimmen der Dozenten schallen zu ihm rüber. Es gibt nichts mehr, wo er seinen Blick hin lenken könnte. Die Worte der  Dozenten sind zu leise, als dass er sie verstehen könnte. Seine Nervosität steigt weiter an. War die Vergangenheit und Gegenwart noch klar, so ist seine Zukunft ungewiss. Dieser Gedanke schießt ihm in den Kopf. Sein Herz schlägt schneller, ihm wird mulmig. Er weiß, dass etwas kommen wird, was genau, das vermag er nicht einzuschätzen. Diese Unsicherheit ängstigt ihn. Bisher war doch immer gewohnt, seine Zukunft einschätzen zu können. Diese Gewohnheit gab ihm Sicherheit. Doch das Gewohnte, das Bekannte schwand. Dieses Eingeständnis erzeugt in ihm Angst. Er kann ihr nicht länger ausweichen, er muss sie ertragen.

Er schaut ein letztes Mal auf das Uni-Gebäude. Der Zug ist bereits eingefahren. Alles liegt so friedlich da. Der Wind weht leise. Die Bahnhofsuhr tickt leise vor sich hin. Es ist so, wie es sein soll. Doch wird es sein, wie sein soll? Das mulmige Gefühl hat sich etwas gelegt, verschwunden ist es noch lange nicht. Er steigt in den Zug.

dmhdf, Lizenziert unter CC BY-NC-SA 3.0 01.02.2014