Tag Archives: Bürokratie

Berliner Verwaltung

1 Jan

Hallo alle Miteinander,

nun bin ich schon seit über einem Jahr Teil der Berliner Verwaltung. Was ich einst im Studium gelernt habe trifft auf eine Praxis, die wohl kaum an Unis gelehrt werden kann. Eine überalterte Belegschaft trifft auf eine Umwelt, die sich sehr rasant weiterentwickelt. Die Kolleginnen und Kollegen tun was Sie können, um mit den Entwicklungen Schritt zu halten. Das muss ich Ihnen anrechnen!

Mich beschleicht das Gefühl, das einige Verantwortliche ein faktisches Desinteresse zeigen:

  • „ein Jahrzehnt BER“ scheint mir ein Beleg zu sein
  • die Personalplanung des Landes Berlin: warum setzen sich Bezirke und die Senatsinnenverwaltung nicht mal hin und koordinieren Personalbedarfe, anstatt sich gegenseitig die Leute abzuwerben? (eine etwas allgemeine Beschreibung der Lage)
  • IT-Infrastruktur  des Landes Berlin: die Vereinheitlichung der IT-Ausstattung lässt weiter auf sich warten

Jetzt kann man entgegenhalten: all die genannten Themen seien sehr komplex. Hier mit Desinteresse zu argumentieren, sei eher populistisch als realistisch. Zu diesem Realismus gehört es auch anzuerkennen, das die Themen seit Jahren diskutiert werden. Sicher: Patentrezepte kann es nicht geben. Bei aller Historie der „zwei Berlins“ die mitgedacht werden muss: andere Städte und auch das Nachbarland Brandenburg (wo ich wohne) bekommen das besser hin.

Ich befürchte, man wird sich weiter durchwursteln. Die Stadt ist immer noch sehr attraktiv. Sie wächst. Läuft doch! Genau hier liegt das Problem. Es gibt gar keine Notwendigkeit, mal die Lage grundlegend zu durchdenken. Ein älterer Kollege sagte mir mal: „Berlin funktioniert, wir wissen nur nicht warum? Das fasst die Lage gut zusammen. Es dürfte auch die Losung für 2018 sein.

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Didi Hallervorden und die Verwaltung

15 Jul

Hallo alle Miteinander,

der Sketch „Didi Hallervorden auf dem Arbeitsamt“ zeigt durch seine Überspitzung sehr gut, was an der Verwaltungsmodernisierung schief gelaufen ist. Zwar haben sich Sprache und Abläufe in der Verwaltung verändert, die Ergebnisse von Verwaltungshandeln sind da eher hinten an geblieben. So bekommt der Arbeitslose (in dem Sketch) noch immer keine Arbeit. Dafür wird er aber mit englischen Vokabeln zu getextet. Der Arbeitsvermittler hat keine Ahnung von der Lebenswirklichkeit seines „Kunden“. Die Abläufe der Arbeitsvermittlung sind zu eng an bestimmte Berufsgruppen gebunden.

Wie dicht sind wir Verwaltungsmenschen an der Lebenswirklichkeit von bestimmten Personengruppen dran? Arbeiten wir für die Leute oder für die Verwaltung? Wie können wir unseren Spielraum effizient nutzen?

Gute Fragen, guter Sketch!

Klassengesellschaft in der öffentlichen Verwaltung

10 Jun

Hallo alle Miteinander,

ja, dieser Titel ist etwas überspitzt. Er soll zeigen was mich stört: das Denken in Kategorien in der öffentlichen Verwaltung!

Ich bin ja nun erst ein gutes halbes Jahr in der Verwaltung. Doch mir ist schnell aufgefallen, das die Unterteilung in mittlerer Dienst, gehobener Dienst und Höherer Dienst doch sehr stark wirkt. Der Witz an der ganzen Sache: die Grenze zwischen den Laufbahnen ist sehr fließend. Kollegen und Kolleginnen arbeiten an den selben Sachen, gehören aber unterschiedlichen Laufbahnen an. Daran hängen ja letztendlich die Bezahlung und die Privilegien, die man hat. Dies mag auch daran liegen, das diese Grenzen durch eine sich modernisierende Verwaltung aufgelöst werden. Diese Auflösung sollte man aber nicht mit Durchlässigkeit verwechseln. Ich kann die selbe Tätigkeit ausführen, wie mein höher gestellter Kollege. In diese höhere Position zu gelangen ist aber nach wie vor sehr schwierig.

