das Ende ohne Anfang: Flughafen BER

9 Aug

Hallo alle Miteinander,

der Vorsitzende des BER-Untersuchungsausschusses, Martin Delius, hat sich in dieser Folge des Wrint-Podcasts zur aktuellen Lage des „Flughafenprojektes“ geäußert. Ich bin froh, dass nicht allzu viele Leute diesen Podcast hören. Denn diese Folge lässt die (nicht nur die berechtigten) Zweifel über unsere Politiker wachsen. Man fragt sich: wie ist so etwas möglich?

Es lassen sich sich viele Antworten auf diese Frage finden. Nur, befriedigen sie uns? In der Alltagswelt vieler Menschen sind 10.000 Euro viel Geld. Bei Zehn Millionen dürfte dann jeder Bezug verschwunden sein. Von den Milliardenbeträgen will ich reden.

Dieses Bauprojekt und seine Details sind so weit entfernt von 99,9 % der Menschen, dass es nur noch am Rande ihrer Wahrnehmung (und auch meiner) auftaucht. Wir regen uns auf, suchen einen Sündenbock und lehnen uns dann zurück. Unser Alltag fordert uns ja schon genug. Nur, sind wir nicht der Souverän? Wenn wieder Wahl ist, sollen wir dann auch nicht werten wie sich unsere Volksvertreter mit den Großprojekten (wie BER) herumschlagen? Wie sollen wir, wie soll ich diese Bewertung vornehmen?

Solche Dinge wie der BER sind ärgerlich, nichts weiter. 1, 2 oder 5 Milliarden Euro Mehrkosten, und jetzt?

der Beitragstitel „das Ende ohne Anfang“ meint, dass wir den Abgrund, die Gefahr gar nicht mehr erkennen können. Je mehr sich unsere Alltagswelt von der Welt der Wissenschaft, der Welt der Verwaltung und der Welt der Politik entfernt, desto schwieriger wird es einen Bezug dazu zu finden.

Die Freiheit wählen und entscheiden zu können, die vielen Möglichkeiten machen das Leben nicht leichter. Viele Wähler wollen Politiker, die in ihrem Sinn entscheiden. Was ist in ihrem Sinn? Weiß ich, was will. Man will den Flughafen in seiner Nähe haben, die Flugzeuge sollen bitte nicht über mein Haus fliegen. Alles soll korrekt und gradlinig sein, man selbst nimmt sich die Bequemlichkeit heraus, die man haben möchte. Freiheit heißt für mich: Dilemmata zulassen, sich selbst als Teilproblem zu betrachten.

Wann kann man, wann soll man BER für gescheitert erklären? Sind die Berliner und Brandenburger bereit, eine halbe Stunde länger zum (evtl. neuen) Flughafen in die Pampa zu fahren? Dulden die potentiellen Bewohner einer Einflugschneise den Fluglärm? Misst der Bürger, kann der Bürger diesem Projekt die Bedeutung zumessen, die es verdient hat?

 

Vielleicht wäre die Zugfahrt nach nach Malle ja beste Lösung. 🙂

 

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2 Antworten to “das Ende ohne Anfang: Flughafen BER”

  1. tinyentropy August 9, 2014 um 18:06 #

    Ich sehe das ein bisschen anders. Die Intuition einer gewöhnlichen Hausfrau wird ihr sagen, dass dort in massivem Maße falsch geplant wurde und niemand wirklich die Verantwortung übernimmt. Das Problem ist, dass wir keine Handlungsmöglichkeiten haben. Wir können nur hilflos zusehen. Dabei lernen wir fataler Weise eine Lektion für die Zukunft, nämlich dass wir nichts machen können. Aber das Beispiel Stuttgart 21 zeigt, wie wir eine bessere Planung und die klare Übernahme von Verantwortung erzwingen können. Oder sehe ich das falsch?

    • marien86 August 10, 2014 um 12:34 #

      Hallo tinyentropy,

      danke für deinen Kommentar.

      Ja, der gesunde Menschenverstand ist immer eine hilfreiche Sache. (Intuition ist hier das falsche Wort, finde ich). Nur, welche Konsequenzen, welche Entscheidungen sollen wir Bürger treffen? Welche Konzepte sind die richtigen? In dem Punkt unterscheiden wir uns sicher nicht.

      Das mit der Haftung ist eine Sache. Wer soll haften? Klaus Wowereit? mit wie von seinem Vermögen? Wer wird dann noch motiviert sein in die Politik zu gehen. Martin Delius sagt da sehr richtige Dinge. Es geht nicht (in erster Linie) um Haftung. Es geht um die richtigen Strukturen. Mehr Mitsprache für Parlamente. Übername von Compliance-Standards aus der Wirtschaft (auch wenn sie dort nur auf dem Papier stehen), das Aussperren von Politikern aus den Aufsichtsräten. Wowereit, will ein Flughafen bauen? dafür muss er nicht im Aufsichtsrat sitzen.

      Die Mediation um Stuttgart 21 ist ja aus einer Krisensituation entstanden. Die frage ist, wie wir Bürgerbeteiligung, Planungsverfahren und die Verantwortlichkeiten mit einander kombinieren. S 21 ist eben kein Beispiel für eine systematische Lösung dieser Frage. Es müssen rechtliche, systematische Lösungen gefunden werden. (wie stark systematische das dann ist, ist die Frage).

      Kurzum: ich glaub, wir reden aneinander vorbei. Der gesunde Menschenverstand ist gut und richtig und wir brauchen bessere Verfahren, die Bürgerbeteiligung, Planungsverfahren und die Verantwortlichkeiten mit einander kombinieren. Es geht um die Details. Da hilft mir weder mein Alltagsverstand noch ein grober Plan, wie sowas aussehen soll. Die Frage der Dilemmata bleibt: (wenn ich mich richtig erinnere) bei der Volksabstimmung zu S21 wurde in Stuttgart dagegen und im Rest-Ba-Wü dafür gestimmt. Hat zwar jetzt nicht direkt mit Mittelverschwendung zu tun, gehört aber mit dazu wenn man über Großprojekte redet.

      Wo waren wir uns jetzt uneinig? 🙂

      Gruß, David

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