Still und starr ruht der See

27 Nov

Hallo alle Miteinander,

hier ist es sehr ruhig geworden, zu ruhig wie finde. Aber ich muss mich wohl damit abfinden, das mein Berufsalltag mir (vorerst) alle Kräfte abverlangt.

Das ist einerseits schön. Denn ich kann sagen, ich bin (endgültig) angekommen in der Welt der „Erwachsenen“. All die Rechte und Pflichten, den der Alltag des mündigen Menschen für uns bereit hält, nehme auch ich auf mich. Es ist einfach „da“. Es wird weniger hinterfragt. Man ist drin im Trott des Arbeits-, Freundes-, und Privatalltags. Man ist wie Alle Anderen, man lebt wie alle Anderen.

Das ist andererseits schlecht. Wollen wir nicht anders und individuell sein? Wollen wir uns nicht verwirklichen: auf der Arbeit, im Freundeskreis und im Privaten? Wollen wir nicht stets das „Neue“ haben und dabei immer kritisch und neugierig bleiben?

Diese eben beschriebenen Widersprüche werden einfach ausgeblendet. Diejenigen, die schon mehr haben, wollen noch mehr: besserer Job, mehr Geld, mehr Status. Die Frage ob das alles notwendig ist wird beim Bierchen mal angedeutet. Richtig angefasst wird sie nie. Ausgeblendet. Das die empfundene Fortschrittlichkeit auf eine alltäglich gelebte Bewahrungshaltung trifft – ausgeblendet. Das man mit den Freunden und Bekannten in einer Blase lebt und nur einen Teil von „da draußen“ wahrnimmt, wo man doch so offen ist – ausgeblendet.

Ich erlebe gerade eine krasse Veränderung: meine neue Arbeit führt mich in eine Sphäre, eine neue Blase. Man kann diese Veränderung als sozialen Aufstieg bezeichnen. Doch wo bin ich da eigentlich aufgestiegen? Will ich dorthin wirklich aufsteigen? Habe ich eine Wahl, wo sich in dieser Gesellschaft immer mehr ein „oben“ und ein „unten“ abzeichnet?

Ja, still und starr ruht der See. Aber unter der Oberfläche bewegt sich einiges. Wird diese Bewegung noch wahrgenommen. Soll man diese Bewegung werten oder nicht? Soll man dagegen ankämpfen oder nicht?

Mein Leben hat eine glückliche Wendung genommen. Ich bin sehr froh, so wie es ist. Aber mein Leben existiert nicht im Vakuum. Mein Tropfen bildet mit vielen anderen Tropfen den See. Es entstehen Interaktionen: Informationen werden ausgetauscht, Wertungen werden vorgenommen und man bekommt den (Zerr)Spiegel vorgehalten. Was ist nun also mit meinem Leben, mit dem Tropfen im See? Licht bricht sich im See. Auch wenn er still und starr daliegt.

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