Die Drei-Klassen-Gesellschaft steht einer sich modernisierenden Verwaltung im Weg. Wo in Verwaltungen in Prozessen gedacht wird, wo die Digitalisierung ganze Berufsfelder (der Verwaltung) verändert, wo sich Verwaltung neue Wissensbestände erarbeitet, da ist eine starre Organisationsform konservierend und lähmend. Man wird mir jetzt entgegenhalten, das sich die Verwaltung öffnet, dass sie flexibler wird. Aber in welchem Tempo findet diese Entwicklung statt? Die Entwicklung der Gesellschaft und der Verwaltung klaffen immer weiter auseinander. Die Leute in der Verwaltung fangen diese Lücken auf (IT-Bereich Querschnitt bspw.) Jedoch spiegelt sich dies nicht in der Organisationsstruktur wieder. Mich wundert nicht, dass viele in der Verwaltung eine Grundfrustration verspüren. Und wir Jungen sollen diese Dienstkräfte mitnehmen, sie motivieren!

Neben Personalmangel, Verwaltungsmodernisierung und der allgemeinen Zähigkeit ist dieser Umgang mit der Frustration durch alte Organisationsstrukturen eine große Aufgabe für Führungskräfte. Die älteren Dienstkräfte sind nicht konservativ. Sie sind ernüchtert. Ernüchtert in einem System der Besitzstandwahrung.

Na ja, Preußen wirkt halt nach.

Was Menschen (leider) bewirken…

10 Jan

Hallo alle Miteinander,

der Terror hat uns wieder. Was in Paris passiert ist, ist auf mehreren Ebenen bemerkenswert. Einige wenige Menschen üben die größte Macht aus, über die Menschen verfügen: sie entscheiden über Leben und Tod. Das war eine bewusste Entscheidung. Die Satirezeitschrift Charlie Hebdo ist ein Symbol für das Maximum an Freiheit, das sich eine Gesellschaft leistet. Deshalb mussten Menschen sterben.

Die französische Polizei war tagelang damit beschäftigt die Attentäter zu finden. Ganze Apparate in Ministerien, in der Bürokratie allgemein, dürften damit beschäftigt sein. Zig Tausende Menschen wurden eingespannt. Auch dies dürfte von den Terroristen beabsichtigt worden sein. Sie haben Macht auf die Bürokratie geübt. Sie haben die Agenda der polizeilichen und sicherheitspolitischen Agenda bestimmt. Sie haben Kräfte auf sich fokussiert. Deshalb mussten Menschen sterben.

Neue bzw. alte Diskussionen flammen in der Gesellschaft wieder auf. Vorratsdatenspeicherung in Deutschland, die neue Macht des FN, die Spaltung der Gesellschaft allgemein, das lässt sich jetzt ganz gut beobachten. Die Gesellschaft soll simplifiziert werden: hier die Guten, da die Bösen. Wer gut und wer böse ist, nur eine Frage der Perspektive. Man kann sich so schön verkennen: alle Muslime stehen unter potentiellen Terrorverdacht, der Westen hat die Muslime schon immer diskriminiert, nun hat er einen weiteren Vorwand. Solche Aussagen wird man öfter hören. Sie pauschal und falsch. Aber genau darum geht es. Es geht um Freund und Feind, es geht um die Entmenschlichung einer Gesellschaft. Wir sollen nur noch Teil von Kollektiven sein.  Deshalb mussten Menschen sterben.

Terror als Instrument.

Es geht aber nicht nur um Kollektivierung. Es geht um Identitäten und deren Konflikte.

Das Politische bricht sich hier eine neue Bahn:

Politisches geschieht dort, wo Identitäten in Anerkennungskonflikte verwickelt, d.h. in Frage gestellt sind (Thomas Bedorf ) [1]

Wir haben hier Anerkennungskonflikte. Diese werden weiter geschürt. Terror soll genau dies bewirken. Es mussten Menschen sterben, weil ihre Identität, stellvertretend für die ganze Gesellschaft, verkannt wird.

