Was Menschen (leider) bewirken…

10 Jan

Hallo alle Miteinander,

der Terror hat uns wieder. Was in Paris passiert ist, ist auf mehreren Ebenen bemerkenswert. Einige wenige Menschen üben die größte Macht aus, über die Menschen verfügen: sie entscheiden über Leben und Tod. Das war eine bewusste Entscheidung. Die Satirezeitschrift Charlie Hebdo ist ein Symbol für das Maximum an Freiheit, das sich eine Gesellschaft leistet. Deshalb mussten Menschen sterben.

Die französische Polizei war tagelang damit beschäftigt die Attentäter zu finden. Ganze Apparate in Ministerien, in der Bürokratie allgemein, dürften damit beschäftigt sein. Zig Tausende Menschen wurden eingespannt. Auch dies dürfte von den Terroristen beabsichtigt worden sein. Sie haben Macht auf die Bürokratie geübt. Sie haben die Agenda der polizeilichen und sicherheitspolitischen Agenda bestimmt. Sie haben Kräfte auf sich fokussiert. Deshalb mussten Menschen sterben.

Neue bzw. alte Diskussionen flammen in der Gesellschaft wieder auf. Vorratsdatenspeicherung in Deutschland, die neue Macht des FN, die Spaltung der Gesellschaft allgemein, das lässt sich jetzt ganz gut beobachten. Die Gesellschaft soll simplifiziert werden: hier die Guten, da die Bösen. Wer gut und wer böse ist, nur eine Frage der Perspektive. Man kann sich so schön verkennen: alle Muslime stehen unter potentiellen Terrorverdacht, der Westen hat die Muslime schon immer diskriminiert, nun hat er einen weiteren Vorwand. Solche Aussagen wird man öfter hören. Sie pauschal und falsch. Aber genau darum geht es. Es geht um Freund und Feind, es geht um die Entmenschlichung einer Gesellschaft. Wir sollen nur noch Teil von Kollektiven sein.  Deshalb mussten Menschen sterben.

Terror als Instrument.

Es geht aber nicht nur um Kollektivierung. Es geht um Identitäten und deren Konflikte.

Das Politische bricht sich hier eine neue Bahn:

Politisches geschieht dort, wo Identitäten in Anerkennungskonflikte verwickelt, d.h. in Frage gestellt sind (Thomas Bedorf ) [1]

Wir haben hier Anerkennungskonflikte. Diese werden weiter geschürt. Terror soll genau dies bewirken. Es mussten Menschen sterben, weil ihre Identität, stellvertretend für die ganze Gesellschaft, verkannt wird.

Terror ist gegen jede Form von Politik:

Politik vollzieht sich dort, wo mit mit institutionell gesicherten Identitäten ge- und verhandelt wird (Thomas Bedorf ) [2]

Terror will nicht verhandeln, er will sich nicht in Strukturen einbinden lassen. Wer sein Leben für eine Ideologie weg wirft, dem ist das alles scheiß egal. Terror ist ein Instrument um das Politische „in Reinform zu induzieren“. Wenn man nichts mehr wert ist, wenn man nur noch ein Gegenstand ist, dann wird nichts mehr ge- und verhandelt. Es werden vielleicht Geld, Waffen und Gefolgsleute heraus gepresst, die Sache, an sich, steht nicht mehr zur Disposition.

Und nun?

Wer mit Kalaschnikows Menschen morden will, wer dies gezielt plant, wer sein Leben weg werfen will, dem ist nur sehr schwer beizukommen. Hilft uns die Vorratsdatenspeicherung hier wirklich? Rechtfertigt dieser Effekt den Eingriff in den Datenschutz? Hilft uns mehr Sicherheitspersonal hier wirklich weiter?

Es sind die selben Reflexe, wie sie immer kommen: mehr Rechte, mehr Geld. Bekämpft man damit eine Politisierung effektiv? Man begegnet den Symptomen, wenn überhaupt. Die Ursachen werden damit nicht angegangen. Es werden nicht die richtigen Fragen gestellt: warum werden Menschen zu Terroristen? Wie können wir vermeiden, dass sie derart verrohen? Wie können wir ihnen zeigen, das sie auch auf andere Weise in die Gesellschaft wirken können?

Denn es geht genau darum. Menschen wollen in die Gesellschaft wirken. Wie können wir diese Wirkmächtigkeit in etwas produktives verwandeln?

Die Terroristen haben ihr Ziel bereits erreicht. Da mache ich mir nichts vor. Mehr können einzelne Menschen nicht erreichen, das ist das Schlimme. Terror ist effektiv. Ich hoffe, das dieser Effekt wieder verfliegt. Dennoch ist er da.

Es wird kalt werden, hoffen wir, dass der Frühling bald kommt.

Literatur:

[1], [2] Bedorf, Thomas: Verkennende Anerkennung. Über Identität und Politik. Suhrkamp, Berlin 2010 S. 226 ff.

Advertisements

Eine Antwort to “Was Menschen (leider) bewirken…”

Trackbacks/Pingbacks

  1. Von Krisen und Gemeinsamkeiten. | dmhdf – das Blog der Mittelmäßigkeit - Februar 14, 2015

    […] Ich sehe aber eine große Gemeinsamkeit zwischen diesen Phänomenen, den Krisen: das Politische flammt dort auf. [für eine nähere Definition des Politischen siehe hier] […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: