„Die WM frisst alles auf“

12 Jul

Hallo alle Miteinander,

o. g. Titel ist aus diesem Zeit-Online-Interview entnommen. Der Sportsoziologe Albrecht Sonntag bezieht dort Stellung. Er argumentiert, dass die WM unsere Aufmerksam binde, dass bestimmte Nationalismen dort geweckt würden. Ich finde interessant, dass die meisten Leute dem eventuellen WM-Sieg der deutschen Nationalmannschaft eine starke Bedeutung zuweisen.

Was ist, wenn diese Weltmeister wird? Sind „wir“ Weltmeister? Ändert sich etwas in unserem Leben? Gibt es etwas materiell greifbares, was der WM-Titel uns bringen könnte?

Anstatt über Solidarität und Gerechtigkeit zu reden, fokussiert sich eine ganze Gesellschaft auf dieses Ereignis. Hier geht es um Ehre und nicht um Würde. Würde die WM gewonnen, so würde man dem Team Ehre erweisen. Einige, wenige, hätten etwas besonderes geschafft, das steht außer Frage. Rechtfertigt dies diesen Grad an Aufmerksamkeit? Wenn viele alltägliche bewältigen, ist dies ehrlos? Einer Aufmerksamkeit nicht würdig? Würde sollte Jedem zuteil werden. Sie ist universell. Dieses Ereignis ist es nicht.

Mir geht es nicht darum die Fußball-Weltmeisterschaft (oder andere Ereignisse dieser Art) zu verdammen. Brauchen wir als Gesellschaft 11 Männer, einen Fußball und einen Pokal um uns zu definieren? Ist der Arme und Reiche nur in seiner Fußballbegeisterung gleich? Wir hängen Fahnen raus, wir zelebrieren unsere Identität? Für wen? Welche Kräfte für die Weiterentwicklung der Gesellschaft werden frei? Wird dort überhaupt was frei?

 

Wo warst Du…

… als Deutschland gegen Brasilien im Halbfinale der WM 2014 mit 7:1 gewonnen hat? (Quelle)

Ist dieser Satz nur Ergebnis einer Euphorie? Oder gibt es eine tiefere Bedeutung, die bewusst oder unbewusst in diesem Satz steckt. Seltsam: Niemand fragt, wo man wahr, als Higgs-Bosom nachgewiesen wurde. Niemand fragt, wo man wahr, als man wirkungsvollere Medikamente gegen AIDS entwickelte. Und es fragte sicher auch Niemand wo man war, als der Wirk-Mechanismus von Penicillin entwickelt wurde. Wer ist euphorisch, wenn Jemand 7 Kinder vor dem Hungertod rettet?

Ich höre es schon, ich solle mich nicht so aufspulen, ich solle den Leuten ihren Spaß lassen. Ich stelle hier nur Fragen. Man mag sie beachten oder nicht. Wenn selbst schon bei Phoenix (kurze) Berichterstattung über die WM kommt, dann schreibe ich, dass die WM alles auffrisst, dass die Fahnen ganz nett aber nutzlos sind dass es wichtigeres gibt als diese WM. Ich finde diese Fokussierung scheiße. Nicht die WM, nicht den Fußball und nicht die Spieler. Die können am allerwenigsten dafür.  

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