Der Blick auf die Generationen

15 Mrz

Hallo alle Miteinander,

ein Kalenderblatt meines Geschichts-Kalenders beschrieb die „Generation Golf“ als ein kulturelles Deutungsmuster. Ich finde, der Wikipedia-Artikel beschreibt treffender worum es eigentlich geht:

Nach dem Erscheinen des Buches wurde „Generation Golf“, wie Generation X, in Deutschland zu einem Schlagwort, um eine bestimmte Gruppe und ihre Einstellungen zu beschreiben.

Warum bekommt diese bundesrepublikanische Generation der 1970er ihren eigenen Namen und die gleichaltrige Generation, aus der DDR, nicht? Unterscheiden sich meine ostdeutschen Eltern weniger stark von ihren Eltern als sich die Eltern meiner westdeutschen Kommilitonen, von ihren (Groß)Eltern unterscheiden?

Sortieren, was wichtig ist

Die ostdeutsche Generation meiner Eltern hat einen gewichtigen Schatz in die deutsche Kultur einzubringen. Wer Ende der 1980er die marode DDR miterlebt hat, wer Mangelwirtschaft, (vergleichsweise starke) Umweltverschmutzung und eine, sich isolierende, politische Elite ertragen musste, der andere Erfahrungen gemacht. Im Wikipedia-Artikel heißt es:

Illies’ Fazit: Im Gegensatz zur Generation X möchte die Generation Golf nicht mit den ökologischen Folgen des Wirtschaftsbooms kämpfen, sondern den Wohlstand, den ihre Elterngeneration erarbeitet hat, lediglich genießen. Sie verkörpere eine mehrheitlich unkritische, nur nach Konsum strebende „Ego-Gesellschaft“, agiere unpolitisch und sei die erste Generation, die Mode-Orientierung, Hedonismus und Markenbewusstsein zu einem Wert erhebe. Namens- und maßstabgebend ist der Golf von Volkswagen, der eine Kraftfahrzeugklasse repräsentiert, an der sich die Konkurrenzprodukte messen lassen müssen.

Meine Eltern beispw. waren (und sind) auch Mode-orientiert. Sie haben sich auch nach den Jeans und dem Golf aus dem Westen gesehnt. Doch die Probleme in der DDR waren so akut, dass man sich verhalten musste: mein Vater spielte mit dem Gedanken zu fliehen, meine Tante bewegte ich in Kreisen der Opposition, meine Mutter musste sich arrangieren, gerade mit einem schwer-behinderten Kind.

Was hat dies mit „Sortieren, was wichtig ist“ zu tun? Meine ostdeutsche Elterngeneration war sehr früh in ihrem Leben mit der Frage konfrontiert was wichtig ist:

  • arbeitet man für die Stasi (als IM)?
  • wird man Mitglied der SED, damit man bessere (in einigen Bereichen überhaupt) Karrierechancen hat?
  • verlässt man seine Heimat, um drüben ein besseres Leben führen zu können?
  • engagiert man sich in der Opposition, in der Kirche, mit der Gefahr, seine Karrierechancen, gar seine Freiheit zu gefährden?
  • bleibt man neutral und versucht sich durchzuwursteln?

Sortieren wird wieder wichtiger

Ich habe den Eindruck, dass sich meine Gesamtdeutsche Generation bewusst ist, dass auch sie sortieren muss, was wichtig ist. Die Liste der Auswahlmöglichkeiten hat sich verändert:

  • bleibt man neutral und versucht sich durchzuwursteln?
  • engagiert man sich, in welcher Form auch immer, und riskiert viel Zeit und Energie?
  • Gibt man sich, mit dem Weniger, dass die Zukunft einem bringen wird, zufrieden?
  • Welche Verantwortung tragen wir überhaupt für uns und Andere?

All diese Punkte resultieren aus der Erkenntnis, dass es weniger Ressourcen geben wird, die zu verteilen sind. Die Einen nehmen dies schlicht hin. Andere wollen über (in welcher Form auch immer) politische Arbeit die Verteilerschlüssel verändern? Wieder Andere stellen diese Erkenntnis in Frage. Alle sind mit der Frage konfrontiert, was ihre Rolle in der Gesellschaft ist.

Ich denke, selbst bei den Altersgenossen, die das hinnehmen, existiert ein Bewusstsein über das „Weniger werden“. Welche Konsequenzen man aus diesem Bewusstsein zieht, das ist die spannende und schwierige Frage.

Was bleibt.

Meine ostdeutsche Generation hat sich mehrheitlich entschieden, sich dem Modell BRD anzuschließen. Einst gab es ein solches Modell das so attraktiv war. Was ist das Modell, auf dass sich unsere Generation einigen wird? Was ist gleichzeitig attraktiv und nachhaltig? Was ist Status-Quo-verändernd, ohne Andere zu benachteiligen? Wir müssen nicht nur einen Staat reformieren. Eine ganze Gesellschaft muss verändert werden. Dies wird die Konstante, das Erbe für unsere Kinder sein: die ständige Veränderung von allem.

Ich hoffe, das Scheitern, an der ständigen Veränderung, wird nicht allzu schlimm ausfallen.

 

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