Terror ist gegen jede Form von Politik:

Politik vollzieht sich dort, wo mit mit institutionell gesicherten Identitäten ge- und verhandelt wird (Thomas Bedorf ) [2]

Terror will nicht verhandeln, er will sich nicht in Strukturen einbinden lassen. Wer sein Leben für eine Ideologie weg wirft, dem ist das alles scheiß egal. Terror ist ein Instrument um das Politische „in Reinform zu induzieren“. Wenn man nichts mehr wert ist, wenn man nur noch ein Gegenstand ist, dann wird nichts mehr ge- und verhandelt. Es werden vielleicht Geld, Waffen und Gefolgsleute heraus gepresst, die Sache, an sich, steht nicht mehr zur Disposition.

Und nun?

Wer mit Kalaschnikows Menschen morden will, wer dies gezielt plant, wer sein Leben weg werfen will, dem ist nur sehr schwer beizukommen. Hilft uns die Vorratsdatenspeicherung hier wirklich? Rechtfertigt dieser Effekt den Eingriff in den Datenschutz? Hilft uns mehr Sicherheitspersonal hier wirklich weiter?

Es sind die selben Reflexe, wie sie immer kommen: mehr Rechte, mehr Geld. Bekämpft man damit eine Politisierung effektiv? Man begegnet den Symptomen, wenn überhaupt. Die Ursachen werden damit nicht angegangen. Es werden nicht die richtigen Fragen gestellt: warum werden Menschen zu Terroristen? Wie können wir vermeiden, dass sie derart verrohen? Wie können wir ihnen zeigen, das sie auch auf andere Weise in die Gesellschaft wirken können?

Denn es geht genau darum. Menschen wollen in die Gesellschaft wirken. Wie können wir diese Wirkmächtigkeit in etwas produktives verwandeln?

Die Terroristen haben ihr Ziel bereits erreicht. Da mache ich mir nichts vor. Mehr können einzelne Menschen nicht erreichen, das ist das Schlimme. Terror ist effektiv. Ich hoffe, das dieser Effekt wieder verfliegt. Dennoch ist er da.

Es wird kalt werden, hoffen wir, dass der Frühling bald kommt.

Literatur:

[1], [2] Bedorf, Thomas: Verkennende Anerkennung. Über Identität und Politik. Suhrkamp, Berlin 2010 S. 226 ff.

Von Irritationen und großer Wut

15 Feb

Hallo alle Miteinander,

ich bin irritiert. Der Genmais 1507 wurde diese Woche das Gesprächsthema. Im EU-Ministerrat konnte bei der notwendigen Abstimmung keine qualifizierte Mehrheit gegen die Zulassung dieser Maissorte erreicht werden.

In der phoenix Runde vom 13.02.2014 diskutierten Befürworter und Gegner das Thema, soweit, so gut. Mein Problem, nicht nur bei dieser Sendung, war, dass Meinung und Gegenmeinung, Fakt und Gegenfakt, Lüge und Wahrheit (aus der Perspektive des jeweils Anderen) aufeinander trafen. Als Laie habe ich gar keine Chance, hier irgendetwas Fassbares zu finden. Ich müsste wahrscheinlich ein paar Semester Biologie/Gentechnik studieren, um die Fakten erfassen und gewichten zu können. Aber wir können doch nicht alle Biologie, Sozialwissenschaften, Physik und Wirtschaftswissenschaften studieren, um Entwicklungen in der Welt zu begreifen.

Nun gibt es ja Leute, die übernehmen diese Erfassung und Gewichtung vornehmen. Fachjournalisten, Lobbyvertreter und NGO-Vertreter tun ja genau dies. Auch in der phoenix Runde waren jeweils Vertreter aus diesen Gruppen eingeladen. Dennoch gibt es diese Meinungsunterschiede, wir müssen immer noch entscheiden, wem wir mehr trauen. Ist es denn so das Greenpeace (ausschließlich) für das Gute ™ kämpft? Sind Lobbyisten, an sich, böse? Ich habe keine Lust, mich auf dieses Schwarz-Weiß-Denken einzulassen. Doch am Ende scheint es genau darauf hinauszulaufen.

Wenn Holger Klein und Florian Freistetter in diesem Podcast argumentieren, dass es gar keine Studie gibt, die die Gefährlichkeit von genmanipulierten Nahrungsmitteln nachweist,  dass die die Diskussion vor allem hysterisch geführt werde, habe ich auch nichts gewonnen. Sicher, gerade bei solchen Diskussionen gibt es immer ein Erregungspotential. Und nun? Ich weiß immer noch nicht, wie ich mich entscheiden soll? Also doch Gentechnik studieren?

