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Langzeitpause

28 Apr

Hallo alle Miteinander,

dieses Blog döst gemächlich vor sich hin. Meine Arbeit und die damit verbundene Pendelei rauben mir Zeit und Nerven. Der Alltag hat sich in meinem Leben festgesetzt.

Dabei ist viel passiert: ich habe ja im LABO, in der Senatskanzlei, dann im Fachbereich Bibliotheken des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg gearbeitet. Jetzt wechsle ich zum 2. Mai ins Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten, das alles im Rahmen des Traineeprogramms des Landes Berlin.  Ich hatte eine Bildungsreise nach Prag sowie diverse Besuche / Exkursionen in unterschiedlichen Berliner Verwaltungen.

In den letzten 18 Monaten habe ich also einiges gesehen. Gutes, Hervorragendes aber auch schlechtes und dysfunktionales ist mir begegnet. Auch ich habe meine Grenzen gespürt, bin einigen Erwartungen nicht gerecht geworden. Mir wird allmählich etwas klarer, auf was mich hier eingelassen habe. Es pendelt sich alles ein, ohne das Ruhe einkehrt. Die großen Themen der Weltpolitik, unsere nationale Politik tritt für mich in den Hintergrund. Die Berliner Landespolitik gerät schon wegen dem Beruf in den Vordergrund. Doch am meisten beschäftigt mich die Frage: wer bin ich, wer will ich sein in dieser Berliner Verwaltung? Es ist noch ein wenig Zeit, bis ich diese Frage endgültig beantworten muss. Doch sie drängt sich allmählich immer stärker in den Vordergrund.

Meine eigene Mittelmäßigkeit gerät in den Fokus von Beurteilungsgesprächen und -bewertungen. Was trage ich zum Funktionieren dieser Berliner Verwaltung bei? Aus einem Beobachter des großen Ganzen wird ein Akteur im Kleinen. Aus dem Akademiker wird der Praktiker. Aus dem Fragensteller wird ein Antwortgeber.

Da kann man mal eine Pause einlegen und sich auf die wichtigen Dinge konzentrieren. Dieser Blog wird weiter auf Sparflamme laufen, ohne ganz zu erlöschen. Diese Erkenntnis gehört wohl auch zu einem (guten) Leben der Mittelmäßigkeit.

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Berliner Verwaltung

1 Jan

Hallo alle Miteinander,

nun bin ich schon seit über einem Jahr Teil der Berliner Verwaltung. Was ich einst im Studium gelernt habe trifft auf eine Praxis, die wohl kaum an Unis gelehrt werden kann. Eine überalterte Belegschaft trifft auf eine Umwelt, die sich sehr rasant weiterentwickelt. Die Kolleginnen und Kollegen tun was Sie können, um mit den Entwicklungen Schritt zu halten. Das muss ich Ihnen anrechnen!

Mich beschleicht das Gefühl, das einige Verantwortliche ein faktisches Desinteresse zeigen:

  • „ein Jahrzehnt BER“ scheint mir ein Beleg zu sein
  • die Personalplanung des Landes Berlin: warum setzen sich Bezirke und die Senatsinnenverwaltung nicht mal hin und koordinieren Personalbedarfe, anstatt sich gegenseitig die Leute abzuwerben? (eine etwas allgemeine Beschreibung der Lage)
  • IT-Infrastruktur  des Landes Berlin: die Vereinheitlichung der IT-Ausstattung lässt weiter auf sich warten

Jetzt kann man entgegenhalten: all die genannten Themen seien sehr komplex. Hier mit Desinteresse zu argumentieren, sei eher populistisch als realistisch. Zu diesem Realismus gehört es auch anzuerkennen, das die Themen seit Jahren diskutiert werden. Sicher: Patentrezepte kann es nicht geben. Bei aller Historie der „zwei Berlins“ die mitgedacht werden muss: andere Städte und auch das Nachbarland Brandenburg (wo ich wohne) bekommen das besser hin.

Ich befürchte, man wird sich weiter durchwursteln. Die Stadt ist immer noch sehr attraktiv. Sie wächst. Läuft doch! Genau hier liegt das Problem. Es gibt gar keine Notwendigkeit, mal die Lage grundlegend zu durchdenken. Ein älterer Kollege sagte mir mal: „Berlin funktioniert, wir wissen nur nicht warum? Das fasst die Lage gut zusammen. Es dürfte auch die Losung für 2018 sein.

