Vom kontrollierten Leben.

28 Mrz

Hallo alle Miteinander,

die schreckliche Flugzeugkatastrophe aus jüngster Zeit wirft eine Frage auf: wie sicher ist das Fliegen?

Bei den Nachrichtensendern wird diese Frage immer wieder gestellt. Teilweise nehmen diese Fragen einen naiven Charakter an. Ja, die kommerzielle Luftfahrt ist sicher. Ja, dort passieren Fehler, es werden Menschen verletzt oder kommen ums Leben. Dies ist kein Widerspruch (wie oftmals unterstellt), die Aussage passt. Denn Sicherheit ist immer relativ. Es verhält sich zu etwas anderem. Die kommerzielle Luftfahrt ist sicherer als der Autoverkehr. Nichts ist sicher in einem „absoluten Sinne“.

Der Traum des Absoluten.

Etwas, das relativ ist kann nicht absolut sein (und umgekehrt). Ein absolut sicherer Luftverkehr weißt keine Verletzten, schon gar keine Todesopfer auf. Im Verhältnis zu anderen (relativ „sicheren“) Verkehren wird dieser immer hervorstechen. Die anderen sind eben nur relativ „sicher“. Nur sehr, sehr wenige Dinge sind absolut. Der Tod, die Geburt sind solche absoluten Dinge. Wann man stirbt, unter welchen Umständen, ob man geboren wird (in welche Umstände), dies sind wieder relative Zusammenhänge. Leben und Tod sind da, ihr konkretes Auftreten wird immer beeinflusst von den relativen Umständen. Nun minimieren wir diese relativen Umstände. Wir schaffen Regeln und Systeme,  welche die Welt ein wenig berechenbarer machen. Wir träumen den Traum des Absoluten.

Die Politik und das Absolute.

Die Politiker müssen sich mit diesen Traum auseinandersetzen. Klar, Regeln die garantieren, das mir der Mixer nicht um die Ohren fliegt sind gut. Das Selbe gilt erst recht für Züge, Autos usw. Aber diese Garantie garantiert nur, dass das  derzeit mögliche Minimalniveau erreicht wurde. So weit, so gut.

Doch wo liegt das Minimalniveau, bei Dingen, die nicht so einfach planbar sind? Der Mensch ist zu allem fähig. Müssen wir uns jetzt alle Hirnchips implantieren lassen? Denn so könne man doch eher herausfiltern, wo der nächste Adolf Hitler steckt? Wäre die Technik zu dieser Filterung in der Lage? Wäre es moralisch vertretbar alle unter Generalverdacht zu stellen?

Eine andere Frage: es sollen mehr psychologische Untersuchungen / Tests mit Piloten gemacht werden. So könne man eher fluguntaugliche, gar amok- gefährdete Piloten herausfiltern, so eine These. Ich frage mich: kann die Psychologie das überhaupt leisten? Stigmatisieren wir nicht noch mehr psychisch kranke Menschen, gerade wenn die Psychologie hier wenig bis gar nichts leisten kann? Wäre dies moralisch vertretbar?

Politik sollte immer auf Kompromisse ausgerichtet sein. Damit wendet sie sich automatisch gegen das Absolute. Sie verhält sich relativ zu anderen Politiken. Tut sie dies nicht mehr wird sie zum Dogma. Was dann passiert sehen wir an dem IS.

Politik steht in dem Dilemma sich sowohl mit dem Absoluten als auch mit Relativen auseinandersetzen zu müssen. Leute wollen absolute Sicherheit, absoluten Frieden und Wohlstand. Politik kann aber nur eine Form relativer Sicherheit, relativen Friedens und Wohlstands gewähren. Deshalb wird es immer Leute geben, die einer Politik das Scheitern vorwerfen werden. Es wird immer unzufriedene Minderheiten geben. Indem Politiker zufriedene Mehrheiten organisieren schließen sie unzufriedene Minderheiten aus. Das gehört zum Spiel dazu.

Und nun?

Im Nachhinein ist es immer einfach zu sagen: hier und dort ist der Fehler passiert, daran hätte man vorher denken können. Doch der Mensch kann nicht alles Denken was möglich wäre. Er muss gewichten. Und da passieren Fehler, nichtintendierte und (manchmal intendierte) Konsequenzen treten auf. Mal wiegen sie schwerer, mal eher weniger. Von einem Einzelnen, der durch einen schrecklichen Fehler oder ein Verbrechen, einen geliebten Menschen verloren  hat, da erwarte ich keine sofortige Einsicht in die Komplexität der Dinge. Von einer Gesellschaft, von weniger betroffenen Menschen erwarte ich diese Einsicht sehr wohl. Ich erwarte die Einsicht, dass man nicht nur die „Bösen“ kontrollieren kann. Der mögliche Kontrollzwang steigt auch für „Guten“ in einem System. Doch Menschen wollen gerne eine schwarze und weiße Welt, wo sie sich auf die gute Seite stellen können. Ab einem gewissen Grad können Politiker diesen Wunsch nicht mehr ignorieren. Sie werden ihn bereitwillig aufnehmen, werden zufriedene Mehrheiten organisieren, werden wiedergewählt werden.

Täglich passieren schreckliche Unfälle und Verbrechen. Mit mehr Gelassenheit, mehr kritischen Verständnis ist allen geholfen, nicht nur in der perfekten, absoluten Welt.

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