Aber es gibt ja noch etwas, von dem ich (ein wenig) Ahnung habe: Politikwissenschaft. Und wir kriegen diese Woche eine handfeste Krise. Ja, das große Wort Krise trifft es ganz gut, finde ich. Ein ehemaliger Bundesverfassungsminister plaudert Amtsgeheimnisse an Unbefugte aus. Er findet dies „politisch und juristisch korrekt“. Ich, als kleiner Praktikant in einer Behörde, musste unterschreiben, dass ich nichts aus der Behörde nach außen tragen soll. Dabei ist unerheblich, ob etwas (strafrechtlich) relevant ist oder nicht. Alles, was für die Arbeit einer Behörde auch nur die kleinste Bedeutung hat, soll in ihr verbleiben. Was für mich galt, gilt erst recht für Amtsträger. Hans-Peter Friedrich kann also gar nicht „juristisch korrekt“ gehandelt haben! Er hat auch nicht dafür gesorgt, dass die Bundesregierung reibungslos arbeiten kann. Im Gegenteil: durch sein Fehlverhalten hat er Reibung erzeugt, man hätte diese Energie sinnvoller nutzen können. Mit „Politischer“ Korrektheit war es also auch nichts.

Nun wäre es aber unfair, hier nur einer Person die Schuld zuzuschieben. Die Öffentlichkeit weiß doch noch gar nicht, wer, wann, was getan und gesagt hat. Ich finde, wir haben es hier deshalb mit einer Krise zu tun, weil hier der Staat infrage gestellt wird. Wiegt ein (vermeidlicher) guter Start einer Koalition mehr als Recht und Gesetz? Wie wichtig ist die Gewaltenteilung? Wurde nicht zumindest der Anschein erweckt, wer ranghohe Freunde hat, muss nicht viel befürchten? Allein, dass ich mir diese Frage stellen muss, macht mich wütend. Ich habe, auch hier im Blog immer versucht ein realistisches Bild von der Politik zu zeichnen. Es sind nicht nur Menschen, sondern auch Systeme, die Politik bestimmen. Was soll ich eigentlich den Leuten erwidern, wenn sie sagen, „die Politik macht was sie will“? Wo ist hier der gesunde Menschenverstand geblieben?

Ich glaube, hier wurde nicht mal richtig darüber nachgedacht. Ja, das ist menschlich und passiert halt. Aber Gedankenlosigkeit schützt vor Strafe nicht. Nur das die falschen bestraft werden: diejenigen, die stets weitsichtig und integer gehandelt haben. Es gibt nun ein weiteres Mosaiksteinchen dieses „System“ infrage zu stellen.

Einfach nix ausplaudern, manchmal gibt es echt klare Regeln. Auch die machen nicht immer alles besser. Aber ich bin ja sowieso für mehr Einfachheit.

Gemeinsamkeit zwischen alten Computern und vergangener Politik?

30 Jun

Hallo alle miteinander,

heute gibt es einen Artikel aus der Reihe „Wir basteln uns Zusammenhänge wo keine zu sein scheinen.“ Der Ursprung dieses Artikels liegt im Podcast Old School Computing aus der Reihe CRE. Zusammengefasst beschreibt der Gast wie „unkompliziert“ die (Raumfüllenden) Computer der 1970er doch waren. Wenn mal was kaputt war konnte man es reparieren, man konnte die dahinter liegende Technik verstehen, jedoch konnte man schon damals mit ihnen Sachen anstellen, wo ich gedacht hätte, sie wären erst später möglich gewesen.

In der Folge wurde aber auch klar, dass die technischen Grundlagen des Computers immer noch die selben sind. Sie wurden nur schneller und einfacher bedienbar bzw. programmierbar. Allerdings verbrauchen Programme heute auch mehr Speicher und CPU-Ressourcen, einfach weil viele Dinge eingebunden werden, die man in der Computer-Urzeit noch von Hand gemacht hat. Das ist für uns gar nicht schlimm, weil PCs heute so viel mehr Ressourcen zur Verfügung haben, wir merken nichts von komplexeren Programmen.

