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Alle Jahre wieder!

31 Dez

Hallo alle Miteinander,

nie hätte ich gedacht,  dass mir 2016 in so guter Erinnerung bleiben wird. Neuer Job, neue Leute, neue Erfahrungen. Ich muss nicht weg aus der Heimat, alles hat sich gefügt. Alle sind munter und gesund! Alles Bestens, kein Grund für schlechte Gedanken!

Ich frage mich gerade: was soll ich vom Leben erwarten?

Jahrelang war es mir nie so wichtig, was aus meinem Leben wird. Die Zukunft schien mir so ungewiss, dass ein Gedanke daran verschwendete Energie wäre. Nun bekomme ich die Lebensentwürfe der gleichaltrigen Kollegen vorgeführt. Vor kurzem wäre es mir wirklich egal gewesen wie Andere leben – leben und leben lassen. Doch nun schenke ich den Anderen Beachtung und frage mich dabei: wo stehe ich?

Ich fange an mich stärker zu hinterfragen. Aber würde ich wirklich Dinge anders machen? Habe ich etwas grundsätzlich an meiner Biografie zu kritisieren? Mit 30 sieht man sein Leben etwas anders als mit 25. Es ist Teil des Menschen Entscheidungen mit (zu) knappen Wissens- und Zeitressourcen  zu treffen. Das heißt doch aber auch das meine Erwartungen an die Zukunft auf jene knappen Wissens- und Zeitressourcen fußen.

Was will ich? Was soll ich wollen?

Es gibt gleichaltrige Kollegen, die dezidierte Vorstellungen haben,  wo sie in zwei Jahren stehen wollen. Sie verfügen über ein klares Rollenverständnis ihrer selbst. Ihre bereits gemachte (Arbeits)erfahrung macht sie zu (selbst)bewussten Menschen.

Mir scheint, mein Bewusstsein muss sich erst noch ausprägen. Erst jetzt drängt sich mir das „Erwachsene“ richtig auf.

Alle Jahre wieder darüber nachzudenken, wie man „ist“ und wo man „ist“ kann dabei helfen dieses Bewusstsein auszuprägen. Dazu gehört aber auch die Erkenntnis, dass ich nie der Typ sein werde, der vor Selbstbewusstsein strotzen wird. Mein Bewusstsein wird immer etwas zerbrechliches haben. Das Wissen um das Sein wird immer etwas vorläufiges haben. Alle Jahre wieder wird das Sein infrage stehen. Ich muss damit umgehen.

Zu einen gelungen Leben gehört das Materielle, das Soziale und das Philosophische. Alles kann infrage stehen, jederzeit. Alle Jahre wieder diese Tatsache anzudenken hilft mir etwas ruhiger zu schlafen. Auch die Selbst-bewusstesten kochen nur mit Wasser! Auch Ihnen passieren unvorhergesehene Dinge!

Einmal tief durchatmen und dann: weitermachen!

Auf ein Neues.

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Vom Erwachsensein

3 Jan

Hallo alle miteinander,

wann ist man eigentlich „erwachsen“?

der Staat sagt, man ist es wenn man volljährig (18 Jahre) ist (u. U. kann das Jugendstrafrecht bis zu einem Alter von 21 Jahren angewendet werden). Das ist die konkreteste Antwort auf meine Frage, die ich bisher erhalten habe.

Haben wir uns als Kinder und Jugendliche nicht alle danach gesehnt erwachsen zu sein? Nun ist man es. Bei den Freunden und bei Einem selbst ist Ernüchterung eingekehrt. Der Zauber ist weg. Es ist wie Bartwuchs, es ist, als würden die ersten grauen Haare kommen. Es ist einfach da, man arrangiert sich damit. All die Rechte und Möglichkeiten, die man einst ersehnte, sie sind selbstverständlich geworden.

Die Pflichten und Einschränkungen konnten wir als Kinder gar nicht sehen. Woher kommt das Geld? Woher weiß man, dass man das Richtige tut? Wer ist vertrauenswürdig? Man kann ganz schon auf die Fresse fallen. Ob selbst verschuldet oder nicht.  Es tauchen Ängste und Zweifel auf. Das Leben wird zu einem ständigen Abwägen. Neben Spontanität tritt Planung. Naivität wird vom kritischen Denken an den Rand gedrängt.

All dies, es ist einfach da. Auf einmal ist man „erwachsen“. Plötzlich erscheint es einem fraglos gegeben. Es ist die Grundstruktur unserer Lebenswelt. Es gibt keine Grenze zwischen dem Jugendlichen und dem Erwachsenem. Beide Lebensabschnitte fließen so stark ineinander über dass kein Übergang mehr erkennbar ist.

Wir werden auf diesen Abschnitt vorbereitet. Doch kann man sich darauf wirklich vorbereiten? Weiß ein Erwachsener nur mehr als andere Menschen? Denkt ein Erwachsener nur anders als andere Menschen? Auch hier finde ich eine klare Genziehung ist nicht möglich. Mit steigendem Alter verinnerlichen wir mehr und mehr Dinge. Vieles, was wir tun, tun wir aus Routine. Das Erwachsensein ist gewissermaßen ein Set von Routinen, die wir im Alltag, in der Arbeitswelt aber auch im Privatleben abarbeiten.

Das Erwachsensein ist das Ankommen in der Alltagswelt. Unsere Entdeckungsreisen beschränken sich auf den Urlaub oder das Hobby ( u. U. auf die Arbeitswelt). Das Erwachsensein ist eine Auseinandersetzung mit der Alltagswelt. Hobbies und der Urlaub sind ja die Flucht aus dieser Welt. Wir suchen uns Räume, wo wir nicht mehr die Routinen des Alltags abspielen müssen. Doch wollen wir eigentlich den Alltag völlig verlassen? Wollen wir wieder zum Kind werden? Diese Auseinandersetzung besteht aus der Suche nach dem Mittelweg: wie viel Naivität, wie viel Spontanität ist noch möglich? Wie viel Alltag brauchen wir um unseren Pflichten Rechnung zu tragen? Wie stark müssen wir uns an die Gesellschaft anpassen? Wann sind wir zu stark von uns selbst entfremdet?

Das Erwachsensein erscheint uns ab einem gewissen Zeitpunkt als fraglos gegeben. Es ist sowohl das Ankommen in einer Alltagswelt als auch eine Auseinandersetzung mit eben dieser Welt. Die Rechte und Möglichkeiten, die Pflichten und Einschränkungen werden (mehr oder weniger) in unseren Alltag integriert. Das Erwachsensein ist eine ziemlich unspannende Sache. Und doch enthält sie Spannung. Sonst wäre unser Leben ziemlich fade. Es gibt keine Antwort auf die Frage, wann man erwachsen ist. Ich musste erst erwachsen werden, um diese Antwort zu finden.

Lektüre zum Thema Alltagswelt:

Schütz, Alfred / Luckmann, Thomas (1979): Strukturen der Lebenswelt, 17 Auflage. Frankfurt a. M.   Ein eher soziologisches Werk aber mit klaren Erklärungen zum Begriff.

Lefebvre, Henri (1987): Kritik des Alltagslebens. Grundrisse einer Soziologie der Alltäglichkeit. Frankfurt a. M.

Ein eher philosophisches Werk, thematisiert die Flucht aus der Alltagswelt und die Entfremdung, die wir von uns selbst erfahren, wenn wir mit der Gesellschaft interagieren.