Lebenszeichen

28 Okt

Hallo alle Miteinander,

der Arbeitsstress verhindert, hier stärker tätig zu werden. Zu Erzählen gäbe es genug. Aber Inhalte brauchen Zeit um sie aufzubereiten. Was die Rolle dieses Blogs sein soll, dies muss ich mir noch überlegen, wenn ich Zeit habe.

Ab Mittwoch, den 1. November werde ich in einen Berliner Bezirk wechseln. Ich bin gespannt, was mich dort erwartet. An diesem Datum jährt sich mein einjähriges Dienstjubiläum. Eine spannende Zeit, ich habe viel gelernt. Ich bin auf einem guten Weg ein richtiger „Verwaltungsmensch“ zu werden.

Auch muss ich mich daran gewöhnen „endgültig“ erwachsen zu sein: eigenes Gehalt, eigener Alltag, eigene Lebensgestaltung.

Bis zum nächsten Lebenszeichen! 🙂

Artikel zum Wochenende

13 Aug

Hallo alle Miteinander,

Artikel zum Wochenende

Alexander Osang: Berlin möchte so gern Weltmetropole werden – dabei ist es längst eine

Was eine Weltmetropole eigentlich sein soll weiß nicht. Viele wären ja schon glücklich wenn die Berliner Standesämter ihre Kunden so bedienen könnte, wie es in mancher Kleinstadt so üblich ist. Na ja, läuft!

 

Vertrauen

13 Aug

Hallo alle miteinander,

ich versuche heute mal eine Gemeinsamkeit zwischen Elke Twesten und dem Volksentscheid zur Offenhaltung des Flughafen Berlin-Tegel herzustellen. Hier lautet das Stichwort: Vertrauen bzw. Legitimität.

Frau Twesten steht es frei, mit ihrem (freien) Mandat so umzugehen, wie sie es getan hat. Den politischen Parteien sowie dem Wähler fällt eine Auswahlfunktion zu. Die Entscheidungsfunktion fällt dem Abgeordneten zu. Bei Wahlen wird dann (aus)gewählt für wie gelungen man die getroffenen Entscheidungen dann hält. Man kann hier fragen: kann es Twestens Maxime ein allgemeines Gesetz sein? Sprich: wenn alle Politiker ihre egoistischen Karrierenchancen in den Vordergrund rücken, ist dies gut für das politische System? Und man kann als Politikwissenschaftler fragen: wenn Parteien über Koalitionen und Mehrheiten Politik machen, welche Bedeutung sollen dann die Abgeordneten haben?

Das freie Mandat gibt dem individuellen Repräsentanten mehr Macht gegenüber seiner Partei. Wie bereits angedeutet, kann diese Macht zu Konflikten führen. Dafür haben wir eine Öffentlichkeit, wo dies diskutiert und dann auch entschieden wird.

Öffentlichkeit ist auch ein wichtiges Stichwort beim Thema Flughafen Tegel.

Als Mitarbeiter der Berliner Verwaltung teile ich die Argumente, die für die geplante Schließung sprechen. Wenn wir Tegel längerfristig als Flughafen nutzen wollen, dann brauchen wir:

  • Geld für dessen Modernisierung (was wir eigentlich nicht haben)
  • Personal, welches die Gesetze und Vorordnungen ändert, damit Tegel offen bleiben kann (haben wir erst recht nicht)
  • Personal, das sich mit den ganzen Klagen beschäftigen kann, welche die Tegel-Anwohner einreichen werden. Denen hatte man die Schließung ja einst versprochen
  • Ersatzflächen, auf dem Tegel-Gelände können ja keine Wohnungen und Gewerbeeinheiten mehr gebaut werden (haben wir auch nicht)

Als Bürger sieht meine Meinung da etwas anders aus. Wenn die Leute mitbekommen wie ein Eröffnungstermin des BER nach dem anderen gerissen wird, ist dies wenig vertrauensbildend. Der BER ist noch nicht einmal eröffnet, schon wird uns erzählt, wir bauen ihn weiter aus. Tegel wird überflüssig (bleiben). Wer soll das glauben? Viele Leute denken zu recht: lieber ein Spatz in der Hand (Tegel), als eine Taube auf dem Dach (BER)! Ob da „Tegel-Nostalgie“ wirklich eine Rolle spielt glaube ich nicht.

