Zeiten der Zuspitzung

12 Dez

Hallo alle Miteinander,

der Klimawandel, allerlei Kriege und Katastrophen, die Digitalisierung der Gesellschaft und ein innenpolitischen Wandel können wir beobachten. Dieser „innenpolitischer Wandel“ hängt mit den anderen genannten Themen zusammen.

Ein Strauß an Themen

Auch wenn der Klimawandel hierzulande die Menschen nicht direkt beeinflusst, er hat Auswirkungen. Findet er (wie stark) statt? Wie sollen wir reagieren? Auf was sollen wir verzichten? Ist das überhaupt unser Problem? Allerhand Zahlen und Prognosen schwirren umher. Sie verunsichern die Menschen.

Die Flüchtlingsströme unserer Tage sind direkte Auswirkungen von Kriegen und Katastrophen. Was uns Gestern nicht interessieren musste, fordert uns heute größte Aufmerksamkeit ab. Ob wir wollen oder nicht, wir kommen daran nicht vorbei. Was mal „außen“ passierte wirkt jetzt massiv nach „innen“. Diese Entwicklung verunsichert die Menschen sehr stark.

Wir alle profitieren von der Digitalisierung. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Wer wird weg rationalisert? Wer hält mit den neuen Anforderungen einer sich stets wandelnden „digitalen Gesellschaft“ mit? Wer kann sich die nötigen Freiräume in gegenwärtigen (überwachten) vernetzten Welt bewahren? Menschen bleiben fragend zurück.

Der Wunsch nach Zuspitzung

Verunsicherung und die vielen offenen Fragen führen zu dem Wunsch nach einfachen Lösungen. Wer nicht durch das Gestrüpp des Waldes laufen will, der holzt gleich den ganzen Wald ab? Viele wollen sich nicht mit Themen beschäftigen die zeitintensiv und umfangreich sind. Viele Leute wollen sich nicht ihren Ängsten stellen, sie wollen sie bestätigt bekommen.

So entsteht der Wunsch nach Zuspitzung, nach Überspitzung, nach Radikalisierung. Diejenigen die sich diesem Wunsch nicht stellen, die differenzieren und versachlichen wollen, werden mehr und mehr ignoriert.

Wenn man unterstellt, das der Mensch (mal mehr, mal weniger) begrenzte Fähigkeiten der Informationsaufnahme, -verarbeitung und -ausgabe besitzt, dann hat der Wunsch nach Zuspitzung einen nachvollziehbaren Hintergrund. Man muss das Ganze gewissermaßen runterkochen.

Begrenzte Menschen

Menschen sind nicht von Natur aus „Böse“, „einfälltig“ und „ignorant“. Jedoch ist kein Mensch davor gefeit, sich diesen Eigenschaften hinzugeben. Wenn er sich bedroht fühlt, wenn er Angst hat wird er (mal mehr, mal weniger) anfällig für „einfälltige“, „ignorante“ und „böse“ Ideologien.

Wir sind keine Götter, die unbegrenzte Kapazitäten besitzen. Wir können nicht alles ertragen, alles erfassen, alles verstehen. Und doch: man soll es uns erträglich, man soll es uns erfassbar, man soll es uns verständlich machen. Dies gilt im Grunde für Jeden. Der individuellen Begrenztheit soll kollektiv begegnet werden.

Vertrauen ist gut?

Sollen wir nun darauf verzichten dass uns zu mindestens die Welt erklärt wird? Sollen wir schlicht vertrauen, das „man“ das schafft. Vertrauen ist gut, Skepsis ist besser, denn Vertrauen kann missbraucht werden. Skepsis erfordert aber dass man (mal mehr, mal weniger) nachvollziehen kann, ob das Vertrauen noch angebracht ist. Nachvollziehbarkeit erfordert Wissen. Wissen muss man sich erarbeiten.

Hier liegt das Dilemma: wir müssen vertrauen (können) das Leute mit den nötigen intellektuellen Kapazitäten „das Richtige“ tun. Was „das Richtige“ ist muss man abschätzen können. Dies benötigt wiederum intellektuelle Kapazitäten.

Und nun?

Dem heutigen Menschen wird sehr viel abverlangt. Die Welt verändert sich rasant, er muss sich anpassen. Er soll vertrauen. Als Bürger, Konsument und Mitmensch soll Entscheidungen zu vielen Themen treffen. Als privater und öffentlicher Mensch wird er stets gefordert.

Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht weiter. Es erschreckt mich, wenn ich im Bekanntenkreis so manche fremdenfeindliche, egoistische und arrogante Forderung höre. Kann ich ihnen ihre Ängste verübeln?

Wir müssten entschleunigen. Ja, dieses Wort entschleunigen. Wir, hier im Westen können uns Stillstand, ja Rückbau leisten. Keine neuen IPhones und Computer, weniger Fleischkonsum, weniger Autoverkehr, weniger Plastik, weniger Wachstum, mehr Zeit neue Technologien zu testen, mehr Geld in Forschung und Entwicklung(szusammenarbeit). Alles altbekannt. Deshalb weiß ich nicht weiter.

Der Mensch ist kein Tier, er ist aber auch kein Gott. Er kann viel aber scheinbar nicht genug. Er fliegt hoch aber nicht hoch genug. Er ist, er ist aber nicht alles. Vielleicht gehört es zum Menschen, dass wir auf einem schmalen Seil balancieren. Ob Zuspitzung, ob Differenzierung. Wir müssen irgendwie klarkommen. Den Preis zahlen wir sowieso. Wir kennen nur die Rechnung nicht.

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