Wenn einfach doch kompliziert wird.

2 Mai

Hallo alle miteinander,

es ist nun schon über ein Jahr her als ich mich auf Wikidata angemeldet habe (hier der damalige Artikel). Zeit für ein erstes Fazit. Ich habe schon ziemlich zu Beginn gemerkt, dass die Lernkurve recht steil verläuft. Dennoch hatte ich den Eindruck, die Bedienung von Wikidata sei intuitiv.

So langsam merke ich, dass die Datenlogik von Wikidata meine Intuition übersteigt. Ich muss immer öfter bestimmte Dinge nachlesen. Innerhalb des Projekts haben sich viele Dinge weiter ausdifferenziert (hier ein Beispiel, was ich meine). Im entsprechenden Forum wird fleißig diskutiert und weiter ausdifferenziert (Beispiel)

Wenn Inklusivität exklusiv wird.

Da liegt das Kernproblem das alle Wikimediaprojekte betrifft. Alle sollen mitmachen (können) aber nur die wenigsten können sich die Zeit nehmen um sich einzuarbeiten. Denn einarbeiten muss man sich: in Regeln, in Abläufe in ungeschriebene Gepflogenheiten. Was auf der Oberfläche simpel wirkt entpuppt sich schnell als komplex, wenn man tiefer bohrt.

Einerseits benötigt man jene Komplexität: man möchte Wikipedia-Artikel, Medien und andere Daten angemessen abbilden, verwalten und kategorisieren. Andererseits bildet diese Komplexität eine Einstiegshürde. Man muss sich entsprechendes Wissen erarbeiten (kulturelles Kapital) und man muss sich in entsprechende Netzwerke eingliedern (soziales Kapital). All das muss man mühevoll zusammen sammeln.

Auch wenn die Wikimediaprojekte nicht den Anspruch verfolgen sich (vollständig) demokratisch organisieren zu wollen, zeigt sich eben dort ein Dilemma der Demokratie: die inklusive Exklusivität. Ob Wikimediaprojekte, ob ganze Staaten: man muss bestimmte Gruppen ausschließen, um andere einzubinden.  Regeln, Abläufe und ungeschriebene Gepflogenheiten sind eine Filter: es werden diejenigen aussortiert, die nicht den Willen haben sich entsprechend einzuarbeiten. Selbstverständlich kann man immer fragen: wie lässt sich die Einarbeitungszeit verkürzen? Jedoch wird sie sich nie weg-kürzen lassen. Es wird gegen null gehen aber nie auf null.

Die inklusive Exklusivität ist ein Teil aller gegenwärtigen Systeme, in denen wir uns bewegen. Sie ist ein fruchtbares Dilemma. Führt sie doch zur Frage: wo ist der Mittelweg? Wie können wir Regeln so definieren, dass sie einfach wie möglich sind. Wie können wir gleichzeitig funktionierende, sich weiter ausdiffierenziernde Systeme gewährleisten?

Man wird nie alles erreichen können. Im konkreten Fall Wikidata heißt dies: wie viele Regeln, wie viel Logik kann ich „ertragen“, bis ich die Lust verliere? Wie viele Regeln, wie viel Logik ist notwendig, damit Wikidata funktioniert? „Jeder kann“ heißt eben nicht „jeder macht“. „Können“ muss man eben können.

 

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