Meine Anmerkungen zur Krim-Krise

22 Mrz

Hallo alle Miteinander,

ich weiß, die Welt hat genau auf diesen Beitrag zur Debatte gewartet. Man läuft immer Gefahr (zu sehr) parteiisch zu werden. Außerdem halten sich zu viele für Experten und meinen, dass ihre Aussagen Gewicht hätten. Ich halte mich weder für neutral, noch für argumentativ gewichtig. Darum kann es auch gar nicht gehen. Vielleicht enthält dieser Text einige nützliche und anregende Gedanken, darum soll es gehen.

Mich beschäftigen einige Dinge zu dem Thema:

1. Putin hätte Handlungsalternativen zur Verfügung gehabt.

Die Teilung und das  Ende der Tschechoslowakei zeigt, dass man territoriale Ge bietsveränderungen von Staaten auch friedlich herbeiführen kann. Denr Beitritt der DDR zur BRD ist ein weiteres Beispiel. Das Unabhängigkeitsreferendum in Montenegro 2006, ist das jüngste Beispiel. Damals hatte sich Montenegro von Serbien abgespalten. Wir haben in Europa die Mechanismen, solche Konflikte  zu lösen, die von allen Seiten anerkannt werden. Nun wurde ein Referendum abgehalten, wo 95,5 Prozent der abgegebenen Stimmen sich für eine Wiedervereinigung der Krim mit Russland mit den Rechten eines Subjekts der Russischen Föderation aussprachen. Eine solche Zahl macht mich skeptisch, gerade weil es die Krimtataren, ihrer Geschichte gibt. Das millitärische Vorgehen verschärft die Sache weiter.

2. Die derzeitige ukrainische Regierung ist problematisch

Der interessierte Leser möge sich den Wikipedia Artikel zur Swoboda-Partei durchlesen. Allein, dass diese Partei an der Regierung beteiligt ist, rechtfertigt das Wort „problematisch“. Nun stellt sich die Frage, welche Regierung überhaupt wäre in dieser Situation „legitim“? Keine Regierung wäre das. Revolutionen sind keine geordneten Verfahren, die Regierungen hervorbringen könnten. Allenfalls eröffnen sie Wege für solche Verfahren. Wahlen und Verfassungsänderungen sind solche Verfahren.

3. Der Westen und sein zweierlei Maß

Wie viel ist uns die territoriale Integrität eines Staates wert? Wie stark wollen wir und können wir uns mit Russland anlegen? Wollen wir wirklich mehrere Milliarden Euro in einen Staat Ukraine investieren, dessen Zukunft ungewiss ist? Demokratie ist eine schöne Sache, aber nur wenn sie sich für den Geldbeutel Anderer lohnt. Ich kann verstehen, wenn so mancher Ukrainer sauer ist. Da wird ein Landesteil weggenommen und nichts passiert. Doch wie gesagt: wie sollen wir reagieren?

Jeder hat hier sein Pfund zu tragen. Jeder hängt irgendwie mitdrin. Diese Krise wird nur Verlierer produzieren. Das ist vielleicht das einzig Gerechte.

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6 Antworten to “Meine Anmerkungen zur Krim-Krise”

  1. alphachamber März 23, 2014 um 12:55 #

    Gute Gedanken.
    „1. Putin hätte Handlungsalternativen zur Verfügung gehabt.“
    Der Westen aber auch. Putins Alternativen wurden vom Westen eingeschränkt; die Krise vielleicht sogar eingefädelt. Die Ukraine ist immerhin der Hinterhof von Russland, warum sollten sie das Schach nicht gewinnen.
    „2. Die derzeitige ukrainische Regierung ist problematisch“
    Zu diesem Punkt nichts einzuwenden. Nur, Die Eu und USA sind nicht der Standard – sprechen wir hier von einer anderen Kultur. Es geht hier dem Westen auch nur ums Geld und Einfluss.
    „3. Der Westen und sein zweierlei Maß“
    Gut – bis auf den Satz: „Doch wie gesagt: wie sollen wir reagieren?“
    Wer gibt uns überhaupt die Autorität zu „reagieren“. Erkennt man staatliche Souveränität an, erkennt man auch an dass diese keine Einbahnstraße ist.
    Nette Grüße

    • marien86 März 23, 2014 um 14:46 #

      Hallo alphachamber,

      Wer gibt der russ. Förderation, die Autorität so zu reagieren, wie sie es getan haben? Putin will mit der Krim-Krise Innenpolitik betreiben, was ihm ja auch erfolgreich gelingt. Dafür wurden Verträge gebrochen. (Buderpester Memorandum, ukrainisch-russ. Friedensvertrag). Wäre es ihrer Meinung nach in Ordnung, wenn Putin Teile der ehem. UdSSR wieder in Russland integriert (Stichwort Hinterhof)

      Gruß, David Marien

      • alphachamber März 23, 2014 um 16:08 #

        Marien,
        ich denke die Krim-Krise ist eine direkte Folge der EU Einmischung in die Ukraine und Putin griff den Ball (sicher dankbar) auf. Im Augenblick wurstelt der Westen dort genauso mit ihren Marionetten wie die Russen. Deren Macht und geschichtliche Nähe gibt ihnen die Autorität. Das ist einfach Realpolitik (siehe Indien/Kashmir, China/Tibet, usw.). Putins Argumente mögen “juristisch” nicht gelten, das hielt die USA aber auch nie ab, z.B. in Panama (Operation „Just Cause“) Afghanistan, Iraq, Pakistan, Cuba und für Israel im Bezug auf Libanon und Iran, usw., usw. Recht? Might is right!

        „Wäre es ihrer Meinung nach in Ordnung, wenn Putin Teile der ehem. UdSSR wieder in Russland integriert“
        In Ordnung ist so etwas nie, aber es käme auf die Umstände und die Abläufe an. Der nächste Einmarsch einer Großmacht – irgendwo auf der Welt- kommt bestimmt, da halte ich nicht die Luft an. Ich maße mir keine moralischen Urteile über diese Vorgänge an, weil ich aus Erfahrung weiß, dass es nicht so einfach ist, wie man es im TV sieht.

      • marien86 März 23, 2014 um 17:02 #

        alphachamber,

        ich stimme mit Ihrer Antwort überein. Man kann sicher die Tage zählen, an denen Amerikaner, Russen oder Chinesen irgendwo eingreifen werden, (Völkerrecht hin oder her).

        Gruß, David Marien

  2. alphachamber März 23, 2014 um 17:08 #

    Marien, Danke für die interessante Diskussion.
    Gute Nacht aus Hong Kong.

    • marien86 März 23, 2014 um 18:40 #

      Ich wünsche Ihnen ebenfalls eine gute Nacht.

      Gestatten Sie mir einen Hinweis: entweder reden Sie mich mit meinen Hinternahmen an (Marien). Oder Sie wählen die etwas persönlichere Variante mit dem Vornahmen (David). Machen Sie sich nichts draus, Sie sind nicht der Erste, der meinen Nach- mit dem Vornahmen verwechselt.

      Einen Schönen Abend aus Berlin,

      Gruß, David Marien

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