Zwischenfazit: Computer sind im Detail komplexer geworden. Die Grundlagen sind noch die selben. Bequemlichkeit wird mit mehr Ressourcenverbrauch bezahlt, wir merken das aber gar nicht.

Bis vor einigen Jahrzehnten, wo Märkte und Staaten noch nicht so eng verflochten waren, konnten Politiker direkter eingreifen:  Wenn mal was kaputt war konnte man es reparieren, man konnte die dahinter liegenden Prozesse verstehen, jedoch konnte man schon damals Sachen anstellen, wo ich gedacht hätte, sie wären erst später möglich gewesen. Das britische Empire ist so ein Beispiel, ein globalisiertes Staatswesen, wo Ressourcen alles allen Landesteilen zusammengesammelt werden um dem Mutterland Profit zu bringen.

Heute gibt es neben den Staaten jede Menge weiterer Akteure, die kräftig mitmischen: UNO, EU, IWF, NATO, internationale Konzerne, NGOs u. a. Interessenvertretungen. Verträge zwischen diesen Akteuren werden immer länger und komplizierter. Immer mehr Dinge müssen von ihnen geregelt werden: Soziales, technische Normen, Wirtschaft, Millitär usw. Die Grundlagen wie Politik funktioniert sind die selben geblieben. Die Anforderungen was und wie Politik regeln soll sind anspruchsvoller geworden. In Organisationen wie der UNO oder der EU werden viele Ressourcen verbraucht. Im Gegensatz zu Computern, wo wir den Mehrverbrauch gar nicht merken, spüren wir ihn hier sofort. Der Staat soll Dinge so regeln, dass unser Leben bequemer wird. Wir wollen günstige Mobilität, wollen, das unsere Geräte überall funktionieren und wir wollen, dass wir uns überall aufhalten können. Und wir wollen noch viel mehr!

Die Verhandlungen um die diversen Rettungsschirme zeigen einerseits das „Bequemlichkeit wollen“ aber andererseits will man nicht mehr dafür bezahlen müssen. Es scheint relativ einfach zu sein Computer schneller zu machen. Wir bekommen mehr Bequemlichkeit zu geringeren Kosten. So einfach kann man Politik nicht beschleunigen, weil man menschliche Interaktionen nicht beschleunigen kann.

Zwischenfazit: Politik ist im Detail komplexer geworden. Die Grundlagen sind noch die selben. Bequemlichkeit wird mit mehr Ressourcenverbrauch bezahlt, dies merken wir und dies kritisieren wir.

Die Gemeinsamkeit zwischen alten Computer und vergangener Politik ist also, dass sie in einer unkomplizierteren Umgebung gearbeitet haben. Wenige Techniker und Informatiker haben an großen Kisten gearbeitet, sie haben das Maximum heraus geholt. Politiker mussten zwischen wenigen Akteuren Kompromisse in (relativ) wenigen Themengebieten aushandeln. Man kannte sich und die Prozesse, man holte das „Medium“ heraus (hier geht es um Kompromisse).

Der Unterschied zwischen neuen Computer und  gegenwärtiger Politik ist, dass Computer weniger kosten und mehr leisten als früher. Uns kann die Komplexität dieser Maschinen egal sein, weil sie vor uns verborgen werden kann. Was nach dem Mausklick passiert ist für uns irrelevant.  Politik leistet mehr, kostet aber auch mehr. Uns bleibt die Komplexität von Politik nicht verborgen. Wenn wir unsere Stimme abgegeben, unsere Petition eingereicht und unsere Kritik geäußert haben, haben wir zu mindestens das Gefühl, dass das was danach kommt für uns relevant bleibt. Wir haben kein genügendes Vertrauen in Politiker, in politische Prozesse, in die Öffentlichkeit, als das wir sagen könnten „macht ihr mal“. Letztendlich lassen wir sie „machen“, weil das eigene Eingreifen zu viel Zeit, Geld und Nerven kostet.

Computer sind dumm, schnell und fügsam. Der Mensch ist intelligent, träge und betont seine Individualität. Computer machen sich keine Gedanken (über Mittelmäßigkeit). Weil der Mensch seine eigene und seine kollektive Mittelmäßigkeit verhindern will, haben wir Probleme uns in komplexen Systemen einzufügen.

