Worüber beschweren wir uns eigentlich?

16 Mai

Hallo alle Miteinander,

es gibt viele Dinge über die man sich beschweren könnte. Und das wird auch tatkräftig getan. Nur, muss die Beschwerde wirkungsvoll sein, um eine Beschwerde zu sein? Muss sie konstruktiv sein? Muss sie jenseits persönlicher Befindlichkeiten liegen?

Für mich am wichtigsten: wie soll Politik damit umgehen?

Was sind rein gesellschaftliche Themen (Verhaltensweisen, Rituale, Werte), wo sich Politik heraus halten sollte? Wo soll Politik unbedingt regulierend eingreifen?

Politik braucht Filter um geeignete Kritik herauszufiltern. Nicht alles kann unverzüglich in die Regierungszentrale geleitet werden. So weit, so klar. In der Diskussion um die Filter liegt der Knackpunkt. Was wird, wann, durch wen gefiltert? Wer kommt wann, mit welchen Inhalten durch? Am Ende läuft es auf die Frage raus: wer kann seine Inhalte entsprechend lobbieren?

Der professionelle Umgang mit diesen Filtern, ein professionelles „Beschwerdemanagement“ bewirkt sehr viel. Das macht „Professionalität“ aus. Man wird dafür bezahlt viel zu bewirken. Auf einmal geht es wieder um Geld, Wissen und Kontakte. Um Zeit, die man aufwendet, Geld, dass man aufgibt und Kontakte, die man knüpft.

Waren jene Filter einst dafür gedacht, Politik zu ermöglichen (sie wird vor Überlastung geschützt), schließen sie nun bestimmte Gruppen mit ihren Beschwerden aus (man muss Geld, Zeit und Kontakte aufbieten). Soll ein Staatswesen „volksnah“ sein, muss sich auch mit so manchem Unsinn befassen. Soll es professionell agieren, droht sinnvolle Kritik ausgefiltert zu werden, wenn nicht die entsprechenden Ressourcen investiert wurden.

Viele Möglichkeiten der Beschwerde, der Beteiligung scheitern an der Bequemlichkeit. Die Ressourcen wären da. Jenseits der politischen Parteien, der PR-Agenturen existiert ein Potential seine Beschwerde zu formulieren und sie entsprechend in die (Kommunal)Politik einzuspeisen. Bürgerbegehren, oder ein Einwohnerantrag sind Beispiele für ein solches Potential. Sicher, man kann da noch einiges machen. Nur, es braucht auch die Leute, die es nutzen.

Geld, Wissen und Kontakte sind immer wichtig um sich zu engagieren. Es müssen aber keine Millionenbeträge, es muss kein Studium aufgebracht werden. Aber es bleibt dabei: zu mindestens Zeit und Ungewissheit (über den eigenen Erfolg) muss investiert werden.

Politik heißt eben: etwas investieren, das Visier abnehmen, die Ungewissheit über den eigenen Erfolg akzeptieren. Die Anderen: die Parteien, die Politiker sollen Politik machen. Aber wir?

Der Punkt ist: eigentlich soll alles bleiben wie es ist. Investitionen können schiefgehen, lassen wir es bleiben. Sich zu etwas zu bekennen, heißt Konflikte einzugehen. Wir wollen keine! Ungewissheit zu akzeptieren heißt, alles ist offen, alles kann sich ändern!

In Wahrheit wird sich nicht beschwert. Diejenigen, die nichts mehr zu verlieren haben, finden sich ab.  Diejenigen, die was zu verlieren haben halten fest, was halten können.

Ich will keine Revolution, keine ruckartige Veränderung der Gesellschaft. Ich will, das Politik (als Prozess) wieder ernst genommen wird. Sind da wirklich 20 % der Leute, die offen rechts(extrem) sind? Dann sollen die sich organisieren! Nicht, das es gut für die Gesellschaft wäre, aber es wäre ein Impuls. Der kann Gegenimpulse auslösen.

Es bleibt dabei: jemand muss sich bewegen. Wenn alle aufeinander warten bewegt sich nichts. Dies kann eben auch eine demokratische Entscheidung sein. Worüber beschwere ich mich also?

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