Der Berliner Senat hat hier seine Glaubwürdigkeit verspielt. Dass Politische Konkurrenten dies nutzen und die Regierungskoalition in noch größeren Schlamassel treiben wollen wird – wer hätte es gedacht? Politik lebt davon, dass Leute einem zutrauen, dass man tun kann, was man tun will. Auch hier haben wir eine Öffentlichkeit, wo dies diskutiert und dann auch entschieden wird.

Didi Hallervorden und die Verwaltung

15 Jul

Hallo alle Miteinander,

der Sketch „Didi Hallervorden auf dem Arbeitsamt“ zeigt durch seine Überspitzung sehr gut, was an der Verwaltungsmodernisierung schief gelaufen ist. Zwar haben sich Sprache und Abläufe in der Verwaltung verändert, die Ergebnisse von Verwaltungshandeln sind da eher hinten an geblieben. So bekommt der Arbeitslose (in dem Sketch) noch immer keine Arbeit. Dafür wird er aber mit englischen Vokabeln zu getextet. Der Arbeitsvermittler hat keine Ahnung von der Lebenswirklichkeit seines „Kunden“. Die Abläufe der Arbeitsvermittlung sind zu eng an bestimmte Berufsgruppen gebunden.

Wie dicht sind wir Verwaltungsmenschen an der Lebenswirklichkeit von bestimmten Personengruppen dran? Arbeiten wir für die Leute oder für die Verwaltung? Wie können wir unseren Spielraum effizient nutzen?

Gute Fragen, guter Sketch!

Klassengesellschaft in der öffentlichen Verwaltung

10 Jun

Hallo alle Miteinander,

ja, dieser Titel ist etwas überspitzt. Er soll zeigen was mich stört: das Denken in Kategorien in der öffentlichen Verwaltung!

Ich bin ja nun erst ein gutes halbes Jahr in der Verwaltung. Doch mir ist schnell aufgefallen, das die Unterteilung in mittlerer Dienst, gehobener Dienst und Höherer Dienst doch sehr stark wirkt. Der Witz an der ganzen Sache: die Grenze zwischen den Laufbahnen ist sehr fließend. Kollegen und Kolleginnen arbeiten an den selben Sachen, gehören aber unterschiedlichen Laufbahnen an. Daran hängen ja letztendlich die Bezahlung und die Privilegien, die man hat. Dies mag auch daran liegen, das diese Grenzen durch eine sich modernisierende Verwaltung aufgelöst werden. Diese Auflösung sollte man aber nicht mit Durchlässigkeit verwechseln. Ich kann die selbe Tätigkeit ausführen, wie mein höher gestellter Kollege. In diese höhere Position zu gelangen ist aber nach wie vor sehr schwierig.

Die Drei-Klassen-Gesellschaft steht einer sich modernisierenden Verwaltung im Weg. Wo in Verwaltungen in Prozessen gedacht wird, wo die Digitalisierung ganze Berufsfelder (der Verwaltung) verändert, wo sich Verwaltung neue Wissensbestände erarbeitet, da ist eine starre Organisationsform konservierend und lähmend. Man wird mir jetzt entgegenhalten, das sich die Verwaltung öffnet, dass sie flexibler wird. Aber in welchem Tempo findet diese Entwicklung statt? Die Entwicklung der Gesellschaft und der Verwaltung klaffen immer weiter auseinander. Die Leute in der Verwaltung fangen diese Lücken auf (IT-Bereich Querschnitt bspw.) Jedoch spiegelt sich dies nicht in der Organisationsstruktur wieder. Mich wundert nicht, dass viele in der Verwaltung eine Grundfrustration verspüren. Und wir Jungen sollen diese Dienstkräfte mitnehmen, sie motivieren!

Neben Personalmangel, Verwaltungsmodernisierung und der allgemeinen Zähigkeit ist dieser Umgang mit der Frustration durch alte Organisationsstrukturen eine große Aufgabe für Führungskräfte. Die älteren Dienstkräfte sind nicht konservativ. Sie sind ernüchtert. Ernüchtert in einem System der Besitzstandwahrung.

Na ja, Preußen wirkt halt nach.