Ministerien, was machen die? Von der Entfremdung der Verwaltung

4 Mai

Hallo alle Miteinander,

ich hab mich hier ja schon zur Bürokratie geäußert. Einerseits haben die meisten Leute überhaupt keine Ahnung wie eine Verwaltung funktioniert, andererseits hat die Verwaltung keinerlei Interesse sich kritisch nach außen hin darzustellen. Klar, Verwaltung verwaltet: Gesetze, Behörden, Ressourcen, Verfahren und Dienstwege. Mit dem Mensch „da draußen“ hat man dort eher wenig zu tun. Parlamente auf der einen Seite und die ausführenden Organe auf der anderen Seite, dass sind die Akteure mit denen man klassischerweise zu tun hat.

Gerade in Bundes- oder Länderministerien, so scheint mir, spielt der Bürger, an sich, keine entscheidende Rolle. Man muss sich der Politik bzw. dem Sachbearbeiter vor Ort erklären. Ich kann mir gut vorstellen, dass neue Formen der Bürgerbeteiligung, in vielen Verwaltungen nicht gewünscht sind. Nicht, weil die Beamten etwas gegen den Bürger, an sich, hat. Es ist wohl eher der entstehende Mehraufwand, der sie schreckt. Auch bei Ihnen werden ja Stellen eingespart, türmt sich die Arbeit auf. Warum sollte man erklären, was man und warum man es tut? Dafür ist doch die Politik zuständig, oder?
Das Problem allerdings ist: ein Minister ist nicht für die konkrete Gesetzesformulierung hauptverantwortlich. Er zeichnet diese zwar ab, trägt letztendlich die Verantwortung, persönlich geschrieben hat er oder sie dieses jedoch nicht. Der mit der konkreten Ausarbeitung befasste Referent, ist aber nicht nach außen sichtbar und will sich vielleicht auch gar nicht mit der Öffentlichkeit befassen. Der Minister kann sich damit, en detail, nicht vor der Öffentlichkeit befassen. Die vielen und schwierigen Aushandlungsprozesse bleiben vor dem Bürger verborgen, und durch Vertraulichkeit geschützt. Es besteht gar kein Interesse, diesen Zustand zu ändern.

Was wäre die Lösung absolute Transparenz? Wenn das so einfach wäre, hätten wir sie vielleicht schon. Was das rechte Maß für Transparenz ist, wird nie zur Zufriedenheit aller feststellbar sein. Ein „weiter so“ ist sicher auch nicht hilfreich. Irgendwo dazwischen lauert das vermeidliche Optimum aus maximaler Transparenz und minimalem Eingriff in die Verwaltung.

Die Verwaltung hat heute so viel Macht, weil wir ihr sie zugestehen. Jeder wird einen Bereich kennen, wo mehr reguliert werden soll. Der Eine profitiert von einer Regelung, ein Anderer hat zusätzliche Kosten damit. Wir wollen selbst entscheiden, ob wir Familien gründen und wie wir sie mit Leben füllen. Der Staat soll aber für jeden Lebensentwurf das passende Reglement bieten, schließlich ist er ja dafür da! Das viel diskutierte Betreuungsgeld ist ein gutes Beispiel hierfür. Wir wollen doch eine professionelle Verwaltung, die diese Reglements ausarbeitet, die losgelöst ist von subjektiven Befindlichkeiten. Dass Verwaltung und Bürger sich nicht mehr verstehen ist doch klar denn: der Bürger will subjektive Befriedigung seiner individuellen Bedürfnisse und die Verwaltung will die objektive Befriedigung möglichst aller. Der Verwaltungsbeamte will sich nicht dem einzelnen Bürger erklären  müssen. Der Bürger möchte, dass sich speziell um ihn gekümmert wird.

Wir wollen doch gar nicht mehr Lebensentwürfe vor der Familie, dem Dorf, wem auch immer, verteidigen müssen. Wenn gesellschaftliche Prozesse in Verwaltungen anonymisiert werden, entsteht genau diese Entfremdung.  Der Verwaltungsbeamte soll sich ausdenken, wie die individuellen Lebensentwürfe vom Staat am besten gefördert werden sollen. Wenn das nicht funktioniert, beschwert sich der individuelle Bürger über die anonyme Masse der Verwaltung.

Mmh, jetzt ist doch der Einzelne wieder schuld, Mist 🙂