Kopf in den Sand!

27 Feb

Hallo alle miteinander,

je älter ich werde, desto eher fällt mir auf, dass den Kopf in den Sand zu stecken eine gängige Praxis ist. Damit meine ich das Ignorieren von Fakten und Entwicklungen, das „sich-durchwursteln“, die Resistenz gegen jede Veränderung. Ich will hier nicht nur auf Politiker und andere Eliten einschlagen. Viel mehr fange ich bei mir selbst an!

Gesellschaftliches Engagement vs. individueller Konsum

Gesellschaftliches Engagement kostet Zeit, Nerven und Wissen (wie man, wann, was macht). Die Ergebnisse des eigenen Engagements sind nicht immer befriedigend. Schon die Frage, was man erreichen will kann einen frustrieren. Was stört einen konkret? Mit welcher Milderung des Störfaktors will man sich zufrieden geben?

Das schlichte Aufsaugen schlechter Nachrichten kann auch befriedigen. Man kann über alles Mögliche meckern, das „System“ vorschieben (wo man eh nichts ändern kann), man saugt sich voll, wie ein Schwamm. Dabei steckt man den Kopf in den Sand und duldet die Dinge, die man kritisiert.

komplexe Lage vs. einfache Antworten

Außenpolitik, Finanzen, Umweltfragen, alles Themen wo man sich einarbeiten muss, um sie zu verstehen. Da trifft es sich gut, wenn einem Außenstehende die einfachen Antworten präsentieren, wenn man sie gewähren lässt. Die sollen sich kümmern, die sollen meine Interessen kennen und dafür eintreten! Einfache Antworten sollen schnell umgesetzt werden!

Status Quo vs. stetiger Wandel

Alles soll so bleiben, wie es ist! Früher war alles besser! Diese Phrasen zeigen die Angst vor (jeglichen) Wandel. Ob wir, ob ich von dem Wandel profitiere bleibt fraglich. Anstatt den Wandel mitzugestalten, wartet man lieber ab und hofft, es würde schon nichts passieren.

Wenn man das Leben ganz rational als Kosten-Nutzen-Rechnung betrachtet, kann es sich lohnen den Kopf in den Sand zu stecken. Wer nichts macht bekommt nichts, es geht aber auch nichts verloren. Wer etwas macht, dem droht immer Verlust aber auch Gewinn. Warum soll sich die Politik, warum sollen sich die Eliten (wie auch immer) bewegen, wenn Bewegungslosigkeit goutiert wird? Warum sollen sich Menschen bewegen, wenn sie sehen, dass sich Eliten nicht bewegen müssen? Dieses Stolpern von Krise zu Krise zeigt mir ein Bewegungsminimum unserer Gesellschaft(en). Man reagiert auf Krisen, mildert ihre Symptome auf ein erträgliches Maß und wartet auf die nächste Krise. Und (fast) alle sind zufrieden!

Bessere Welt vs. erträgliche Welt

Dieses erträgliche Maß der Krisenbewältung soll eine erträgliche Welt schaffen. Eine bessere Welt steht gar nicht zur Debatte. Denn man müsste klären: was bedeutet besser? Was wollen wir dafür investieren? Was wollen wir dafür riskieren?

Ich bin ehrlich: in meiner Blase ertrage ich die Welt sehr gut. Ich weiß um die Probleme da draußen. Warum sollte ich etwas dagegen tun? Ich bin kein Moralapostel, ich bin ein Opportunist. Und vielleicht bin ich ein Zyniker und will es nicht wahrhaben. Warum sollte ich den Politikern Zynismus und Opportunismus vorwerfen, wenn ich doch auch so handeln würde? Habe ich nicht auch Angst vor sozialen Abstieg, vor dem „abgehängt werden“? Da lohnt es sich den Kopf in den Sand zu stecken und zu ignorieren. Entweder wird man sonst wahnsinnig (vor Wut über die Zustände) oder man wird enttäuscht (über die begrenzten Handlungsmöglichkeiten). Vielleicht trifft auch beides ein. Davor habe ich Angst.

 

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