wie hart darf man interviewt werden?

23 Jul

 

Folgenden Kommentar  habe ich zum Interview mit Raul Krauthausen über seine Kritik am Bundesteilhabegesetz geschrieben. Einige Kommentatoren im dortigen Blog haben moniert, man hätte Raul Krauthausen zu hart interviewt. Ich finde, das Interview hatte genau den richtigen Ton. Außerdem kann man hart und noch härter über Behinderung und Teilhabe diskutieren. Mit den richtigen Argumenten und einer Priese Selbstbeusstsein kann man sich in jede Diskussion stürzen.

Hallo alle Miteinander,

auch wenn ich spät dran bin, mein Kommentar zum Krauthausen-Interview. Als Mensch mit Behinderung kann ich sagen: dies (das Interview) ist ein gutes Beispiel für gelebte Inklusion! Wenn die Betroffenen (Wir) inkludiert werden wollen, dann können und sie sich dem Diskurs in Gänze stellen.

Ich erlebe auf der einen Seite, dass Leute (gerade in der Öffentlichkeit) sehr engagiert für Inklusion argumentieren. Auf der anderen Seite sehe ich im Alltag (der “Leute”) ein gedankenloses und auch ängstliches Verhalten bzgl. Inklusion. Man weiß nicht wie man sich verhalten soll, da macht man lieber gar nichts, man fragt noch nicht mal. Zugespitzt: die beiden Seiten lassen sich als Samthandschuh vs. (gedankenloses) Arschloch zusammen fassen.

Wir haben Rechte und Pflichten. Als Menschen mit besonderen Herausforderungen müssen wir Gesellschaft so beeinflussen, dass wir diese Herausforderungen meistern können! Dazu gehört über das Warum und Wie argumentieren zu können. Ja, die Selbstmordrate bei Menschen mit Behinderungen sind höher. Ja, die Hürden sind höher und schmerzlicher. Muss nun der Einzelne, der das Warum und Wie verstehen will besonders sensibel vorgehen, weil wir es so schwierig haben? Wer ist “wir”? Was ist sensibel?

Wir müssen uns der Frage stellen, wie das Verhältnis zwischen Mensch (mit besonderen Herausforderungen) und Gesellschaft sein soll und dies mit aller Klarheit und Direktheit! Was ist mit dem Verhältnis zwischen Eigenverantwortung und gesellschaftlicher Verantwortung? Wenn ich für mein Leben argumentieren will, dann soll mir nicht mit Samthandschuhen begegnet werden. Die werden im Alltag sowieso wieder ausgezogen!

Das Thema Behinderung muss vom Sockel des “unantastbaren” gestoßen werden. Ich will behandelt werden, wie alle Anderen, nicht wie Jemand Besonderes. Behinderung sollte zu einer Herausforderung werden nicht zu einer Belastung. Behinderung sollte auf das reduziert werden, was sie ist: eine Einschränkung. Der gesellschaftliche Umgang macht aus dieser Einschränkung eine Belastung.

“Dem gehts eh schon Scheiße, da kann der Staat ja….” Immer noch werden Menschen (mit besonderen Herausforderungen) als arme Würstchen betrachtet. Ganz pauschal wird da geurteilt. Der Betroffene und seine Sicht, seine Situation wird nicht weiter beachtet. Ich bin behindert, also ist mein Leben weniger lebenswert, also soll der Staat, die Gesellschaft mir helfen und dabei ganz behutsam sein. So die Denke. Die besonderen Herausforderungen schränken natürlich ein. Aber aus sich heraus machen sie das Leben nicht mehr oder weniger lebenswert. Die gesellschaftliche Interaktion, die aus dem Umgang mit den besonderen Herausforderungen resultieren, wirkt sich auf den Wert des Lebens aus.

Wenn ich mich in die Öffentlichkeit begebe und für mein Anliegen argumentiere, dann sollte es mich freuen, wenn mein Gegenüber meine Position besonders energisch hinterfragt. Denn diese gesellschaftliche Interaktion bietet mir die Gelegenheit, meine Rhetorik, meine Argumentation, meine soziale Kompetenz unter Beweis zu stellen. Und dies gilt auch für uns als Gruppe. Wir haben die ethischen, pragmatischen Argumente und die Lebenserfahrung sowie das Selbstbewusstsein, um jeder (noch so kruden) Diskussion zu begegnen! Es braucht keinen besonders sanften/sensiblen Diskurs über Behindertenrechtspolitik. Die Argumente sind da. Lasst sie uns mit Engagement und Verve austauschen.

Lange Rede, kurzer Sinn? 🙂

Gruß, David

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